Die Hersteller von Fernsehern versuchen nun schon seit einigen Jahren etwas glücklos, Verbraucher vom nächsten Megatrend zu überzeugen, der sie zur Anschaffung eines neuen Geräts bewegen könnte: Fernsehen mit dreidimensionaler Technik (3D) hat bislang die Erwartungen enttäuscht, und auch internetfähiges Fernsehen („Smart TV“) wartet auf den Durchbruch, nicht zuletzt weil die Branche bisher kein schlüssiges Konzept gefunden hat, in welcher Form das Internet auf den Fernsehbildschirm gebracht wird. Mangels solcher Impulsgeber beschleunigt sich der Preisverfall, und die Verkaufszahlen wachsen kaum.
Im vergangenen Jahr legte der weltweite Absatz von Fernsehgeräten nach einer vom CES-Veranstalter veröffentlichten Studie nur um 2 Prozent zu, 2012 wird ein Plus von nur einem Prozent erwartet. In diesem Jahr herrscht in der Branche gespannte Erwartungshaltung angesichts der Gerüchte, dass der Elektronikkonzern Apple eine Großoffensive in dem Geschäft plant und einen eigenen internetfähigen Fernseher auf den Markt bringen will. Allein schon wegen dieser Spekulationen rückte das Thema „Smart TV“ in den Mittelpunkt der diesjährigen CES.
Viele Hersteller haben die Notwendigkeit erkannt, ihre Fernsehgeräte internettauglicher zu machen. Nach Angaben des Messeveranstalters werden in diesem Jahr 50 Prozent aller Fernseher einen Zugang zum Internet haben, vor zwei Jahren waren es noch 12 Prozent. Manche Hersteller haben noch viel ehrgeizigere Ziele: Panasonic zum Beispiel ließ verlauten, künftig 90 Prozent seiner neuen Fernseher mit einer Internetverbindung ausrüsten zu wollen.
Freilich nutzen heute viele Verbraucher die Internetverbindung ihres Fernsehers gar nicht, was damit zusammenhängt, dass ihnen nur ein beschränktes und wenig attraktives Interneterlebnis geboten wird. Versuche, einen umfassenden Zugang auf Internetinhalte zu liefern, wie sie etwa Google mit dem 2010 eingeführten Programm „Google TV“ unternommen hat, hatten zumindest bislang keinen Erfolg. Google TV stellte sich in einer ersten Version als zu kompliziert heraus.
Allerdings hat Google nicht aufgegeben und vor wenigen Monaten eine Neuauflage herausgebracht, die auf deutlich bessere Resonanz gestoßen ist. Und kurz vor der CES hat Google gemeldet, neue Partner gefunden zu haben, darunter den Fernsehhersteller LG. Auch beim in Las Vegas verkündeten Einstieg des chinesischen Computerherstellers Lenovo in den Fernsehmarkt ist Google dabei. Allerdings nicht mit „Google TV“, sondern mit seinem Programm Android, das sonst in Handys und Tabletcomputern zum Einsatz kommt. Den Lenovo-Fernseher wird es aber zunächst nur in China geben.
Zu den Schwierigkeiten beim Smart TV gehört es, dass Computer längst einen Standard beim Internetkonsum gesetzt haben, an dem sich alle nachfolgenden Lösungen messen lassen müssen. Und im weltweiten Web erscheint jede Beschränkung als inakzeptable Grenze. Auch die Rechenleistung war bisher nicht ausreichend. Dieses Defizit versuchen auf der diesjährigen CES Chiphersteller wie Qualcomm auszumerzen. Qualcomm hat seinen Prozessor Snapdragon S4 vorgestellt, der sich im Lenovo-Fernseher findet.
Jenseits von Smart TV zeigt die Branche auch diesmal wieder 3D-Fernseher, sie stehen aber nicht so sehr im Vordergrund wie in den vergangenen Jahren. Zu den Stars der Messe gehörten zwei Fernseher von LG und Samsung mit sogenannten Oled-Bildschirmen im großen 55-Zoll-Format. Diese Oled-Technik liefert besonders kontrastreiche Bilder, da die Bildschirme ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen. Bislang gab es solche Geräte nur in deutlich kleineren Formaten. Wann die 55-Zoll-Geräte auf den Markt kommen, ist bislang noch offen - ebenso wie der Preis, der bei gut und gerne 10000 Dollar liegen könnte.
