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Huawei Mate 9 im Test : Hart an der Kante gebaut

Das Mate 9 von Huawei Bild: Hersteller

Das neue Huawei Smartphone Mate 9 hat ein Riesendisplay. Dennoch wirkt es kompakt. Dahinter steckt ein Trick.

          Richard Yu will es wissen: „Wir werden sie einholen, Schritt für Schritt“, sagt der Chef des Konsumentengeschäfts von Huawei und formuliert sein Ziel präzise: In zwei Jahren will er Apple vom zweiten Platz der erfolgreichsten Smartphone-Hersteller verdrängen, momentan liegt Huawei hinter Samsung und Apple. Im dritten Quartal hat Samsung rund 75 Millionen Geräte verkauft, Apple rund 45 Millionen und Huawei 34 Millionen. Das Ziel ist also nicht utopisch.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Huawei stürmt seit Jahren nach vorn. Seit dem Sommer ist Leica ein Partner, um die Kamera der chinesischen Smartphones zu verbessern. Nun tritt Porsche Design dazu und verschönert eine Sonderserie des Huawei Mate 9. Das ist das neue Flaggschiff der Chinesen, wir probierten es einige Zeit aus. Angesichts der Display-Diagonale von 5,9 Zoll spricht man meist von einem Phablet, also einer Mischung aus Smartphone und Tablet.

          Das Mate 9 sieht aus dieser Perspektive gar nicht so groß aus Bilderstrecke

          Legt man jedoch das Mate 9 mit seinen 15,7 × 7,9 × 0,8 Zentimeter und einem Gewicht von 192 Gramm neben ein iPhone 7 Plus, sieht man sofort, dass hier nahezu exakt die Maße des Apple-Boliden übernommen wurden, obwohl der wiederum mit einem 5,5-Zoll-Display auskommen muss. Der Trick der Chinesen besteht darin, hart an der Kante zu bauen, also den Rand rund um die Anzeige drastisch zu reduzieren. Ein dünner Rand ist aufwendig in der Produktion; Huawei zeigt, dass sie es können.

          Geht es um die inneren Werte, fährt Huawei mit allem auf, was derzeit angesagt ist: Es ist das erste Gerät mit dem superschnellen Kiri-960-Prozessorensystem, es unterstützt LTE nach der Norm Cat 11, also mit Downloads bis 600 MBit/s, und es hat ein neues Dateisystem, das Geschwindigkeitseinbußen im Dauereinsatz verhindern soll. Nach anderthalb Jahren laufe das Gerät noch so flüssig wie am ersten Tag, hieß es während der Produktvorstellung.

          Gerät wirkt verwindungssteif und robust

          Die mit Leica entwickelte Kameraabteilung wurde verbessert, unter anderem hat die zweite Linse nun einen verbesserten Monochrom-Sensor. Der fest eingebaute Akku leistet spektakuläre 4000 Milliamperestunden, zum Vergleich: Das iPhone 7 Plus hat 2915 mAh, das Samsung Galaxy 7 Edge 3600 mAh. Vier Gigabyte Arbeitsspeicher werden ergänzt um 64 Gigabyte Flashspeicher, und man kann zudem mit Micro-SD-Karten aufrüsten. Verzichtet man auf den Extraspeicher, passt eine zweite Sim-Karte in den Schlitten.

          Anmutung und Verarbeitungsqualität überzeugen: Rahmen und Rückseite bestehen aus Aluminium, das Display ist zum Rand hin angeschliffen. Das Gerät wirkt verwindungssteif und robust, aber das Gehäuse hat keine Zertifizierung für Staub- und Wasserschutz. An der Unterseite kommt ein USB-C-Anschluss zum Einsatz, leider nur mit USB-2.0-Tempo bei der Datenübertragung. Ungewöhnlich sind ein Infrarot-Auge zum Einsatz als Fernbedienung, sage und schreibe vier Mikrofone sowie zwei Lautsprecher. Im Freisprech-Lautsprecherbetrieb lässt sich ein Richtmikrofon aktivieren, die Akustik ist exzellent.

          Apps mehrfach verwenden

          Während der Inbetriebnahme zeigt sich gleich das neue Emui-System, das Huawei über Android 7 packt. Emui trägt die Versionskennziffer 5, weist Dutzende kleiner Verbesserungen auf und lässt nun auch wieder den Einsatz eines App Drawers zu, den der Hersteller bislang für entbehrlich hielt. Innovativ: Man kommt viel schneller in die Untermenüs und kann mit der App-Klonung dieselbe App mit mehreren Nutzerkonten verwenden. Derzeit funktioniert das für Facebook und Whatsapp. Wer aus der Apple-Welt kommt, sieht in weiteren Details unmittelbar das große Vorbild - bis hin zu den Bedienungsgesten, etwa den Fingerwisch nach unten, um die Suchfunktion zu starten.

          Huawei als Apple-Alternative: Auch die Kamera soll dazu beitragen. Während der Vorstellung in München wurde immer wieder betont, dass man nun auf Augenhöhe mit dem iPhone liege. Die Kamera ist in der Tat noch einmal einen Tick besser als die im Huawei P9 und P9 Plus. Sie wird jetzt von einem optischen Bildstabilisator unterstützt. Während der Farbsensor bei 12 Megapixel bleibt, erreicht der zweite monochrome jetzt 20 Megapixel. Bei schwachem Licht sammele er zusätzliche Bildinformationen, die mit der Farbaufnahme kombiniert würden, erklärt der Hersteller.

          Das Mate 9 ist ein Kraftpaket

          Das Leica-Menü mitsamt Modus für Schwarzweißaufnahmen mit hohem Kontrast und hoher Dynamik bleibt. Nach unseren ersten Erfahrungen und einigen hundert Aufnahmen ist die Fotoqualität des neuen Huawei in der Tat ausgezeichnet. Aber im Vergleich schießen ein Samsung Galaxy S7 und ein iPhone 7 Plus die etwas besseren Aufnahmen. Die Kamera des Mate 9 macht Spaß, man experimentiert gern mit dem Monochrom- und Profi-Modus, die Bilder werden erstklassig. Auch die Effekte mit großer Blende und viel Bokeh sind spektakulär und sorgen für manches Staunen. Der hauchdünne Unterschied zu den beiden 7er-Modellen aus Kalifornien und Korea ist jedoch sichtbar, wenn man es genau wissen will.

          Auf Augenhöhe mit den beiden Referenzgeräten spielt das Huawei sodann im Tempovergleich. Das Mate 9 ist ein Kraftpaket. Sein Kirin-960-System mit zweimal vier Kernen und der neu gestalteten Grafikeinheit sorgen für einen Spitzenplatz auf den Benchmarklisten, nur das iPhone 7 Plus ist schneller. Im Alltagseinsatz hielt zudem der Akku bei uns fast immer zwei Tage durch, auch hier liefert Huawei eine überragende Leistung. Das beiliegende Ladegerät erlaubt ein sehr flottes Laden, nach 20 Minuten ist der Akku zur Hälfte gefüllt. Was fehlt? Das Display könnte höher auflösend sein, es bietet 1920 × 1080 Pixel. Erst die Porsche-Modellvariante kommt auf 2560 × 1440 Pixel, kostet indes 1400 Euro. Das Standardmodell des Mate 9 startet bei 700 Euro, an diesem Preis gibt es nichts zu mäkeln. Das Gebotene ist feinste Oberklasse-Technik, die begeistert.

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