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Speichermedien im Wandel : Von der Schlabberscheibe in die Wolke

Vor 45 Jahren ging es los... Bild: Breul

Vor 45 Jahren speicherte man Daten noch auf klobigen 8-Zoll-Disketten. Inzwischen verschwinden sie in der Cloud. Diese Sprünge gab es in der Entwicklung von Speicherplatz.

          Rückblick auf die achtziger Jahre: Erste digitale Schätze bewahrte man in einem Pappkarton auf. Er schützte die Disketten, auf denen sich zumeist Texte befanden. Dass man dereinst auch Fotos oder gar Musik auf persönlichen Speichermedien mit sich führen würde, wurde nicht einmal gedacht. Die 13 Zentimeter in der Diagonale messende Kunststoffscheibe war mit magnetisierbarem Eisenoxid beschichtet. 13 Zentimeter waren 5 ¼ Zoll, das gab dem Medium seinen Namen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Man nannte die Datenträger auch Floppy, schlaff, lappig, weil ihr Kunststoff so dünn war und sich leicht verbiegen ließ. Die ersten Disketten, noch deutlich größer, nämlich im 8-Zoll-Format, wurden 1969 von IBM für die Computerserie System /370 auf den Markt gebracht. Das Laufwerk diente allein dazu, die IBM-Systemsoftware zu aktualisieren. Es konnte nur lesen, aber nicht schreiben. Damals passten 80 Kilobyte auf eine Diskette, das entspricht einer Word-Datei mit wenigen Seiten Text. 1972 kam das erste Diskettenlaufwerk mit Schreibfunktionalität auf den Markt.

          Einkerben für mehr Speicher

          Die kleinere, kompaktere 5-¼-Zoll-Diskette debütierte 1976 mit einer Kapazität von anfangs 110 Kilobyte. Das Datenvolumen wuchs. Bald gab es Diskettenlaufwerke, die beidseitig die Vorder- und Rückseite der Schlabberscheibe beschrieben. Geschickte Zeitgenossen machten aus der günstigen, weil nur einseitig nutzbaren Diskette eine beidseitig verwendbare, indem sie an der richtigen Stelle der Hülle eine Kerbe stanzten, um die Lichtschranke des Diskettenlaufwerks auszutricksen.

          Die noch einmal kleineren 3,5-Zoll-Disketten kamen von 1980 an in einem starren Plastikgehäuse und nahmen einen rasanten Aufschwung, als sie in den neuen Rechnern Atari ST und Commodore Amiga eingesetzt wurden. Jahrelang diskutierten Fachleute darüber, was der Nachfolger der 3,5-Zoll-Diskette sein würde. Für alles brauchte man immer mehr Speicherplatz, zumal die beiden Heimcomputer erstmals einen Hauch von Multimedia vermittelten. Wer neue Software installierte, wurde unfreiwillig zum Discjockey, üppigere Programme kamen auf 30 Disketten und mehr, die man nacheinander ins Laufwerk einschieben musste. Die Zip-Diskette von Iomega war ein erfolgversprechender Nachfolgekandidat, auch gab es ED-Medien mit höherer Kapazität.

          Immer kleiner, schneller, robuster

          Aber der Fortschritt setzte nicht auf die Weiterentwicklung der bewährten Magnetspeichertechnik, sondern auf Disruption: In den frühen achtziger Jahren schlug die Geburtsstunde der optischen Datenträger, die ihre digitalen Informationen in allerkleinsten Vertiefungen auf einer spiralförmig verlaufenden Datenspur ablegten, welche ein Laserstrahl auslas oder schrieb. 650 Megabyte bot die CD, und als die DVD Mitte der neunziger Jahre zum Speichermedium für Digitales wurde, waren es schon 4,7 Gigabyte in der Single-Layer-Version und später dann 8,5 Gigabyte als Dual-Layer. Das Ende der optischen Medien ist absehbar. Apple zum Beispiel hat das optische Laufwerk für seine gesamte Produktfamilie abgeschafft.

          Flash ist der neue Standard für die transportablen Speichermedien, Daten werden in Halbleiterbauelementen als elektrische Ladung permanent gespeichert. Es gibt keine beweglichen Teile, die Komponenten sind robust und schnell im Zugriff. Ob sich der Flash-Speicher im USB-Stick, auf einer Speicherkarte oder dem SSD-Laufwerk befindet, ist unerheblich.

          Die Cloud lässt dann scheinbar das eigenständige Speichermedium verschwinden. Zumindest für den Nutzer. Wie und wo der Cloud-Anbieter die Daten abgelegt, interessiert nur noch die Datenschützer. Das physische Produkt wird vollständig durch eine Digitallösung ersetzt. Am Ende steht also die Dematerialisierung.

          Quelle: F.A.S.

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