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Datenkrake : Abgefischt von Facebook

Die zweite große Datenkrake: Facebook Bild: Reuters

Nicht nur mit Fake News macht Facebook von sich reden. Auch sein Datenhunger wird immer größer. Man kann jedoch als Nutzer einiges tun.

          Neben Google ist Facebook der zweite große Datenkrake, der jeden einzelnen Nutzer in einer in der Weltgeschichte bislang nicht erlebten Art und Weise ausspäht. Daten werden keineswegs nur erhoben, um Werbung zielgenau anzupassen, wie die Verharmloser immer wieder behaupten. Das Gefährliche besteht darin, dass die erfassten Daten zurückwirken. Unser digitaler Zwilling erlaubt nicht allein Rückschlüsse über unser Denken und Fühlen, über politische Entscheidungen und persönliche Präferenzen, sondern die Daten beeinflussen, mit wem wir in Kontakt treten, wie wir gesehen werden und welche Inhalte wir selbst künftig sehen. Darüber ist im Zusammenhang mit der amerikanischen Präsidentenwahl und Fake News ausführlich diskutiert worden. Sogar von den beiden Datenkraken selbst.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Während man Google mit seinem Quasi-Monopol der Suchmaschine sowie des mobilen Betriebssystems Android und Marktanteilen von mehr als 85 Prozent nicht mehr durch persönliches Verhalten ausweichen kann, gibt es bei Facebook einige Lichtblicke. Niemand muss Facebook nutzen, wenngleich Facebook auch Daten über Menschen erhebt, die kein Facebook-Konto haben. Und man kann der Sammelleidenschaft von Facebook gewisse Grenzen setzen.

          Der erste und wichtigste Schritt besteht wie immer darin, genau das Gegenteil dessen zu tun, was Facebook und andere einem fortwährend nahelegen: Wo man aufgefordert wird, eigene Konten, Informationen und Dienste mit Facebook zu verknüpfen, weil man es dann angeblich leichter hat oder das Ergebnis mehr Sicherheit bringt, sage man konsequent nein. Ein Login mit Facebook: Das hört sich naheliegend an, aber es bedeutet, dass nicht nur der jeweilige Dienst oder die betreffende App sämtliche persönlichen Daten aus Facebook abziehen, sondern umgekehrt, dass auch Facebook alles erfährt, was eine Fitness-Armbanduhr oder eine Überwachungskamera fürs Heim an Informationen generiert.

          Daten über Nichtmitglieder generieren

          Innerhalb der App und im Facebook-System wertet Facebook die eigenen Aktivitäten aus, also selbst eingegebene Informationen wie Status-Updates, geteilte Beiträge und Links und sodann die impliziten Daten: die Inhalte von Fotos mit Hilfe von Bilderkennungsalgorithmen, die von nichtverschlüsselten Chat-Unterhaltungen, Standort- und Bewegungsinformationen, die gelesenen Nachrichten, die Aktivitäten im hauseigenen Newsfeed mitsamt der Frage, welche Beiträge wie lange gelesen wurden und natürlich mit welchem Gerät. Mit der IP-Adresse werden Standortdaten jederzeit erhoben, unabhängig davon, ob man den Zugriff auf den Standort in den Berechtigungseinstellungen gewährt hat.

          Auf diese Weise wird das eigene Nutzerprofil mit bestimmten Themen verbunden, und die fortwährende Nötigung, seine Adressbücher hochzuladen oder die Handynummer anzugeben, soll nicht nur dazu dienen, Verbindungen zu anderen Mitgliedern herzustellen, sondern Daten über Nichtmitglieder zu generieren. Auch mit der Markierung Dritter in Fotos werden Informationen über Nichtmitglieder gesammelt. Unternehmen, die auf Facebook ihre Werbung zeigen wollen, können ihre Kundendatenbanken in Facebook einspeisen, damit diese mit bestehenden Facebook-Profilen abgeglichen werden.

          Dahinter verbirgt sich stets ein Mini-Programm

          Selbst außerhalb der blauen Welt ist Vorsicht angesagt: Dass der Like-Button auf den meisten Internetseiten keineswegs nur einer harmlosen Bezeugung des Gefallens dient, hat sich herumgesprochen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem freundlichen Symbol stets ein Mini-Programm, das von Facebook nachgeladen wird und die betreffende Seite, Cookies sowie die Sitzungs-ID der gegebenenfalls bei Facebook angemeldeten Person sendet. Ist der Besucher der Seite nicht bei Facebook angemeldet, wird ein zwei Jahre gültiges Cookie gesetzt, das bei jeder weiteren Verbindung nach Amerika geschickt wird. So kann Facebook den Besucher der betreffenden Seite gegebenenfalls später einer Person zuordnen, nämlich wenn sie sich auf dem Gerät anmeldet.

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