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Die Supermaschine kommt : Was Google wirklich sucht

  • -Aktualisiert am

Bild: Corbis

Während alle über Privatsphäre und Datenschutz debattieren, werden die Suchmaschinen von Google und Microsoft immer leistungsfähiger. Sie dringen in Domänen von Zwischenhändlern und Mediatoren ein und stoßen bis in den Transaktionsbereich vor.

          Google baut seine Position aus. Der zunehmende Machtgewinn des amerikanischen Unternehmens wird indes von Diskussionen über Diskriminierung und Datenschutz verdeckt. Google ist im wachsenden Onlinewerbemarkt schon wegen des Erfolgs mit dem Betriebssystem Android für Handys und Tabletcomputer und seinem stetig Marktanteile gewinnenden Browser Chrome gut gerüstet. Außerdem macht Google mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit seiner Suchmaschine und baut dieses Produkt kontinuierlich so aus, dass es immer weniger nachahmbar ist und unter den Webangeboten stärker gegenüber denjenigen wird, die vom Besucherstrom abhängig sind.

          Erst in einem größeren Zusammenhang erschließt sich, was einige Erweiterungen der Suchmaschine, einige Laborstudien und Zukäufe für andere Web-Anbieter bedeuten. Dies gilt nicht minder für Bing, die Suchmaschine von Microsoft, deren Entwicklung aber vorerst nur in der amerikanischen Variante gut erkennbar ist.

          Die Nutzung einer Suchmaschine besteht vereinfacht aus zwei Schritten: der Eingabe der Suchabfrage und der Ausgabe der Ergebnisse. Im Bereich der Ein- und Ausgabe hat Google in jüngerer Zeit mehrere Verbesserungen vorgenommen. Zum einen „Google Suggest“ und „Google Instant“, die Suchabfragen vervollständigen und eine verfeinerte und mehrstufige Suche durch eine einzige Eingabe und deren Veränderung erlauben. Zum anderen gibt es nun eine Vorschau von Ergebnisseiten, man sieht verkleinerte Zielseiten Dritter, ohne die Suchmaschine zu verlassen.

          Aus verteilten Daten macht Google eine einheitliche Präsentation

          Was Googles Freud und wohl auch die des Nutzers ist, führt allerdings zu kniffeligen Fragen: Darf Google das Layout einer fremden Website anzeigen, wenn diese urheberrechtlich geschützt ist, weil sie auch der Nutzer mit seinem Browser „direkt anzeigen“ dürfte? Oder muss der Urheber einer Google-Vorschau zugestimmt haben? Wenn ja, kann man seine Suchmaschinenoptimierung schon als Zustimmung sehen? Hier taucht - wie übrigens schon bei der Facebook-“Gefällt Mir“Schaltfläche - ein neues konzeptionelles Problem auf. Denn für den Nutzer entsteht der Eindruck eines einheitlichen Angebotes (nämlich das der Suchmaschine mit Vorschau), obwohl das Angebot zum Teil ein fremdes ist. Dieses Angebot ist nicht mehr nur selbständig zugänglich, sondern zusätzlich auf den Seiten Googles in einer anderen Sicht in Google-Kontexte eingebettet. Hier findet eine Veränderung der bisherigen Internet-Gepflogenheiten statt, die man unterschiedlich bewerten kann. Zum einen bleibt vielen Nutzern wohl ein versehentlicher Kurzbesuch erspart, zum anderen verliert der Anbieter diese Besucher und mit ihnen die Chance, sie durch Inhalte auf der Seite zu halten - denn zur Ansicht der Vorschau war sie jedenfalls nicht gedacht.

          Als drittes Novum, und das ist bisher derzeit nur als Laborversion unter dem Namen „Squared“ zu besichtigen, können Suchmaschinen der nächsten Generationen auch die Suchergebnisse strukturiert darstellen und diese Ergebnislisten und -räume manipulierbar machen. Squared zeigt beispielsweise eine Tabelle, in der man wie bei einem Excel-Arbeitsblatt die Ergebnisse filtern und sortieren kann. Um zu sehen, wie die Suchmaschine die Nutzung des Web ändert, muss man statt des einzigen Suchvorgangs die beiden umfassenderen Nutzungssituationen betrachten, nämlich den Surfvorgang während einer Browser-Sitzung und den Informationsprozess über mehrere Sitzungen hinweg, bei dem der Nutzer mal hier, mal dort verweilt, bis er zum Ziel kommt.

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