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Veröffentlicht: 09.06.2016, 14:01 Uhr

EM-Ball Fast rund

Beim EM-Ball Beau Jeu von Adidas gilt, wie immer, eine Regel: neues Turnier, neuer Ball. Bis zum heutigen Exemplar hat sich dementsprechend viel verändert.

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© Hersteller Schönes Spiel 2016: Das Runde muss jetzt wieder ins Eckige.

Alle zwei Jahre freuen sich Europäer auf ihr Großereignis im Fußball. An diesem Freitag beginnt in Frankreich die Europameisterschaft. Eine Konstante dabei ist der Ball. Nein, es ist nicht immer der gleiche, aber seit 1984 stellt der Sportausrüster Adidas das so wichtige Spielgerät. Während der WM tragen die Herzogenauracher sogar schon seit 1970 die Verantwortung für das Runde im Spiel.

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Neues Turnier, neuer Ball. Das ist die Regel. Beau Jeu (schönes Spiel) heißt er dieses Mal, und seit 1970 hat sich, technisch gesehen, viel verändert. Gleich geblieben sind nur die Grundregeln: Umfang 68,5 bis 69,5 Zentimeter, Gewicht zwischen 420 und 455 Gramm. Bis zur WM in Argentinien 1978 wurde noch mit Leder gebolzt und der Ball aus 32 Ecken zusammengesetzt, 1982 wurde das Leder erstmals beschichtet, alle Bälle danach bestanden aus Kunststoff. 1998 wurde der WM-Ball erstmals farbig, 2002 war er zum letzten Mal handgenäht. Seit 2012 wird, ähnlich wie bei einem Golfball, die Oberflächenstruktur aufgerauht, das soll für höhere Flugstabilität sorgen.

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Der Beau Jeu gleicht vom technischen Aufbau her dem Brazuca, dem Ball der Weltmeisterschaft in Brasilien, den die deutsche Nationalelf vor zwei Jahren gleich sieben Mal im Kasten der Gastgeber versenkte. Herzstück ist seit jeher die für Elastizität und Spielbarkeit sorgende Blase, die aber nicht mehr aus Naturlatex besteht, sondern aus Gummibutyl, einem synthetischen Kautschuk. Drumherum kommt die runde Karkasse, auf die dann bei rund 100 Grad Hitze sechs propellerförmige Paneele aufgeklebt werden. Die Zahl der Paneele ist geringer als je zuvor; der EM-Ball von 2004 hatte noch 32, bei der WM 2006 waren es 14.

Den Beau Jeu kann jeder kaufen – für 140 Euro

Produziert werden die Bälle nahezu rein maschinell in China. Die EM-Spielbälle, von denen 25 je Spiel zur Verfügung stehen, unterscheiden sich technisch nicht von denen, die in den Handel gehen, nur wird das Endprodukt für den Verbraucher nicht einzeln getestet, es werden Stichproben gezogen. Der Beau Jeu ist für 140 Euro für jedermann zu kaufen.

Der Fußball-Weltverband Fifa schreibt für die Turnierbälle bestimmte Tests vor, die erfüllt werden müssen, bevor gegen sie getreten werden darf. Unter anderem muss der Rücksprung nach einem Fall aus zwei Metern Höhe mindestens 1,35 Meter und maximal 1,55 Meter betragen. Der Prüfdruck liegt bei 0,8 bar, gespielt wird in der Regel mit 1,0 bis 1,2 bar. Der Ball darf nicht mehr als zehn Prozent Wasser aufnehmen, getestet wird das in einer Art Wanne, in der das Nass zwei Zentimeter hoch steht und der Ball immer wieder um ein Viertel zusammengedrückt und gedreht wird. Dauerhaltbar muss er natürlich auch sein. Bei Adidas steht eine Schussmaschine, die den Beau Jeu vier Stunden lang 3500 Mal mit 50 km/h gegen eine Blechwand schießt. Danach muss er sich noch so spielen lassen wie zuvor.

Zum Test wird der Ball 2000 Mal gegen die Wand geschossen

Adidas setzt sich strengere Regeln als die Fifa, die auch selbst testet, damit aber die Empa (Eidgenössische Material- und Prüfungsanstalt) beauftragt. So lässt die Empa den Ball nur 2000 Mal gegen die Wand schießen. Das Runde ist ebenfalls definiert. Der Fifa genügen 1,5 Prozent Abweichung von der idealen Kugel, Adidas toleriert nicht mehr als 1,3 Prozent. Sämtliche Tests finden bei Raumtemperatur von 20 Grad statt, der Rücksprung muss aber auch bei fünf Grad klappen, dann auf 1,25 Meter Höhe. Deshalb liegen im Adidas-Testlabor immer ein paar Bälle im Kühlschrank. Darüber hinaus prüft der Hersteller die Haltbarkeit der Beschriftung, außerdem müssen sich die Bälle eine Woche lang bei 60 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit in einer Art Backofen beweisen.

Doch bei allen Tests im Labor: Das wichtigste Urteil fällen die Spieler. Jeder neue Ball wird vor der finalen Freigabe von hochklassigen Amateurspielern über mehrere Wochen, aber auch von der Deutschen Nationalelf erprobt. Die hat, wie alle anderen für die EM qualifizierten Teams, schon seit einigen Monaten mit dem Beau Jeu trainiert.

© Daniel Blum, F.A.Z. „Beau Jeu“ im Test: Was taugt der neue EM-Ball?

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