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Detroit Auto Show Die zahmen Kleinen

 ·  Die deutschen Autohersteller machen wieder erfreuliche Geschäfte, mit frischen Modellen wollen sie Terrain gewinnen. In Detroit senden Mercedes und Porsche ein Signal der Verbundenheit gen Amerika.

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© AFP Auto Detroit Show: Signal der Verbundenheit gen Amerika

Detroit 2012 ist eine Messe der guten, aber besonnenen Laune. Die deutschen Hersteller machen wieder erfreuliche Geschäfte, mit frischen Modellen wollen sie weiteres Terrain gewinnen. Den amerikanischen Herstellern sitzt noch die Krise im Nacken, obgleich sie dank zuletzt glänzender Verkäufe Teile der Staatskredite vorzeitig zurückzahlen konnten. Aber was werden die allerorten zerrütteten Staatsfinanzen bringen?

Nach großspurigen Auftritten und ebensolchen Autos ist niemand zumute, über reine Elektrofahrzeuge wird kaum geredet, Hybrid-Technik im Angebot gilt indes als Selbstverständlichkeit. Auf dem Messestand von Ford steht nur ein Pick-Up, und auch dieser F 150 verliert sich in der hintersten Ecke. Chevrolet stellt drei maßvolle Fahrzeuge ins Rampenlicht. Dodge schickt ein kompaktes Stufenheck ins Rennen. Und Volkswagen sendet einen Werbespot, in dem ein Farmer mit seinem ältlichen Pick-Up liegenbleibt, vom jugendlichen Fahrer eines Jetta Hybrid aufgegabelt wird und sich während der Heimfahrt so in den VW verliebt, dass er sich sogleich einen vor die Scheune stellt.

Die Welt der North American International Auto Show scheint sich nur noch um die Mittelklasse zu drehen. Dabei hat sich jenseits der Messehalle auch im vergangenen Jahr nichts besser verkauft als Geländewagen und Pick-ups.

Mehr Diesel an den Mann bringen

Jeder zweite Satz handelt von Kraftstoffeffizienz, und da würde der nimmermüde Verband der Automobilindustrie VDA gerne mehr Diesel an den Mann bringen. Allein, Diesel ist hier teurer als Benzin, richtig Lust auf Selbstzünder in Personenwagen verspürt der gemeine Amerikaner noch immer nicht.

So fährt VW den Jetta heran, ein in der neuen Welt bedeutsames Auto, das als Hybridversion von November an mit dem 1,4 Liter Benziner mit 110 kW (150 PS), einer Elektromaschine von 27 PS und Verbrauchsvorteilen von 20 bis 30 Prozent Kunden ködern soll. Die Technik kostet freilich Platz im Ladeabteil. Knapp zwei Kilometer weit kann der Jetta elektrisch fahren, später soll er das auch in Europa tun. Für den Spaß zu zweit haben die Wolfsburger einen Beetle mitgebracht, der eine aus Buggy und Speedster gekreuzte Studie ist, auf den Namen E-Bugster hört, rein elektrisch betrieben wird und nach Meinung der Verantwortlichen ein Crazy-Car ist. Ob der Vorstand crazy genug ist, ihm die Serienfreigabe zu erteilen, ist offen. BMW stellt den Active Hybrid 3 vor, der im Herbst auf den Markt kommt und Fahrer des 335i erweichen soll. Der 3-Liter-Sechszylinder kooperiert mit einer E-Maschine, daraus werden 250 kW (340 PS) Systemleistung, 450 Newtonmeter Drehmoment und 6,4 Liter Normverbrauch. Der kommt auch dadurch zustande, dass der BMW bis 160 km/h im Schiebebetrieb den Verbrennungsmotor abschaltet, also „segelt“. Bis zu 60 km/h Geschwindigkeit und 4 Kilometer Reichweite sollen elektrisch möglich sein.

Technische Leckereien wie ein Scheibenwischer

Der Auftritt von Mercedes-Benz steht ganz im Zeichen des neuen Roadsters SL, eine Weltpremiere. Die Stuttgarter senden damit ebenso wie ihre Nachbarn von Porsche mit deren Präsentation des 911 Cabriolets ein Signal der Verbundenheit gen Amerika. Der Mercedes kommt mit technischen Leckereien daher wie einem Scheibenwischer, der sein Wasser aus dem Wischerblatt bezieht und die Insassen im offenen Zustand vor einer Dusche bewahrt. Ob er mit seinen Linien – vor allem am Heck – spontan die Herzen bricht ist nach dem ersten Blick nicht eindeutig zu beantworten. Auch Mercedes hat Hybride dabei. Der E 300 Diesel erreicht mit 150 (204 PS) plus 20 kW (27 PS) niedrige 4,2 Liter Verbrauch oder 109 g CO2. Der E 400 Hybrid leistet 225 (306 PS) plus 20 kW (27 PS) und erreicht 149 g CO2. Die Technik schlummert im Motorraum, nur die 12 Volt-Batterie ist in die Reserveradmulde im Heck gewandert, sodass der hintere Teil voll nutzbar bleibt und sich auch der Kombi (T-Modell) demnächst als Hybrid wird empfehlen können.

Welches Können dahinter steckt, wird zum Beispiel im Vergleich zum Kia Optima Hybrid deutlich. Die Südkoreaner haben eine ausgewachsene Limousine mit 2,4 Liter Vierzylinder und 270 Volt Lithium Polymer Batterie dabei, in der fein zu beobachten ist, wie die Hybridtechnik Platz raubt, wenn man sich wenig Mühe gibt. Der Kofferraum ist verschachtelt, und aus der Durchreiche in der Rückbank ist ein Guckloch geworden. Der Vollständigkeit halber: Audi zeigt nicht viel, aber einen Q 3 mit dem Beinamen Vail, der in den Berg mit Wärmern für den Skischuh fährt.

Selbst Cadillac fährt kleineres heran

Die amerikanischen Hersteller stellen ihren Auftritt ganz in das Zeichen der Mittel- und Kompaktklasse. Selbst die Luxusmarke Cadillac fährt kleineres heran, der ATS zielt auf den 3er BMW, moderne Direkteinspritzer mit 200 bis 318 PS sollen dabei.
Ford strahlt frisches Selbstbewusstsein aus und präsentiert den neuen Fusion. Der soll nach Ansicht des Vorstands („Wir haben die größte Produktoffensive in der Geschichte vor uns und bringen im mittleren Segment 10 Modelle bis 2014“) mindestens die Konkurrenten Toyota Camry und Honda Accord vom Markt fegen. Der Fusion kommt als Benziner, Hybrid und Plug-In-Hybrid. Im Jahr 2013 wird er in Europa als neuer Mondeo vorfahren. Innen sind die wilden Linien etwa eines Fiesta tabu, der Fusion ist bestimmt von klarer Kante und einem großen Bildschirm in der Mittelkonsole. Neben effizienteren Motoren und bekannt gutem Fahrwerk will Ford ein System anbieten, mit dem sich die Höchstgeschwindigkeit oder die Lautstärke der Musikanlage begrenzen lässt. So sollen Eltern ruhiger schlafen, wenn der mit frischem Führerschein versehene Nachwuchs auf Tour geht.

Auch Chevrolet hat die jungen Leute im Auge und dabei einen Seitenblick nach Bayern riskiert. Das Konzept-Fahrzeug Code 130 R erinnert an das 1er Coupé von BMW, was freilich keine schlechte Referenz ist. Coupé-Form, vier Plätze und 1,4 Liter Turbo mit 138 PS gelten Chevrolet als probates Mittel auf dem Weg in die Serie. Die jetzt zu Fiat gehörende Marke Dodge ist auf diesem Weg schon weiter, der Dart ist ein kompaktes Stufenheck in drei Motorenvarianten von 160 bis 184 PS und einer schier unüberschaubaren Anzahl von Ausstattungen, 16000 Dollar gelten als Einstandspreis. Für guten Deckungsbeitrag soll sorgen, dass im Dodge Dart das Herz der Alfa Romeo Giulietta schlägt. Was Dodge kann, kann General Motors schon lange. Nachdem der Opel Insignia schon als Buick sein Glück versucht, darf dies alsbald auch das neue Mini-SUV des Konzerns tun. In Deutschland wird es als Opel Mokka verkauft werden, in Amerika hört es auf den Namen Buick Encore. Ein adrettes, besonnenes Auto, wie so vieles in Detroit 2012. Nach unserem Geschmack dürfte Detroit 2013 gerne wieder etwas wilder werden.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für „Technik und Motor“.

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