http://www.faz.net/-gy9-85dud

Telekom setzt auf IP-Technik : Jetzt sprechen nur noch Bits und Bytes

Die Zuverlässigkeit und Sprachqualität eines IP-Anschlusses hängt bei Voip an einer ganzen Reihe von Faktoren, vor allem aber an der Auslastung des Netzes und der Übertragungsstrecken bis zum Zielanschluss. Die Signallaufzeiten sind länger als in der gewohnten Telefonie. Das ist Physik, das ist messbar. Kommen weitere Störungen hinzu, leidet die Gesprächsqualität hörbar. Ruckelt die Internetverbindung, schlägt das sofort auf den Sprachdienst durch, und eine DSL-Neusynchronisation führt unmittelbar zum Ende eines Telefonats.

Die bessere Akustik heißt „HD Voice“

Die Telekom meint indes, dass die Akustik besser werde. Sie verweist darauf, dass IP-Telefonie den gleichen Codec wie das ISDN-Netz verwendet, G.711, der mit 64 kBit/s je Richtung ein Audiosignal mit 3,5 kHz Bandbreite überträgt. Zusätzlich kommt der neuere Codec G.722 zum Einsatz, der bei gleicher Datenrate die doppelte Audio-Bandbreite überträgt. Diese bessere Akustik heißt „HD Voice“ und funktioniert nur dann, wenn alle Endgeräte und alle Instanzen auf dem Verbindungsweg G.722 beherrschen. Eigene Telefone für den IP-Betrieb sind nicht erforderlich, bei einer Neuanschaffung empfiehlt sich allerdings ein Blick auf die HD-Kompatibilität.

Die Achillesferse der IP-Telefonie ist die Abhängigkeit von einem funktionierenden Internetanschluss. Fallen der DSL-Anschluss oder der Strom aus, gibt es keine Telefonie. Der frühere Analog- und der ISDN-Anschluss hatten eine Notstrom-Speisung, und mit Ersterem konnte man stets unabhängig von der Stromversorgung telefonieren. Diese Sicherheit in Notfällen fehlt künftig. Es hilft auch nicht, eine Notstromversorgung fürs eigene Heim anzuschaffen, weil die Vermittlungsstellen keine haben. Mit der Umstellung gehört also ein Notfall-Handy, dessen Akku regelmäßig zu kontrollieren ist, in jedes Haus. Aus dem Bollwerk Festnetzanschluss mit einer Versorgungssicherheit von fast 100 Prozent wird ein IP-Service unter anderen, dessen Zuverlässigkeit bereits in seiner Leistungsbeschreibung mit Verweisen auf „Beeinflussungen“ oder „Störungen“ relativiert wird; die Telekom spricht von einer „mittleren Verfügbarkeit im Jahresdurchschnitt“.

Auch fehlt der Rückruf bei „Besetzt“

Als kleine Entschädigung gibt es eine Reihe von Komfortmerkmalen für Technikverliebte. Wie beim früheren ISDN-Anschluss kann man mehrere Rufnummern beantragen und zwei Telefonate gleichzeitig führen. Auch die bekannten Extras von Analog und ISDN bleiben erhalten: Anrufweiterschaltung, Anklopfen, Rückfragen, Makeln. Es wird einem wie gehabt die verhasste Sprachbox (ein Anrufbeantworter im Netz) aufgezwungen, neu bei den IP-Anschlüssen ist, dass man sie nicht löschen kann. Auch fehlt der Rückruf bei „Besetzt“. Mit einer Gratis-App namens Home Talk lässt sich ein Android-Smartphone oder iPhone im W-Lan wie ein Festnetztelefon nutzen, und das Upload-DSL-Tempo erhöht sich dank frei werdender Frequenzen.

Die Umstellung der Festnetztelefonie auf das IP-Protokoll gilt vielen Fachleuten als modern und unvermeidlich. Die Telekom setzt die neue Technik ohne regulatorische Rahmenbedingungen nach eigenem Gusto in einem aberwitzigen Tempo kompromisslos durch. Sie spart damit mehrfach, sie verschlankt und vereinfacht ihre Netzstrukturen, und sie stärkt ihre Marktposition gegenüber den Mitbewerbern. Für den Kunden ist der Wechsel ein unerfreuliches Thema. Er muss sich um die Kompatibilität seiner Geräte, ihre Verkabelung und Programmierung kümmern und bezahlt alle unvermeidlichen Neuanschaffungen. Günstiger oder besser wird der Internetanschluss für ihn nicht. Wer in einen neuen Zweijahresvertrag gedrängt wird, steht schlechter da. Nicht einmal der Bonus für Neukunden wird beim Zwangswechsel eingeräumt. Es gibt hier also nur einen Gewinner.

Quelle: F.A.Z.

Weitere Themen

Innovations-Hotspot Taiwan Video-Seite öffnen

Technik der Zukunft : Innovations-Hotspot Taiwan

High-Tech-Produkte haben Taiwan reich gemacht. Hier gebaute Computer, Laptops und Smartphones werden auf der ganzen Welt genutzt. Die neue Generation von Startups entwickelt nun die Technik von morgen: Software-Produkte, Apps, künstliche Intelligenz.

Mit neuer Technik sicher über die Schienen Video-Seite öffnen

Testfahrt : Mit neuer Technik sicher über die Schienen

An diesem Wochenende wird die neue Schnellstrecke der Bahn zwischen München und Berlin in Betrieb genommen - mit dabei das Sicherungssystem ETCS. Das Video zeigt Testfahrten, bei denen die Lokführer geschult werden.

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

Topmeldungen

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner Mitte Dezember in Berlin.

Sonntagsfrage : FDP und Union verlieren an Zustimmung

Der Jamaika-Abbruch tat offenbar weder den Liberalen noch der Union gut – zumindest in der jüngsten Umfrage. Von Zweistelligkeit wäre Christian Lindners Partei derzeit ein gutes Stück entfernt.
Alireza Karimi während seines Kampfes mit dem Amerikaner J’den Michael Tbory Cox.

Sport in Iran : Jeder Schlag ein Sieg, jeder Satz unerträglich

Widersprüchlicher könnte der Umgang mit Sport in Iran nicht sein: Susan Raschidi kämpft mit ihrer Kickbox-Schule für die Freiheit der Frau. Gleichzeitg bekommt der iranische Ringer Alireza Karimi Anweisungen zum Verlieren.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.