http://www.faz.net/-gy9-8mobb

Datenschutz und Privatsphäre : Jeder Schritt zählt

Das Smartphone ist ständig dabei. Heimlich werden viele Daten protokolliert. Bild: Isabel Seliger

Was die Datenkraken interessiert: nicht die Adressen, nicht die E-Mails. Zu wissen, wie wir uns in der Welt bewegen, das ist die neue Digitalwährung der Netzspione.

          Cui bono? Wem nutzt es? So konnte man mit Cicero seit der Antike fragen, wenn es darum ging, verdächtige Sachverhalte zu erhellen. Im Zeitalter des Internets müssen kluge Fragen weiter vorn ansetzen, denn das Dunkel ist schwärzer denn je. In den Debatten um Datenschutz und Privatsphäre ermittle man, was sie wissen wollen. Sie, diejenigen, die das Leben des Einzelnen zu einem Big-Data-Profil formen wollen, die Familie und Freunde erfassen, aber auch geheime Liebschaften und verborgene Gelüste. Was wollen sie ausspähen, die Datenkraken, die Werbeunternehmen, die Internetgiganten? Die Frage lässt sich auf ganz unterschiedlichen Wegen beantworten. Aber verblüffenderweise kommt man stets zu ein und demselben Ziel.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Kriminalroman verfolgt der Kommissar den Verdächtigen auf Schritt und Tritt. Generationen von Detektiven verbringen Jahre ihres Lebens wartend und observierend im Auto. Warum dieser Aufwand? Sie könnten ja in Terminkalendern und Adressbüchern stöbern oder das Telefon abhören. Anscheinend sind jedoch die verifizierbaren Aufenthaltsorte der Person viel wichtiger als Informationen, die sich aus anderen Quellen abschöpfen lassen. Was tatsächlich passiert, wo jemand wirklich ist, das zählt. Geographisches Tatverhalten ist eine eigene Forschungsdisziplin der wissenschaftlichen Kriminologie.

          Der wichtigste Datenspeicher

          So wundert es kaum, dass auch in der Welt des Digitalen die Ausspähung des Standorts und der Bewegungsmuster allerhöchste Priorität genießt. Zum Beispiel auf dem Smartphone mit dem dominierenden Betriebssystem Android. Nachdem der arglose Besitzer sein Handy beiseitegelegt hat, baut es Datenverbindungen im Hintergrund zu Dritten auf. Das Smartphone ist für die meisten Menschen der wichtigste Datenspeicher. Auf ihm befinden sich E-Mails, Adressen, Telefonnummern, es enthält sämtliche Kommunikation, den Kalender, die Fotos und eine Historie der Standorte. Bereits durch die Verknüpfung weniger Informationen lassen sich detaillierte Profile seines Besitzers erstellen.

          Französische Sicherheitsforscher haben 2000 Apps für Android aus 25 verschiedenen Kategorien im Google Play Store geladen und auf einem Smartphone ausgeführt. Der Netzwerkverkehr der Apps nach außen wurde abgefangen und analysiert. Demnach steuerten die Programme heimlich insgesamt 250.000 verschiedene Web-Adressen an und gaben Daten weiter. Hinweise auf diese Spionage im Nebenjob gibt es nicht, auch nicht vom Shop-Betreiber Google. Das wundert kaum, denn, wie die Forscher weiter ermittelten, werden die am häufigsten kontaktierten Adressen unter anderem von Google betrieben, es sind Werbenetzwerke sowie Analysedienste, und die App-Programmierer erhalten höhere Einnahmen, je mehr Daten sie über ihre Nutzer verraten.

          Blackberry-Androiden geben einen Hinweis

          Hat das Smartphone ein Berechtigungssystem für Apps, lässt sich in den Tiefen der Menüs kontrollieren, welches Programm welche Rechte anfordert, zum Beispiel den Zugriff auf den Kalender oder eben den Standort. Und dieser ist mithin am häufigsten nachgefragt. Geräte wie die Blackberry-Androiden geben mit ihrer Dtek genannten Software einen Hinweis, wie oft welche App die Standortdaten ausspäht. In unserer nicht repräsentativen Auswertung war es Facebook, das gleichsam im Minutentakt den eigenen Aufenthaltsort nach Amerika sendet.

          Wer nun denkt, dass man mit einem Berechtigungssystem, wie es Android 6 und 7 bieten, die Datenspione der Reihe nach abschaltet, irrt gewaltig. Denn Google hat ihnen und sich zwei Hintertürchen gelassen: Zum einen, dies verschweigt Google geflissentlich, hat jede App, die aus dem Play Store geladen wird, uneingeschränkten Internetzugriff. Sie darf ständig senden und empfangen. Es fehlt also eine diesbezügliche Berechtigungsstufe.

          Weitere Themen

          „Irma“ trifft auf Saint-Barthélemy Video-Seite öffnen

          Rekord-Hurrikan : „Irma“ trifft auf Saint-Barthélemy

          Aufnahmen auf Facebook zeigen die Verwüstungen, die Hurrikan „Irma“ auf der Insel Saint-Barthélemy hinterlassen hat. Eine meterhohe Wasserwalze bahnt sich ihren Weg durch den engen Straßen der kleinen Ortschaft Gustavia.

          Kauft Google HTC?

          Handel ausgesetzt : Kauft Google HTC?

          Wenn der Handel in einer Aktie wegen einer „wichtigen Ankündigung“ ausgesetzt wird, heizt das die Spekulationen an. Im Falle HTC gilt eine Übernahme durch Google als ausgemacht.

          Topmeldungen

          Janet Yellen ist die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve

          Historische Wende : Fed dreht den Geldhahn langsam zu

          Die Federal Reserve gibt den Einstieg in den Austieg bekannt. Die Stimulierung der Märkte soll nach und nach zurückgefahren werden. Es geht um Anleihen im Wert von knapp 4,5 Billionen Dollar.
          Polizeikräfte stehen vor dem durchsuchten Wirtschaftsministerium, während ein Demonstrant pro-separatistische Schilder zeigt.

          Festnahmen in Katalonien : Stimmzettel beschlagnahmt

          Die spanische Guardia Civil beschlagnahmt mehrere Millionen Wahlzettel für das geplante Referendum zur katalanischen Unabhängigkeit. In Barcelona demonstrierten mehrere Tausend Menschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.