http://www.faz.net/-gy9-7qkt6

Fire Phone : Amazon stellt erstes Smartphone vor

Jeff Bezos stellt das erste Smartphone von Amazon vor Bild: AP

Das erste Smartphone von Amazon überrascht mit beeindruckenden Funktionen in der Software. So ist Firefly ein Art Scanner für Alles und eine visuelle Suchmaschine. Gefunden werden aber soll vor allen Dingen eines.

          Amazon hat sein erstes Smartphone vorgestellt. Es heißt „Fire Phone“ und ist schwarz. Vorder- und Rückseite bestehen aus Glas, die von einem gummierten Rand umfasst werden - ähnlich wie bei den Kindle-Geräten. Das Display ist 4,7 Zoll groß, das Material ist Gorilla Glass 3. Laut Amazon soll es blickwinkelunabhängig und auch bei Sonnenschein gut lesbar sein. Der Snapdragon-Prozessor von Qualcomm hat vier Kerne und ist mit 2,2 Gigahertz getaktet. Für die Grafikaufbereitung sorgt ein Andreno 330, der Arbeitsspeicher hat 2 Gigabyte, der interne 32 Gigabyte.

          Die Tasten bestehen aus Aluminium, eine ist für das Auslösen der Kamera gedacht. Die Kamera auf der Rückseite hat 13 Megapixel, eine lichtstarke f/2.0-Blende und einen Bildstabilisator. Amazon stellt per „Cloud Drive“ unbegrenzten Speicher für die Fotos zur Verfügung. Es sind Stereo-Lautsprecher verbaut, Musik und Filme können im Dolby-Digital-Format abgespielt werden. Es liegen „magnetische“ Ohrstöpsel bei.

          Software mit Alles-Scanner

          Die interessanteste Softwarefunktion ist „Firefly“. Es ist ein Alles-Scanner, der per seitlichem Knopf aufgerufen werden kann und „100 Millionen verschiedene Dinge“ erkennt, indem er sie mit verschiedenen Datenbanken abgleicht. Firefly scannt QR- und Barcodes von Produkten, Texte, Audio, Bilder, Kinofilme, schriftliche Inhalte und Kunstwerke. Amazon hat eine visuelle Suchmaschine geschaffen, die in den meisten Fällen direkt zum Amazon-Store führt. Doch es gibt auch Ergebnisse, die ein „uneigennütziger“ Service sind. So schafft es Firefly zu erkennen, welche Sendung gerade läuft oder ruft gescannte Telefonnummern auf.

          Der Musikdienst von Amazon darf nicht fehlen
          Der Musikdienst von Amazon darf nicht fehlen : Bild: dpa

          „Dynamic Perspective“ nennt Amazon eine neue Technologie, die den Nutzer dabei beobachtet, was er tut: wie er schaut, den Kopf bewegt oder das Fire Phone hält. Aufgrund dieser Informationen passt das Smartphone seine Darstellung dementsprechend an. Die Grundlage in der Hardware sind vier spezielle Kameras, die das Umfeld in einem Winkel von 120 Grad aufnehmen, im Dunkeln hilft zusätzliches Infrarotlicht. Dadurch ist ein 3D-Effekt möglich, über den im Vorfeld nun spekuliert wurde. Auf der Veranstaltung wurden einige Bilder gezeigt, bei denen der dreidimensionale Effekt gut funktioniert. Die Maps-App verfügt ebenfalls über solche Darstellungen. Der Homescreen scheint eine ähnliche Anmutung zu besitzen, auf dem es keine „Hierarchie“ gibt. Es lassen sich alle Arten von Dokumenten ablegen, zum Beispiel Bücher oder Webseiten.

          Jeff Bezos stellte auch abermals seinen neuen Musikdienst vor. „Prime Music“ ist für Prime-Mitglieder kostenlos. Es gäbe bereits ein Repertoire von einer Million Lieder, was im Vergleich zu anderen Diensten wie Spotify, Google Music oder Wimp sehr wenig wäre. Ein Angebot von 20 Millionen Titeln ist mittlerweile Standard.

          Mit einer Hand bedienen

          Laut Amazon-Chef ist das Fire Phone konzipiert, um es mit einer Hand zu bedienen. Deswegen gibt es jede Menge Gestensteuerung oder Funktionen wie automatisches Scrollen: Bei Büchern scrollen die Seiten in einer bestimmten Geschwindigkeit, die man vorgibt. Hält man das Smartphone in einer bestimmten Art und Weise, wird man schneller durch das Menü geführt. Oder bei der Nutzung von Amazon Music werden die Songtexte angezeigt.

          Preise wurden bisher nur für Amerika bekannt gegeben. Dort kostet dann ein Fire Phone 199 Dollar, wenn man einen Zwei-Jahres-Vertrag bei AT&T abschließt. Dazu gibt es ein Jahr lang kostenlos eine Prime-Mitgliedschaft. Amazon setzt weiterhin auf diese Dienstleistung. Laut Bezos steigt die Zahl der Mitglieder exponentiell. Ein Grund ist wohl Amazons Prime Instant Video, ein Streaming-Dienst (ehemals Lovefilm), den Prime-Mtglieder unbegrenzt nutzen dürfen. Laut Bezos stehen mittlerweile insgesamt 40.000 Titel zum Streamen zur Verfügung.

          Verkaufsstart für das Fire Phone ist der 25. Juli. Wann es nach Deutschland kommt, ist offen.

          Die Suchmaschine für die Wirklichkeit: Firefly
          Die Suchmaschine für die Wirklichkeit: Firefly : Bild: AP

          Mit dem Smartphone hat Amazon sich noch breiter aufgestellt und eine weitere Lücke geschlossen. Das Unternehmen hat nun als mobile Geräte E-Book-Reader, Tablets und ein Smartphone im Angebot. Im April hatte Amazon sein Fire TV vorgestellt. Mit dieser kleinen Box lassen sich Medieninhalte streamen. Entweder kommen diese vom mobilen Gerät oder per Internet von Amazon selbst oder Partnern wie Netflix. In diesem Bereich konkurriert das Unternehmen damit direkt mit Google Chromecast oder Apple TV.

          Dass Amazon jetzt erst auf dem Smartphone-Markt aktiv wird, macht die Situation nicht leichter. Denn der Kuchen scheint verteilt. Jedes dritte Smartphone ist von Samsung, das iPhone folgt mit einem Anteil von 15 Prozent. Dann folgen einige ambitionierte Anbieter, die gerade in den vergangenen Monaten ihre Flaggschiffe vorgestellt und gezeigt haben, dass sie mit Samsung und Apple konkurrieren können. Darunter Unternehmen wie Sony, LG, HTC oder Huawei.

          Doch es geht um die Kopplung der Hardware an Inhalte. Was Apple mit seinem Appstore und iTunes vorgemacht hat, soll sich auch bei anderen Unternehmen bewähren. So hat letzte Woche Samsung bei der Vorstellung seines neuen Tablets Tab S „Papergarden“ vorgestellt. Es ist ein Art virtueller Kiosk mit Zeitschriften von Verlagen, mit denen Samsung eine Kooperation eingegangen ist. Darunter sind Condé Nast, National Geographic und das Comic-Label Marvel. Der Clou daran ist, dass deren Produkte für das Galaxy Tab S besonders aufbereitet werden.

          Das Fire Phone scheint sehr stark darauf ausgerichtet, dass der Nutzer mit den neuen Funktionen fast nur auf die Dienste von Amazon zugreift. Bei Firefly hat man den Eindruck, dass der Nutzer direkt in den Amazon-Store gelockt werden soll, um dort einzukaufen. Dennoch ist der erste Eindruck vom Fire Phone zunächst ein positiver, weil Bezos einige Funktionen bei Soft- und Hardware vorgestellt hat, die man von den bisherigen Smartphones so nicht kennt und deren Anwendung interessant erscheinen.

          Technische Daten und Preis

          Prozessor: Qualcomm Snapdragon 2,2 Gigahertz

          Display: 4,7 Zoll

          Betriebssystem: Modifiziertes Android

          Kamera: 13 Megapixel mit Blende f/2.0 und Bildstabilisator (hinten), 2,1 Megapixel vorne

          Schnittstellen: WiFi 802.11 a/b/g/n/ac, NFC, Bluetooth 4.0, LTE

          Speicher: 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und 32 Gigabyte interner Speicher

          Audio: Stereo-Lautsprecher mit Dolby Digital Plus

          Preis: 199 Dollar mit 2-Jahres-Vertrag AT&T

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Die Bücher tanzen lassen Video-Seite öffnen

          #BücherDJ : Die Bücher tanzen lassen

          Auf der Frankfurter Buchmesse wird ein Bücher-DJ vorgestellt – mit Mischpult, Touch-Funktion und eigenem Hashtag. Zeit für einen Besuch beim „mvb“, dem Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels.

          Topmeldungen

          Trumps Ex-Sprecher Sean Spicer

          Ex-Trump-Sprecher : Russland-Ermittler verhören Sean Spicer

          Fast einen Tag soll die Befragung gedauert haben: Das Team von Sonderermittler Robert Mueller hat Sean Spicer nach umstrittenen Entscheidungen seines ehemaligen Chefs im Weißen Haus befragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.