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Im Dauertest : So tickt die Apple Watch

Als Sportuhr ist die Apple Watch schon jetzt ziemlich fit Bild: Hersteller

Ein Partner für das iPhone: Die Apple Watch ist mehr als nur Beiwerk, aber sie läuft noch nicht perfekt. Die smarte Uhr zeigt ihre Stärken vor allem im Fitness-Bereich. Wir haben sie mehrere Wochen getestet.

          Wenn man die Apple Watch einige Wochen getragen hat, relativiert sich der hohe Stellenwert, der ihr in der medialen Aufmerksamkeit zuteilwird. Hier soll es um das Produkt gehen und nicht um den Apple-Hype. Die smarte Uhr, die in zwei Größen (38 und 42 Millimeter in der Höhe) und drei Modellreihen sowie mit unterschiedlichen Armbändern zu Preisen von 400 Euro an erhältlich ist, hat stets dieselbe Funktionalität. Selbst das teuerste Modell für 18.000 Euro kann nicht mehr als das günstigste, und ihr Akku läuft nicht eine Sekunde länger.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Auswahl der Watch kann sich also an Stil, Mode und individuellen Präferenzen orientieren. Wer es mag: Die Ausführung in 18 Karat Roségold lässt sich mit einem 59-Euro-Sportarmband aus Plastik kombinieren. Apple hat ein eigenes Befestigungssystem für Armbänder erfunden, das einen schnellen Wechsel ohne Werkzeug erlaubt. Der Body der Uhr weist am jeweils oberen und unteren Ende eine Führungsschiene auf, in die das Band seitlich hineingeschoben wird. Drei Plastiknoppen am Bandende sorgen für einen präzisen Sitz und rasten in der Schiene hörbar ein. Zum Abnehmen des Bandes lässt sich der Sperrmechanismus mit dem Fingernagel entriegeln.

          Das Edelstahl-Gliederarmband ist mit einem ähnlich raffinierten Mechanismus versehen: Glieder lassen sich zur individuellen Anpassung einzeln ohne Werkzeug entnehmen. In der unteren Führungsschiene der Uhr verbirgt sich ein undokumentierter 6-Pin-Diagnoseport, der angeblich auch zum Laden des Akkus genutzt werden kann. Denkbar, wenngleich bislang reine Spekulation, sind also Akku-Armbänder.

          Die Unterseite der Uhr hat zwei Fotodioden und zwei Leuchtdioden, die den Blutfluss im Handgelenk zur Messung der Herzfrequenz erfassen. Und zwar mit Infrarotlicht im Standardbetrieb alle zehn Minuten und mit grünem Licht bei der kontinuierlichen Messung während eines sportlichen Trainings (Work-out). Tätowierungen am Handgelenk können die Messung beeinflussen. Generell ist die Bestimmung der Herzfrequenz über die Hautdurchblutung nicht trivial. Viele Sportuhren versagen in dieser Disziplin. Angeblich hat die Watch auch ein Pulsoximeter eingebaut, das die Sauerstoffsättigung des Blutes abermals über die Lichtabsorption ermittelt, das behaupten die Reparaturspezialisten von Ifixit, die eine Uhr auseinandergenommen haben.

          Bedient wird die Uhr mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Amoled-Display, der Seitentaste und der „digitalen Krone“, die man drehen und drücken kann. Weiterhin gehört „Force Touch“ zum Bediensystem, quasi ein „rechter Mausklick“ durch festen Druck auf das Display, wie ihn auch das Touchpad der neuen Macbook-Rechner beherrscht. Und schließlich ist ein Aktuator eingebaut, den Apple „Taptic Engine“ nennt. Er gibt mit Klopfen und Pulsieren sehr subtile Hinweise - an deren Bedeutung man sich erst gewöhnen muss. Vibrationen und Töne sind nicht anpassbar, aber natürlich abschaltbar, etwa für Kirche und Kino.

          Bisherige Smartwatches haben eher schlichte Menüsysteme

          Das Bediensystem der Apple Watch erfordert anfangs ein wenig Aufmerksamkeit. Bisherige Smartwatches haben eher schlichte Menüsysteme mit horizontal und vertikal angeordneten Symbolen, die mit dem Finger und Wischgesten oder Seitentasten der Uhr aufgerufen werden. Es sind starre Menüs mit gegebenenfalls langen Wegen. Apple hat für die Watch ein Bediensystem entwickelt, das dynamisch und skalierbar ist. Der Uhrenbildschirm wird automatisch aktiv, wenn man den Arm hebt. Die Apps liegen wie bunte Murmeln auf einer einzigen Ebene, man kann sie bewegen und verschieben, nach eigenem Gusto anordnen und die Größe der Symbole mit Drehen der Krone ändern. Wie auf dem iPhone erreicht man Push-Notifications aller Art durch einen Fingerwisch vom oberen Displayrand nach unten. In umgekehrter Richtung ruft man die Checks auf, anpassbare Kurzinfos, wie etwa den Wetterbericht oder den nächsten anstehenden Termin. Die Sprachassistentin Siri läuft mit der Uhr bestens und lässt sich bei eingeschaltetem Display mit dem Ruf „Hey, Siri!“ starten.

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