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Digitaler Hörfunk : Sag dem Radio leise Servus

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Pure Evoke H6 Bild: Hersteller

Der digitale Hörfunk kommt in Schwung, die praktischen Vorzüge sprechen sich immer mehr herum. Das Programmangebot überholt jetzt das UKW-Repertoire.

          Ende gut, alles gut? So könnte man die jüngsten Verkaufszahlen für digitale Radios lesen: Im letzten Jahr gingen 1,3 Millionen Empfänger für das Radiosystem DAB+ über deutsche Ladentische, sagt der Home Electronics Market Index, kurz Hemix. Das sind 11,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die analoge Konkurrenz dagegen schrumpfte im selben Zeitraum unübersehbar: Der Absatz von tragbaren UKW-Radios ging um 12,7 Prozent zurück, HiFi-Tuner mit UKW-Empfangsteil erlebten sogar ein fettes Minus von 35 Prozent.

          Gerät die letzte analoge Bastion der Medientechnik nun also doch allmählich ins Wanken? Schafft das Radio am Ende den Übergang in die digitale Ära, ohne an Reichweite und Attraktivität zu verlieren? Lange Zeit gab es darauf nur pessimistische Antworten. Immerhin nahm DAB, damals das designierte digitale Nachfolgesystem für den UKW-Funk, schon 1997 den Regelbetrieb auf. Bis zum Jahr 2015, so die zeitgenössische Zielprojektion, sollte UKW aufs Altenteil – komplett beerbt von einem digitalen Übertragungssystem, das die geneigte Hörerschaft nicht nur mit besserer Tonqualität, sondern auch mit Texten, Bildern und anderen multimedialen Dreingaben beglücken sollte.

          Einst kurz vor dem Aus

          Doch das Projekt dümpelte vor sich hin, Empfangsgeräte blieben Nischenware. Kein Wunder eigentlich: Noch zur Jahrtausendwende kostete ein DAB-Tuner fürs Wohnzimmer zwischen 1500 und 2000 Mark, digitale Zusatzkomponenten fürs Autoradio schlugen mit 800 bis 2000 Euro zu Buche, Montagekosten kamen noch hinzu. So konnte keine Nachfrage entstehen, und folglich hielten sich viele Regionen mit dem Netzausbau zurück, besonders im Norden der Republik. Mecklenburg-Vorpommern etwa blieb ein DAB-Vakuum, die Niedersächsische Landkarte des Digitalempfangs zeigte viele weiße Flecken, in Hessen und einigen anderen Bundesländern stellten DAB-Programme ihre Dienste wieder ein.

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          Im Herbst 2009 schließlich stand DAB kurz vor dem Aus: Die privaten Hörfunkanbieter hatten schon im Sommer beschlossen, DAB nicht mehr zu nutzen. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz Kef, legte daraufhin die Etats für den weiteren Netzausbau auf Eis, weil sie kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept erkennen konnte. Erst Anfang 2011 entschloss sich eine „Allianz der Willigen“, wie sie sich selbst nannte, zum Neustart: Deutschlandradio, private Hörfunksender und der Netzbetreiber Media Broadcast legten einen Vertrag über die gemeinsame bundesweite Ausstrahlung eines Programm-Multiplexes vor und motivierten die Kef damit zur Freigabe weiterer Mittel. Gleichzeitig wurde die Technik aufgebohrt: Eine effizientere Tonkodierung sollte den Frequenzbedarf weiter verringern, aus DAB wurde DAB+, und der für 2015 geplante UKW-Abschalttermin verschwand ersatzlos von der Tagesordnung.

          Von da an ging es mit dem Digitalradio langsam, aber stetig wieder bergauf. Das Sendernetz weist heute nur noch wenige Lücken in sehr entlegenen Regionen auf, ein zweiter, in ganz Deutschland ausgestrahlter Multiplex ermöglichte größere Programmvielfalt. Ein Nord-Süd-Gefälle ist allerdings geblieben. Bayern etwa, das sich von Anfang an für den digitalen Hörfunk engagiert hatte, hält mit 87 in DAB+ übertragenen Programmen einen einsamen Rekord. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bilden mit 21 Stationen die Schlusslichter, doch selbst dieses Angebot muss sich nicht hinter dem UKW-Repertoire verstecken. Das Sortiment an Empfangsgeräten hat sich ebenso sportlich entwickelt. Kleine Küchenradios kann man jetzt schon für 50Euro erstehen, für HiFi-Bausteine gehört der DAB+-Empfang immer mehr zu den Selbstverständlichkeiten, für die kein Hersteller mehr Mondpreise verlangen kann.

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