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Veröffentlicht: 01.11.2012, 16:00 Uhr

Der Jurist antwortet Dürfen Radfahrer eigentlich alles?

Was polemisch behauptet wird, stimmt natürlich nicht. Fahrradfahrer haben wie alle anderen Verkehrsteilnehmer Pflichten - aber auch Rechte.

von Uwe Lenhart
© Eilmes, Wolfgang Nein, Radfahrer dürfen nicht alles...

Wie müssen Radfahrer die Straße benutzen?

Radfahrer müssen grundsätzlich einzeln hintereinander fahren. Nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird, oder auf speziellen Fahrradstraßen. Ausnahmen bilden zum einen geschlossene Verbände von mehr als 15 Radfahrern: Diese dürfen zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. Zum anderen dürfen bei größeren Betrieben vor und nach der Schicht mehrere Fahrräder nebeneinander fahren. An- und Abfahrt in Reihe oder Doppelreihe wären ansonsten zu zeitraubend. Aber auch geschlossene Verbände von Radfahrern dürfen den Verkehr durch Fahren zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn nicht behindern. Bei dichtem Verkehr ist ihnen das Auseinanderziehen zur Einerreihe zuzumuten. Behindert wird der Verkehr bereits dann, wenn die Radfahrer das Überholen durch andere Verkehrsteilnehmer oder deren Begegnung und Ausweichen erschweren. Fahren Radfahrer verbotswidrig verkehrsbehindernd nebeneinander (Verwarnungsgeld: 15 Euro), handeln alle außer dem Rechtsfahrenden ordnungswidrig, es sei denn, auch dieser müsste das Bankett oder einen vorhandenen Radweg benutzen.

Ein Radfahrer befährt eine Einbahnstraße entgegen der vorgeschriebenen Richtung. Welche Konsequenzen hat das?

Sofern die Einbahnstraße nicht durch ein Zusatzschild entgegen der durch Zeichen 220 (Einbahnstraße) vorgeschriebene Fahrtrichtung für Radfahrer geöffnet ist, greift die Nummer 139.2 der Bußgeldkatalogverordnung (BKatV): Das Verwarnungsgeld beträgt 15 Euro, im Falle zusätzlicher Behinderung 20 Euro.

Die Ampel zeigt Rot, da schert ein Radfahrer aus der Schlange aus, um auf dem Gehweg weiterzufahren. Ist das erlaubt?

Die Benutzung der Gehwege durch Fahrzeuge ist nicht erlaubt. Das ergibt sich aus § 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO): „Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen...“ Eine Ausnahme gibt es für Kinder mit Fahrrädern: Bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen sie, bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen sie mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Auf Fußgänger ist dann besondere Rücksicht zu nehmen. Die vorschriftswidrige Benutzung des Gehwegs (Nr. 2 BkatV) zieht ein Verwarnungsgeld von 5 Euro nach sich, kommt es zu Behinderungen 10 Euro, im Falle von Gefährdung 20 Euro.

Wie viel Seitenabstand müssen Autofahrer einhalten, wenn sie Radfahrer überholen?

Der Seitenabstand beim Überholen wird in der StVO nicht genau geregelt, dort ist nur von „ausreichendem Seitenabstand“ die Rede. Die Rechtsprechung verlangt einen Seitenabstand von mindestens 1,50 Meter.

Wenn ein Radweg da ist, müssen Radfahrer ihn benutzen?

Nur auf Radwegen mit den blauen Radwegschildern (Zeichen 237, 240 oder 241) muss man fahren (§ 2 Abs. 4 Satz 2 StVO).

Dürfen Radfahrer einen Radweg in beiden Richtungen benutzen?

Entscheidend ist die Beschilderung: Radwege sind benutzungspflichtig, wenn sie Teil der Straße, zu der auch die Fahrbahn gehört, sind und in Fahrtrichtung mit den blauen Verkehrsschildern mit Fahrradsymbol (Zeichen 237, 240 oder 241) gekennzeichnet sind. Ein Radweg, der in beiden Richtungen benutzt werden darf, muss also entsprechend in beide Fahrtrichtungen beschildert sein.

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