17.11.2009 · Nach einem sehr schwachen ersten Halbjahr hat sich der Handy-Weltmarkt im dritten Quartal stabil entwickelt, hat das Marktforschungsunternehmen Gartner ermittelt. 2010 wird wieder ein Wachstum erwartet.
Von Holger SchmidtDie Handy-Hersteller sehen wieder Licht am Ende des Tunnels: Nach einem sehr schwachen ersten Halbjahr hat sich der Handy-Weltmarkt im dritten Quartal stabil entwickelt, hat das Marktforschungsunternehmen Gartner ermittelt. Wegen eines anziehenden Geschäfts im vierten Quartal geht Gartner für 2009 sogar von einer Stagnation gegenüber 2008 aus, bevor im kommenden Jahr wieder ein hohes einstelliges Wachstum erzielt wird, lautet die Prognose.
„Im dritten Quartal wurden viele neue Mobilfunkgeräte vorgestellt, darunter eine Reihe von Android-Smartphones für das Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal“, sagt Carolina Milanesi, Forschungsdirektorin bei Gartner. „Viele Geräte kommen zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt und Mobilfunkunternehmen werden zum Ende des Jahres Prämien für die Verbraucher anbieten. Wir erwarten daher, dass die Verkäufe im vierten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr ansteigen werden. Während viele Anbieter und Marktbeobachter einen Rückgang der Channel-Verkäufe fordern, gehen wir aufgrund unserer Daten davon aus, dass der Markt eher stagniert, als dass er zurückgeht“, sagte Milanesi. Zwischen Juli und September wurden in aller Welt 309 Millionen Handys verkauft, ebenso viel wie im Jahr zuvor. Die Krise hat aber die Gewichte in der Branche spürbar verschoben. Nokia hat leichte, Motorola und Sony-Ericsson haben erhebliche Marktanteile eingebüßt. Gewinner sind die asiatischen Anbieter Samsung und LG.
Die Erwartungen für das Gesamtjahr aufgehellt
Impulse gehen auch vom Graumarkt aus, der nicht mehr länger nur auf China begrenzt ist. Auch in anderen Schwellenländern in Asien und Osteuropa werden Handys von nicht offiziell ausgewiesenen Händlern und Markenimitate verkauft. Auf dem Graumarkt werden inzwischen auch hochentwickelte Geräte an die Kunden gebracht. „Wir haben unsere Schätzungen für den grauen Markt jetzt nach oben angepasst“, sagte Milanesi. Das habe die Erwartungen für das Gesamtjahr aufgehellt.
Auch auf dem Markt für die sogenannten Smartphones haben sich die Gewichte verschoben. Hier haben allerdings technische Entwicklungen den Ausschlag gegeben: Apple hat mit seinem iPhone kräftig gewonnen und auch Blackberry-Hersteller Research-In-Motion hat im dritten Quartal kräftig zugelegt. Verlierer ist der finnische Hersteller Nokia, auch wenn das Unternehmen weiterhin Marktführer im Segment dieser hochentwickelten Geräte bleibt. Das Segment ist allerdings für Nokia besonders wichtig, denn hier werden die höchsten Margen erzielt. „Smartphones sind weiterhin das am schnellsten wachsende Segment auf dem Handy-Markt, und das wird auch im vierten Quartal und 2010 so bleiben“, vermutet Milanesi. Motorola wird nach Einschätzung von Milanesi dank seiner neuen Android-Geräte Droid und Cliq seinen Marktanteil im vierten Quartal stabil halten. Für Sony Ericsson erwartet sie eine Besserung erst im kommenden Jahr, wenn das neue Flaggschiff X10 auf den Markt kommt. Bisher haben weder Nokia noch Motorola oder Sony-Ericsson dem iPhone ernsthaft Konkurrenz gemacht. Erst jetzt haben die Platzhirsche Produkte entwickelt, die zumindest technologisch einigermaßen mithalten können.