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Windows Phone 7 Microsoft nimmt Abschied von Windows Mobile

16.02.2010 ·  Das lange Warten hat sich gelohnt: Microsoft hat das neue Betriebssystem für Mobiltelefone in Barcelona präsentiert. Dem Apple-Konkurrenten ist es tatsächlich gelungen, mit einem neuen Bedienkonzept zu überraschen.

Von Raymond Wiseman
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Das Telefon ist kein PC. Das ist der Grundtenor, mit dem Microsoft nach langem Warten und mehrfachen Verschiebungen sein neues Betriebssystem für Mobiltelefone in Barcelona präsentierte. Tatsächlich ist es Microsoft gelungen, mit einem neuen Bedienkonzept zu überraschen, das sich nicht länger an seine Vorläufer mit dem Betriebssystem Windows Mobile anlehnt.

Um den Einschnitt deutlich zu machen, benennt der Konzern auch gleich sein Handybetriebssystem um: Die Serie von Windows Mobile endet mit der Version 6.5, die letztes Jahr auf den Markt kam. Mit Windows Phone 7 Series ändert sich nicht nur der Name, sondern auch die Bedienung und die gesamte Verwaltungsstruktur. Schluss ist mit der Anlehnung an die Windows-Oberfläche, deren Startmenü im Laufe der Jahre mal unten, mal oben und zuletzt bildschirmfüllend erschien.

Mit Windows Phone 7 Series schmeißt Microsoft konsequent Altlasten über Bord wie beispielsweise den Stift, der Microsofts Pocket PCs seit der Präsentation des ersten Geräts - 1996 in Las Vegas - begleitete. Nun ist die Steuerung mit den Fingerspitzen auf dem Bildschirm angesagt. Damit ist die Multitouch-Steuerung, mit der endlich auch Webseiten im Internet Explorer durch die Bewegung zweier Finger vergrößern und verkleinern lassen, jetzt im Betriebssystem verankert und kein Aufsatz mehr, wie ihn HTC mit dem HD2 schon für Windows Mobile erfolgreich einführte.

Die Hubs selbst sind wieder in Kacheln gegliedert

Der Fingersteuerung kommt auch das neue Design der Oberfläche entgegen, das erstaunlich aufgeräumt und intuitiv wirkt. Die Gestaltung der Symbole und Hintergründe ist schnörkellos und ohne grafischen Ballast. Das betrifft auch die Nutzerführung: Der Weg zu den E-Mails, Kontakten, Terminen, und zur Wiedergabe von Medien, Fotos und ins Internet führt nicht länger über den Start von Einzelanwendungen. Stattdessen sind alle Aufgaben nun konsequent integriert in den Startbildschirm und sechs verschiedene Informationsknotenpunkte, Hubs genannt. Über die Hubs lässt sich das Windows Phone aufgabenorientiert bedienen. Das heißt: Wer beispielsweise seine Kontakte durchstöbert, hat nicht nur alle Möglichkeiten mit ihnen in Verbindung zu treten, sondern sieht auch gleich ihre Meldungen, ob sie nun als SMS oder E-Mail im eigenen Postfach oder als Beiträge in sozialen Netzen eingingen. Die Hubs selbst sind wieder in Kacheln gegliedert, sogenannte „Tiles“, über deren Berührung sich Informationen - beispielsweise bei Personen - abrufen oder Anwendungen - beispielsweise bei Videos - starten lassen.

Die Tiles des Startbildschirms zeigen direkt, wie viele unbeantwortete Anrufe, ungelesene SMS und eingegangene E-Mails warten, lassen sich aber auch durch eigene dynamische Kacheln ergänzen. So ist der Besitzer auf den ersten Blick darüber auf dem Laufenden, was sich in den sozialen Netzen tut und wer von seinen Bekannten momentan online aktiv ist. Außerdem bieten die Tiles des Startbildschirms Zugriff auf die verschiedenen Hubs. Der Bildschirm des Mobiltelefons zeigt immer einen Ausschnitt des Hubs, der seine Informationen auf einer Art Tafel bereithält. Der Nutzer kann den sichtbaren Ausschnitt mit dem Finger seitwärts verschieben und so die für ihn relevanten Ausschnitte des Hubs zur Anzeige bringen.

Anwender finden Informationen, die sie erwarten

Die Hubs sind thematisch gegliedert in „People“, „Pictures“, „Games“, „Music + Video“, „Marketplace“ und „Office“, wobei sich die Aufgabenstellungen überschneiden können. So lassen sich Videos auch im Hub „Pictures“ finden und der Marketplace - Microsofts Online-Plattform für Anwendungen - ist auch im Hub „Music + Video“ erreichbar. Im Vordergrund steht, dass der Anwender in seinem Hub stets die Informationen findet, die er dort erwartet.

So umfasst der Hub „People“ alle Informationen der gespeicherten Personen zusammen, ausgehend von den gespeicherten Kontaktdaten, über ihre Bilder bis zu aktuellen Äußerungen in sozialen Online-Diensten wie Facebook, Windows Live oder Twitter. Zugriff auf soziale Netzwerke bietet aber auch andere Hubs, so beispielsweise „Pictures“, in dem neben gespeicherten Bildern und Videos auch Online-Alben zum Zugriff und zur Veröffentlichung der Bilder zur Verfügung stehen.

Besonderes Augenmerk hat Microsoft auf die Einbindung seiner hauseigenen Dienste gelegt. Dies zeigt sich nicht nur in der Betonung des Windows Marketplace, der ja Apples App Store Konkurrenz machen soll, sondern auch darüber hinaus. Mit der Suchtaste lassen sich Informationen im Gerät und über Microsofts Suchmaschine Bing im Internet finden. Adressen und Telefonnummern werden in E-Mails und Kalendereinträgen erkannt und automatisch in Hyperlinks konvertiert, so dass sich durch Antippen direkt die passende Karte von Bing Maps abrufen lässt. Xbox Live wiederum hat im Hub „Games“ hat sein mobiles Frontend gefunden, während „Music + Video“ als Hub für die Medienwiedergabe neben Radioempfang und Podcasts auch die Medienplattform Zune integriert. An der Bedienung des Zune HD ist auch die Oberfläche des Windows Phone 7 weitgehend ausgerichtet. Gerade die Betonung der Unterhaltungsfunktionen zeigt deutlich, dass die Zielrichtung des Windows 7 Phone der private Nutzer ist.

Zu stark schien das Unternehmen seiner Windows-CE-Vergangenheit verhaftet

Auch wenn Windows Phone 7 Series sich mehr als je zuvor auf den Endkundenmarkt ausrichtet, sind doch die Anwendungen für den professionellen Einsatz nach wie vor vorhanden. Im Hub „Office“ finden sich die neusten Ausgaben der Office-Mobile-Anwendungen, inklusive mobiler Ausgaben von OneNote, Outlook und SharePoint. War jedoch Windows Mobile mit seinem anwendungsorientierten Aufbau eher ein Satellit des Unternehmensnetzes mit Telefonfunktion, so zeigt sich Windows Phone 7 deutlich dynamischer als Zugriffspunkt für alle Formen moderner Kommunikationsnetze und aktives Mitglied der Social Networks. Vor allem die Einbettung von Windows Live und Facebook zieht sich durch die gesamte Struktur.

Mit Windows Phone 7 Series hat Microsoft einen Schnitt gemacht, den viele dem Konzern im Marktsegment Smartphones nicht mehr zugetraut haben. Zu stark schien das Unternehmen seiner Windows-CE-Vergangenheit verhaftet. Dass 1996 bereits das erste Gerät dieser Traditionslinie mit einem Internet Explorer aufwartete, der allerdings noch per Modem ins Web vordrang, war aus der Schublade „Innovativ“ längst ins Kasterl „Antiquiert“ geschoben worden. Zu Recht, denn die Bedienung und Anzeige der Anwendungen hielt schon längst nicht mehr mit den technischen Möglichkeiten Schritt. Den holt Microsoft nun mit gründlicher Vorbereitung nach.

Das Ergebnis gibt dem Markt neue Impulse und überzeugt mit seinem intuitiven Bedienkonzept und seiner modernen Anmutung. Allerdings ist das Microsoft durch die Versäumnisse der letzten Jahre auf dem Handymarkt ins Hintertreffen geraten. Nun hat das Unternehmen hat zwar wieder den Fuß in der Tür, öffnen kann sie aber nur der Kunde, und das auch erst im letzte Quartal 2010, wenn die lange Liste der Hersteller ihre ersten Windows Phones der neuen Generation auf den Markt bringen. Dann wird sich zeigen, ob sich die lange Wartezeit für Microsoft gelohnt hat.

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