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Wikipedia-Gründer Jimmy Wales Der Besserwisser

Sein Online-Lexikon kennt jeder. Jetzt will der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales mit einer neuen Mitmach-Suchmaschine Google angreifen - und endlich Geld verdienen.

© AP Vergrößern Wikipedia-Gründer Jimmy Wales

Komplimente hören sich anders an: „Google ist nicht vollkommen furchtbar“, sagte Jimmy „Jimbo“ Wales vor ein paar Tagen in einem Interview im amerikanischen Fernsehen. Das war ganz schön frech, denn immerhin sprach er von dem Unternehmen, das die Internetsuche zu einer Goldgrube gemacht hat. Google ist ohne Zweifel die größte Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre im Web und hat heute einen Börsenwert von 150 Milliarden Dollar.

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Aber Jimmy Wales hat sich schon immer in der Rolle des aufmüpfigen Angreifers gefallen. Als Gründer des Online-Lexikons Wikipedia hat er nicht nur eine der populärsten Internetseiten der Welt geschaffen, sondern gleichzeitig die alteingesessenen Enzyklopädie-Verlage wie Brockhaus aufgeschreckt und deren Geschäftsmodell in Frage gestellt. Jetzt knöpft er sich ein ganz anderes Kaliber vor und attackiert Online-Giganten wie Google und Yahoo.

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Suchmaschine nach dem Mitmach-Prinzip

Wales will eine eigene Suchmaschine entwickeln, die wie Wikipedia nach einem Mitmach-Prinzip funktioniert. Das ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil er sich damit in das Revier von großen Namen traut. Es ist vielmehr auch eine Abkehr vom Wohltätigkeitsgedanken, der Wikipedia zugrunde liegt. Denn hinter dem Nachschlagewerk steht eine gemeinnützige Stiftung, die geplante Suchmaschine aber ist Teil eines gewinnorientierten Unternehmens. Noch in diesem Jahr soll die Suchseite an den Start gehen.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das Wales sich da vorgenommen hat. Aber ihm ist mit Wikipedia schon einmal ein großer Wurf gelungen, und das gegen alle Unkenrufe. Das Online-Lexikon ist seit seinem Start im Jahr 2001 für viele Menschen die erste Anlaufstelle geworden, wenn es darum geht, schnell etwas im Internet nachzuschlagen - von der Relativitätstheorie bis zu Paris Hilton finden sich hier alle nur denkbaren Stichwörter.

Ein ganzes Heer unbezahlter Autoren

Das Konzept klang zunächst einmal abenteuerlich: Die Seite ist kostenlos, und die Inhalte kommen von den Nutzern selbst. Wer immer sich berufen und kompetent fühlt, kann Beiträge entwerfen und ergänzen. Freilich ohne jegliche Entlohnung. Traditionelle Lexika wie der Brockhaus oder die Encyclopaedia Britannica dagegen werden von bezahlten Fachkräften erstellt. Und die Anschaffung dieser Lexika ist für den Verbraucher kein billiges Vergnügen.

Wikipedia hatte beim Start kaum mehr als hundert Einträge, wuchs aber in rasantem Tempo. Bald gab es ein ganzes Heer unbezahlter Autoren auf der ganzen Welt, die ihre Zeit damit verbrachten, die Seite zu bestücken - und die Zahl dieser „Wikipedianer“ steigt ständig weiter. Technikfreaks und Intellektuelle, aber auch Menschen wie du und ich greifen für das Nachschlagewerk in die Tasten. Was treibt sie an? Mit ihren Artikeln werden sie Teil einer Gemeinde und leisten einen Beitrag zu einem zweifellos ehrenwerten Ansinnen: der Menschheit kostenlos Wissen zur Verfügung zu stellen. Mitteilungs- und Geltungsbedürfnis spielen als Motivatoren sicher ebenso eine Rolle, manchmal auch einfach ein Übermaß an Zeit.

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