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Dragon 6 für Mac im Test : Wenn einen der Drache nicht richtig versteht

Es gibt eine neue Version 6, die Dragon Professional Individual heißt, 300 Euro kostet und von OS X 10.11.6 an mit einem halbwegs flotten Mac läuft. Bild: Spehr

Die Spracherkennung Dragon 6 für den Mac läuft noch immer unrund. Die Software ist schlank. Aber sie ist schlecht ins Betriebssystem integriert.

          Es ist kompliziert, das Verhältnis angespannt, das Leiden aller Beteiligten unübersehbar. Die Rede ist von der Nuance-Spracherkennung für den Mac. Während der amerikanische Hersteller in der Windows-Welt das Maß aller Dinge setzt, stellt die Variante für Apple-Rechner seit Jahren eine Geduldsprobe dar. Einerseits spielt die Erkennungsleistung, also die Fähigkeit, das gesprochene Wort nahezu fehlerfrei in geschriebenen Text umzusetzen, auf höchstem Niveau. Bleibt das Vokabular alltagssprachlich-allgemein, muss man nichts mehr korrigieren. Es ist verblüffend. Andererseits waren Bedienung und Systemintegration des bisherigen Dragon Dictate misslungen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun gibt es eine neue Version 6, die Dragon Professional Individual heißt, 300 Euro kostet und von OS X 10.11.6 an mit einem halbwegs flotten Mac läuft. Wir probierten die im Download dreieinhalb Gigabyte große Software auf dem Macbook 12 aus, mit dem das Programm ungeachtet der eher bescheidenen Ressourcen hinreichend schnell lief. Die gesamte Anmutung wirkt wie bei Vorgängerversion 5 schlank und kompakt. Das früher langwierige Sprechertraining entfällt zugunsten einer kurzen Mikrofonanpassung, die in Windeseile erledigt ist. Die Erkennungsgenauigkeit bleibt sagenhaft, großartig, man kann Nuance dafür nicht genug loben.

          Wie gehabt, ist jedoch die Integration in bestehende Anwendungssoftware unzureichend. Wir probierten Dragon 6.0.6 in Word 2016, in Apples Schreibprogramm Pages und in Apple Mail. Weitgehend behoben wurde der Fehler, dass der Cursor in Word während einer Sprechpause zurückspringt und damit aus dem Text nach dem Beginn des nächsten Diktats Buchstabensalat macht. Auch die Geisterzeichen, die in Mail durch den diktierten Text irrten, traten nicht mehr auf.

          Was hat sich Nuance dabei nur gedacht?

          Aber in Word und Pages, nicht jedoch in Mail, war ein neues Problem zu beobachten: Man will korrigieren, bekommt das entsprechende Fenster eingeblendet und sagt im Korrekturfenster „bearbeiten“, um einen der angezeigten Einträge zu modifizieren. Statt nun den Befehl auszuführen, wird der eigene Text mit „bearbeiten“ überschrieben. Bearbeiten kann man nichts, damit also auch nicht korrigieren. Was hat sich Nuance dabei nur gedacht? Diktieren in ein längeres Word-Dokument funktioniert gar nicht, nicht einmal ansatzweise, wir hatten ein Büchlein mit 200 Seiten geöffnet. Ähnlich kuriose Effekte hatten wir schon mit Dragon 4 und Dragon 5 erlebt und geschildert. Die sehr gute Erkennungsleistung wird also noch immer konterkariert durch die schlampige Systemintegration. Die hohe Erkennungsleistung fasziniert jedoch. Je besser man diktieren kann, je flüssiger das Diktat läuft, umso fehlerfreier ist die Transkription – und man wird vom ganzen Korrektur-Kuddelmuddel weitgehend verschont. Zudem kann man statt Word, Pages und Mail den im Hilfe-Menü gut versteckten Mini-Editor Dragonpad nutzen.

          Auch das Arbeiten mit einem Diktiergerät gelingt prima, wenngleich die Mac-Version nicht in der Lage ist, DSS-Dateien umzusetzen, man nehme also MP3 und ein möglichst gutes Gerät mit Nebengeräuschunterdrückung. Die Transkription kann im Hintergrund erfolgen, man diktiert also zunächst alles in einem Rutsch in eine Datei – und erhält dann den fertigen Text nach einer gewissen Wartezeit. Eine empfehlenswerte Hardware ist das Philips DPM 8000. Dragon 6 für den Mac ist noch kilometerweit von seinem Windows-Pendant (in der Version 15) entfernt. Selbst ohne die hier erwähnten Macken wären die Unterschiede riesig. Die Windows-Software ist zwar nicht besser in der Spracherkennung, bietet aber mehr Flexibilität hinsichtlich Bedienung und Kommandos. Dass nicht einmal die gemeinsam vorhandenen Befehle beider Betriebssystemwelten gleich lauten, ist einfach nur peinlich.

          Gemeinsam haben beide Versionen jedoch Dragon Anywhere: Hier wird das eigene Zusatzvokabular, etwa Fachbegriffe und Namen, geräteübergreifend in der Cloud gesichert. Der Pluspunkt ist die Integration der Mobilgeräte wie Smartphone oder Tablet-PC. Denn während man sein Privatvokabular auch mit Export und Import von einem Rechner zum anderen übertragen kann, gelang dies bislang mit dem Handy nicht. Die Apps gibt es für iOS und Android, sie erlauben ein Live-Diktat, das nach jeder Sprechpause transkribiert wird. Dazu muss wie bei Siri eine Internetverbindung vorhanden sein. Man kann also nicht mit dem iPhone aufnehmen und später transkribieren lassen. Der Vorzug gegenüber Siri besteht nicht nur in der höheren Erkennungsleistung und der Integration des eigenen Vokabulars, sondern in vielen Möglichkeiten der Weiterbearbeitung. Dragon Anywhere kostet 12 Euro im Monat oder 127 Euro im Jahresabonnement.

          Quelle: F.A.Z.

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