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Alte DSL-Leitungen : Telekom will mit „Vectoring“ Tempo machen

Die derzeitigen DSL-Geschwindigkeiten sind nicht mehr zeitgemäß Bild: AP

Das Internet muss schneller werden. In aller Welt setzt man auf Glasfaser. Die Telekom bohrt indes die alten DSL-Leitungen auf und will mit „Vectoring“ mehr Tempo erzwingen. Schon gibt es Kritik.

          Immer mehr Tempo ist im Internet angesagt. Während der Stadtbewohner mit „bis zu“ 16 Megabit in der Sekunde (MBit/s) glücklich und zufrieden seine Youtube-Videos aus dem Netz zieht, kann man in den ländlichen Regionen Deutschlands von solchen Geschwindigkeiten nur träumen. Aber die derzeitigen DSL-Geschwindigkeiten selbst in deutschen Ballungsräumen mit flottem VDSL (25 oder 50 MBit/s) sind nicht mehr zeitgemäß. Während Finnland, Südkorea und die Vereinigten Staaten sich mit Glasfaserkabeln hin zur Gigabit-Gesellschaft entwickeln, ist Deutschland ein Nachzügler.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In der neuesten Statistik der Netzausrüster zur Glasfaserversorgung bis in den Haushalt hinein (“Fiber to the Home“) ist Deutschland nicht einmal aufgeführt. Litauen, Schweden, Bulgarien und Slowenien führen die europäische Liste an, hier sind bereits zwischen 10 und 30 Prozent der Haushalte versorgt. In Deutschland will nun die Telekom mehr Tempo aus der vorhandenen DSL-Infrastruktur herausholen. Das geht nur mit einigen Tricks - und das ist umstritten. Außerdem ist DSL derart populär geworden, dass gegenseitige elektrische Störungen schon zu Staus führen. Die neuesten Entwicklungen kommen bei günstigen Bedingungen auf mehr als 100 Megabit in der Sekunde.

          Wenn alle DSL nutzen, stören sie sich gegenseitig

          Herkömmliche Telefonleitungen sind dünne, isolierte Kupferdrähte (mit 0,4 oder 0,8 Quadratmillimeter Querschnittsfläche), je zwei für eine Leitung. Unter der Erde liegen die Drähte in einem Kabel teilweise zu Tausenden so dicht wie möglich beisammen. Beim „Teilnehmer“ enden sie typischerweise in zwei Doppeladern, von denen erst einmal eine genutzt wird. Analoge Telefonate übertragen Tonfrequenzen bis 4.000 Hertz. Gegenseitige Störungen - Übersprechen - halten sich da in Grenzen. Je höher allerdings die übertragenen Frequenzen sind, desto stärker „senden“ die Leitungen nach draußen.

          So braucht Fernsehen mit Frequenzen bis 800 Megahertz, will man es über Kabel führen, unbedingt abgeschirmte Leitungen. Telefondrähte sind nicht abgeschirmt - und das ist das DSL-Problem. Fernsehkabelnetze haben technisch wenig Schwierigkeiten, Bitströme von mehr als 100 Megabit je Sekunde zu übertragen. Ihr Nachteil ist, dass das Kabel gemeinschaftlich genutzt wird. Telefonleitungen sind zwar schön individuell, aber leider nicht abgeschirmt. Bei wenigen DSL-Nutzern in einem Leitungsbündel macht das nichts, nutzen inzwischen aber fast alle DSL, dann stören sie sich gegenseitig, und der Durchsatz leidet.

          Die Modems müssen mitspielen

          Hier greift nun Vectoring ein: Eine zentral gesteuerte Störunterdrückung bemüht sich, das Übersprechen zwischen VDSL-Verbindungen zu minimieren. Dabei werden die bis zu 4.095 einzelnen VDSL2-Übertragungsfrequenzen gesteuert: Weiter entfernte DSL-Anschlüsse bekommen bevorzugt tiefe und weitreichende statt hoher Trägerfrequenzen zugeordnet, und man versucht, die Störungen am hinteren Ende beim DSL-Modem vorauszuberechnen und das Sendesignal daraufhin vektoriell zu verschieben. Das Verfahren ist nach G.993.5 genormt und äußerst rechenintensiv, denn die Fehlerunterdrückung muss in Echtzeit passieren, für alle Träger bei allen laufenden Übertragungen.

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