http://www.faz.net/-gy9-75f2r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.01.2013, 14:03 Uhr

Deutsche Bahn 1500 Meter lange Güterzüge

Für die Zukunft hat die Deutsche Bahn 1500 Meter lange Güterzüge im Blick. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Wundermittel. Doch das verursacht aber erhebliche Schwierigkeiten.

von Sven Bardua
© Bardua Abfahrbereit: Güterzug im Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg

Mit langen Güterzügen können Kosten gesenkt und Eisenbahnnetze besser ausgelastet werden. Doch in Deutschland wurde die Zuglänge im Regelbetrieb bisher auf 740 Meter begrenzt. Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember hat die Deutsche Bahn (DB) die Latte ein wenig höher gelegt: Zwischen Maschen bei Hamburg und dem dänischen Padborg verkehren nun bis zu sechsmal in der Woche Güterzüge mit 835 Meter Länge. Angesichts der komplexen Rahmenbedingungen brauchte die Bahn vier Jahre, um in mühevoller Kleinarbeit dafür die Voraussetzungen zu schaffen - nach jahrzehntelanger Diskussion darüber. Von einem „Meilenstein“ im deutschen Eisenbahnwesen, von einer „neuen Ära“, war denn auch die Rede, als sich der erste derartige Zug in Bewegung setzte. Für die Zukunft hat die Deutsche Bahn nun 1500 Meter lange Güterzüge im Blick. Mit einer Machbarkeitsstudie will sie nach eigenen Angaben bis 2015 die Grundlagen dafür untersuchen lassen.

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Wundermittel, um Engpässen auf dem Schienennetz zu begegnen und die Bahn im Wettbewerb zu stärken: Es werden ein paar Waggons mehr angehängt, und schon lassen sich Netz, Personal und Triebfahrzeuge effizienter nutzen. Studien der DB zeigen, dass längere Güterzüge im Vergleich zu anderen Optionen zur Steigerung der Transportkapazität unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten voraussichtlich die günstigste Möglichkeit ist. Doch der Teufel steckt im Detail. Die Leistung der Lokomotive ist dabei das kleinste Problem. Schwieriger sind vor allem der Umgang mit den im Zug wirkenden Längskräften, der Bremstechnik und der bisher durchgängig auf höchstens 740 Meter Zuglänge ausgerichteten Infrastruktur.

Mehr zum Thema

Auf einigen Hauptstrecken in Skandinavien ist der Verkehr mit 835-Meter-Zügen schon seit einigen Jahren erlaubt. Überlange Güterzüge aus Dänemark mussten an der Grenze geteilt werden. Jetzt wurde der Verkehr vom deutsch-dänischen Grenzbahnhof Padborg nach Süden bis zum nächsten großen Knotenpunkt, dem Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg, verlängert. Für diesen 210 Kilometer langen Abschnitt war dies sogar ein deutlicher Fortschritt, denn er war bisher nur für 670 Meter lange Züge ausgelegt.

Etwa zehn Millionen Euro hat die DB Netz AG in den Ausbau investiert. Dafür wurden in fünf Bahnhöfen Ausweichgleise verlängert, Weichen reaktiviert oder neu eingebaut. Es wurden Achszählanlagen und Signale versetzt oder neu aufgestellt sowie die Stellwerks- und die Schalttechnik an 29 Bahnübergängen angepasst. Außerdem musste bei sehr vielen Einrichtungen, zum Beispiel Brücken, geprüft werden, ob sie von längeren Zügen benutzt werden können. Ein neuralgischer Punkt für höhere Lasten ist beispielsweise die Rendsburger Hochbrücke. Das in großer Höhe über den Nord-Ostsee-Kanal führende, filigrane Stahlbauwerk ist knapp 2,5 Kilometer lang und stammt von 1913.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Baureihe 412 Der ICE 4 kommt

Vor 25 Jahren nahm der ICE bei der Deutschen Bahn den Dienst auf. Mit der vierten Baureihe beginnt im Jubiläumsjahr ein neues Zeitalter bei der Bahn. Besonderes Augenmerk lag dieses Mal auf der Klimatechnik. Mehr Von Peter Thomas

18.05.2016, 09:35 Uhr | Technik-Motor
Unglück Frachtzug mit Chemikalien in Washington entgleist

In Washington ist ein Frachtzug mit Chemikalien entgleist. Nach Angaben der Feuerwehr wurde niemand verletzt, aus einem der Waggons sei aber Natriumhydoxid ausgetreten, eine Chemikalie, die bei Hautkontakt ätzend wirkt. Wie Feuerwehr mitteilte geht von der Unglückstelle keine unmittelbare Gefahr aus. Aus Sicherheitsgründen sperrten die Behörden aber eine nahe gelegene U-Bahn-Station. Mehr

02.05.2016, 10:14 Uhr | Gesellschaft
Neue Bahnstrecke Los Angeles kommt jetzt ohne Auto zum Strand

Wer am Pazifikstrand die kalifornische Sonne genießen möchte, muss nicht länger in den lästigen Staus von Los Angeles die Zeit vergeuden. Mehr Von Christiane Heil, Los Angeles

23.05.2016, 22:29 Uhr | Gesellschaft
Vor Referendum Brexit ist auch Thema im anglophilen Hamburg

Keine deutsche Stadt fühlt sich den Briten so nah wie Hamburg. Über den Hafen hatte die Hansestadt immer schon enge Handelsbeziehungen nach Großbritannien. Rund 70 britische Unternehmen haben hier ihren Sitz. Mehr

05.05.2016, 15:29 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Flughafen Lärmpausen am Flughafen von nun an die Regel

Landesregierung, Fraport, Airlines und Flugsicherung unterzeichnen ein Papier für weniger Lärm. Stundenweise einzelne Pisten zu schließen soll Anrainern mehr Nachtruhe verschaffen. Mehr Von Jochen Remmert

30.05.2016, 12:13 Uhr | Rhein-Main

Gefährliche Links

Von Michael Spehr

Der E-Mail-Speicher ist knapp – eine Datenwolke wie die Cloud oder Dropbox nicht. Aber bei der Nutzung ist Vorsicht geboten, denn Betrüger haben dort oft einfaches Spiel. Mehr 0