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Youtube gegen Gema Digitales Welt-Musikarchiv geht offline

01.04.2009 ·  Streit mit Folgen: Weil sich Youtube und die Gema vertraglich nicht einigen können, schrumpft das vermutlich größte digitale Online-Musikarchiv für deutsche Nutzer langsam zusammen. Dabei hat letztlich jeder von den Musikvideos profitiert - selbst die Labels.

Von Marco Dettweiler
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Es war so einfach. Und es war auch noch kostenlos: Wer auf seinem Computer ein beliebiges Lied hören und das entsprechende Video dazu sehen wollte, steuerte Youtube.de an. In dem Videoportal, das der Internet-Riese Google im Oktober 2006 gekauft hatte, finden sich Millionen von Musikvideos. Ein frei zugängliches, gigantisches Archiv, das sämtliche Genres und Zeitspannen abdeckt. Ihre Lieblingsband konnten Fans in Form von Live-Aufnahmen anklicken oder das offiziell produzierte Video ansehen. Damit ist nun Schluss.

„Wir haben gestern Abend damit begonnen, alle offiziellen Musikvideos zu sperren, die von den drei Majorlabels Emi, Sony und Universal und einigen Independent-Labels stammen“, sagt Google-Sprecher Hennig Dorstewitz gegenüber dieser Zeitung. Verantwortlich für diese Sperrung ist die Gema. Die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ hat den Ende März ausgelaufenen Lizenzvertrag mit Youtube nicht verlängert. Das Videoportal darf somit keine Musikvideos mehr von Künstlern und Produzenten zeigen, welche die Gema vertritt.

„Lichtjahre von marktfähigen Preisen entfernt“

Bei dem Streit geht es zunächst ums Geld. „Der uns angebotene Vertrag ist Lichtjahre von marktfähigen Preisen entfernt“, sagt der Sprecher von Google. Nach einer Übergangsfrist von einem Monat hätte das Videoportal 12,78 Cent pro gestreamtes, also angeschautes Video an die Gema abführen müssen. Youtube verweist bei der Einschätzung üblicher Lizenzverträge auf Großbritannien. Dort bezahle man an „PRS for Music“, das britischen Pendant zur Gema, 0,2 Cent pro Video-Klick. Die Gema verlange somit das Fünfzigfache. Youtube vergleicht die „marktunrealistische“ Preissteigerung mit dem Kauf einer CD. Es würde für einen Musikliebhaber in Deutschland bedeuten, dass er für eine herkömmliche CD mehr als 500 Euro zahlen müsste.

Die Gema schiebt die Schuld am Scheitern der Vertragsverhandlungen dem Internetkonzern zu. Youtube sei nicht bereit, „die Forderungen der Gema nach Transparenz hinsichtlich des genutzten Musikrepertoires zu erfüllen“, gibt die Gesellschaft offiziell bekannt. Die Gema will wissen, welche Videos wie oft angeklickt werden. Diese Zahlen will Youtube nicht bekanntgeben und stellte während der Verhandlungen wiederholt die Gegenfrage: „Welches Repertoire?“ Denn „mitnichten“ verfüge die Gema über „alle Rechte“ deutscher Musiker, sagt Google-Sprecher Oberbeck. Es gebe auch andere Rechteinhaber außer der Gema. Deswegen wolle man nicht „die Abrufzahlen von anderen“ bekanntgeben, weil die Gema dadurch einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil hätte.

Emi, Sony und Universal seien „sehr traurig“

Ungewöhnlich an diesem Streit sind die Zankparteien. Den freien Zugang zu Musik im Internet tragen meist die Labels mit Portalbetreibern aus. Die Musikindustrie argumentiert mit Gewinneinbrüchen beim CD-Verkauf, weil sich Musikfans kostenlos und illegalerweise in Tauschbörsen versorgen und damit auf den Kauf von herkömmlichen Musikträgern verzichten. In Sachen Youtube scheinen die Majorlabels etwas sanfter gestimmt. Emi, Sony und Universal seien „sehr traurig“, dass die Videos gesperrt würden.

Dass Emi, Sony und Universal bisher nicht im großen Stil Videos ihrer Künstler auf dem Internetportal sperren würden, war in dem nun ausgelaufenen Vertrag zwischen Youtube und der Gema festgehalten. Damals gab die Gema bekannt: „Die Vereinbarung berechtigt zur Nutzung des Weltrepertoires musikalischer Werke auf der Youtube-Plattform. Diese Einigung ermöglicht die Musiknutzung sowohl in Musikvideos als auch in den von Nutzern erstellten Videos.“

Youtube entwickelt gerade ein Content-ID-Tool

Damit die Musiklabels nicht zu kurz kommen, hat Youtube gerade ein Content-ID-Tool entwickelt, dass es den Konzernen selbst ermöglicht, nach Videos ihrer Künstler auf dem Internet-Portal zu suchen. Sie können dann eigenhändig sperren, denn der Nutzer, der das Video hochgeladen hat, verstößt schließlich gegen das Urheberrechtsgesetz. Viel interessanter als das Sperren dürfte für die Labels allerdings sein, dass mit Hilfe der Software die Videos mit Werbung versehen werden können.

Nicht nur die Youtube-Nutzer sind in diesem Streit die großen Verlierer. Das „Weltrepertoire musikalischer Werke“ schrumpft nun stündlich zusammen. Die Gema wird weniger Geld an ihre Künstler ausschütten können. Youtube verliert an Attraktivität, und die großen Labels müssen ihre Werbung wieder selbst machen.

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