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Last.fm : Garagenbands zwischen Radiohead und Coldplay

  • -Aktualisiert am

Mit der eigenen Musik kostenlos 20 Millionen Nutzer erreichen: Last.fm macht es möglich Bild: Last.fm

Das weltweit erfolgreichste Internetradio und Musikportal startet in die nächste Generation: Künstler ohne Plattenvertrag können ihre Musik hochladen und damit Geld verdienen. Doch die innovative Idee ist nicht ganz ohne Eigennutz.

          Insgesamt 1368 Leute hören Oasis´ „Wonderwall“, 148.791 Hörer lieben Die Toten Hosen, 160 Fans gehen zu Sigur Rós in Wiesbaden und die Red Hot Chili Peppers sind die meistgehörten Künstler auf Platz Nummer 4. In dieser Form werden seit wenigen Tagen nicht nur Statistikfreunde auf dem größten sozialen Musiknetzwerk Last.fm begrüßt.

          Das inzwischen weltweit erfolgreichste Internetradio und Musikportal ging 2002 ins Netz. Nach eigenen Angaben führt der Musikriese etwa 20 Millionen aktive Nutzer. Neben dem üblichen Web 2.0-Schnickschnack wie Freundeslisten, Mail-Versand und Benutzergruppen bietet die Website natürlich jede Menge Musik: Empfehlungen von Künstlern und Events sowie personalisierte Charts und Radiostationen. Und genau das ist der Clou an Last.fm: Alles ist individuell abgestimmt auf die eigenen Hörgewohnheiten.

          Musik hochladen und Geld verdienen

          Nun hat Last.fm sein Design grundlegend überarbeitet und zieht selbstbewusst „in die nächste Generation“. Bei einem neuen Layout sollte es nicht bleiben. Mit dem Anfang Juli gestarteten „Artist Royalty“-Programm hat das Londoner Unternehmen eine kleine Revolution ins Leben gerufen: Musiker ohne Plattenvertrag können ihre eigene Musik hochladen und erhalten für jedes ihrer gehörten Lieder „Royalties“, also Tantiemen. Diese gehen ohne Umwege über Verwertungsgesellschaften oder Plattenfirmen direkt an den Künstler.

          Doch wie kann man sich das vorstellen? Die Garagenband vom Nachbardorf zwischen Radiohead und Coldplay? Schließlich kann nun jeder Hobbymusiker ungehindert Musik auf die Seite stellen, ohne dass diese eine Kontrolle durchläuft. Einen Qualitätsverlust befürchten die Macher jedoch nicht: „Seit dem offiziellen Launch des Artist-Royalty-Programms wurden bereits über 7 Millionen Songs von Künstlern ohne Plattenvertrag gestreamt. Dies zeigt, wie groß das Interesse der Last.fm-Community an Musik jenseits des Mainstreams ist“, sagt Scott Woods, Managing Director Germany von Last.fm, gegenüber FAZ.NET.

          Bereits 450.000 Songs von über 70.000 Künstlern

          Seit Januar diesen Jahres konnten sich Musiker und Bands für das Programm anmelden. Bis Ende Juli wurden mehr als 450.000 Songs von über 70.000 Künstlern online gestellt. Auch die Band „Toolylooly & The McBobbies” hat Last.fm als Veröffentlichungsmedium genutzt. „Wir sehen es zunächst als eine neue Chance für die Verbreitung unserer Musik“, sagt Tobias Konken, Gitarrist der Ska-Punk-Band.

          Die junge Band aus Münster hat sich für das „Artist Royalty“-Programm angemeldet, empfindet die Vergütungen des Programms jedoch als einen „eher positiven Nebeneffekt“. Wenn es nach Konken ginge, könnten die Zusatzverdienste auch weggelassen werden. „Denn während Seiten wie MySpace zu einem nicht mehr ernstzunehmenden Massenspektakel geworden ist, steht bei Last.fm noch die Musik im Vordergrund, und weniger die Selbstprofilierung“, sagt Konken.

          Die Höhe der Tantiemen bestimmt die Art des Abrufs

          Last.fm hat sich zum Ziel gesetzt, jeden jemals aufgenommenen Song seinen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Auch die Musik von Do-it-yourself-Künstlern wie Toolylooly & The McBobbies, also Songs, die ohne Plattenverträge veröffentlicht werden. „Realistischerweise, könnten wir dieses Ziel nicht erreichen, wenn wir nicht gleiche Regeln für alle gelten lassen und allen Künstlern die Möglichkeit geben, Tantiemen einzunehmen wie Independent-Bands oder Künstler großer Plattenfirmen“, so Scott Woods von Last.fm.

          Ob das der einzige Grund für das innovative „Artist Royalty“-Programm ist, bleibt zu bezweifeln. Die Künstler werden an den Werbeerlösen beteiligt. Die Höhe der Tantiemen wird dadurch bestimmt, ob die Titel im Last.fm-Radio abgespielt oder On-Demand abgerufen werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Unternehmen auf diese Weise noch immer günstiger davon kommt, als mit den hohen Gebühren, die für Verwertungsgesellschaften wie die Gema anfallen.

          Quelle: FAZ.NET

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