http://www.faz.net/-gy9-xwej

Berliner Computerspielemuseum : Digitales Daddeln im Café Warschau

Bild: reuters

Die ganze Welt der Computerspiele auf 670 Quadratmeter? Klar geht das nicht. Aber wenn an diesem Freitag in Berlin das Computerspielemuseum eröffnet, muss man zunächst den Mut der Betreiber honorieren, das Vorhaben umzusetzen.

          Nein, natürlich geht das nicht: die ganze Welt der Computerspiele in einem kleinen Museum unterzubringen; mal kurz mit ein paar Artefakten die Geschichte der lustvollen Seite der Beziehung zu erzählen, die die Menschen mit ihren digitalen Maschinen seit Jahrzehnten verbindet; die Flüchtigkeit der Momente darzustellen, die Intensität der Interaktionen oder vor allem die Grenzenlosigkeit all jener virtuellen Welten, die ja so oft gerade die Faszination der digitalen Spielräume ausmacht. 670 Quadratmeter sind nicht viel Platz für die Unendlichkeit.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wenn also trotzdem heute, in den Räumen des ehemaligen Café Warschau an der Karl-Marx-Allee in Berlin, das Computerspielemuseum eröffnet, dann muss man zunächst den Mut der Betreiber honorieren, das Vorhaben umzusetzen, die Welt des „Homo Ludens Digitalis“ mit den Möglichkeiten einer im Wesentlichen analogen Dauerausstellung zugänglich zu machen.

          Und weil es Andreas Lange, dem ambitionierten Museumsdirektor, gerade nicht darum geht, die Geschichte der Computerspiele allein als Geschichte des technischen Fortschritts zu erzählen, sondern verschiedenste Aspekte der Computerspielkultur anzudeuten, ist es sehr voll geworden in den neuen Räumen. Mehr als dreihundert Exponate sind zu sehen, darunter einundzwanzig, an denen die Besucher selbst spielen können.

          Zwischen alten Konsolen und Münzspielautomaten

          In drei thematischen Blöcken nähert sich das Museum der Welt der Computerspiele, eher systematisch als in der chronologischen Form der früheren Sammlung, die schon von 1997 bis 2000 in Berlin zu sehen war. Neben einer kurzen Einführung in die Kulturtheorie des „Homo Ludens“ zeigt der historische Teil die wichtigsten Stationen der Geschichte von Hardware und Software. Zwischen alten Konsolen und Münzspielautomaten wie „Pong“ und „Computerspace“ sind dort auch ein paar zu Unrecht vergessene Dokumente zeitgenössischer Rezeption zu finden wie beispielsweise ein Ausschnitt aus Thomas Gottschalks erster Fernsehsendung „Telespiele“, in welcher die Zuschauer die Balken von „Pong“ durch Zurufe steuerten.

          Der dritte und größte Teil schließlich beschäftigt sich mit all jenen Fragen, die Computerspiele aufwerfen, verschärfen oder auch nur veranschaulichen, Fragen nach ihre psychologischen Wirkung und ihrem gesellschaftlichen Veränderungspotential, nach Räumlichkeit und Körperlichkeit, Fragen der Produktion und Konsumption der Spiele. Weil die einzelnen Aspekte oft nur sehr oberflächlich angedeutet werden können, richtet sich dieser Bereich am ehesten an interessierte Laien, die dort zum Beispiel lernen (und spielend ausprobieren) können, dass Computerspieler nicht nur Konsumenten, sondern immer auch Autoren ihrer eigenen Geschichten sind. Oder dass mit virtuellen Waren mittlerweile zehn Milliarden Dollar jährlich umgesetzt werden. Das sind nicht unbedingt die unbekanntesten Kapitel der Geschichte des Genres, aber mit Sicherheit kann man noch immer viele Besucher damit überraschen. Wer mehr erwartet, muss auf die Sonderausstellungen hoffen. Umso wichtiger, dass es nun einen Ort dafür gibt.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Eine virtuelle Reise in die Zukunft Video-Seite öffnen

          IFA in Berlin : Eine virtuelle Reise in die Zukunft

          Die IFA hat am Freitag wieder ihre Tore geöffnet und namhafte Hersteller präsentieren ihre neusten Modelle an der rund sechstägigen Messe in Berlin. Während in den letzten Jahre oft elektronischen Gegenstände wie Smartphones und Tablets im Mittelpunkt standen, scheinen nun vor allem die Neuerungen für das smarte Zuhause ein Trend zu sein.

          24 Würfel machen ein Haus Video-Seite öffnen

          Tschechien : 24 Würfel machen ein Haus

          Ein Rechteck aus 24 Würfeln: die Villa Beroun in Tschechien. 114 Quadratmeter aus verglasten Kuben. Eine maßgefertigte Stahlkonstruktion. Es ist das lichtdurchflutete Zuhause im Kistenstil für eine vierköpfige Familie.

          Topmeldungen

          UN-Vollversammlung : „Niemand wird Amerika wieder vertrauen“

          Mit seiner Rede vor der UN hat Donald Trump für Entsetzen gesorgt – und viel Applaus seiner Basis eingeheimst. Einer der vom amerikanischen Präsidenten Kritisierten wird heute die Antwort auf die Vorhaltungen liefern.
          Amerikas Außenminister Rex Tillerson

          Iran : Tillerson fordert Änderungen am Atomabkommen

          Der amerikanische Außenminister hält die Iran-Vereinbarung für nicht streng genug. In einem TV-Interview droht er: Sollte es keine Änderungen geben, würden sich die Vereinigten Staaten aus dem Pakt zurückziehen.
          Die britische Regierungschefin Theresa May

          Brexit : Großbritannien will der EU 20 Milliarden Euro zahlen

          Die britische Regierung will der EU zum Austritt eine Milliardensumme überweisen. Doch der Betrag, den Regierungschefin May zahlen möchte, liegt offenbar deutlich unter den Forderungen aus Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.