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Web 1.0 Anschluss für Afrika

10.03.2009 ·  Internet in Afrika ist teuer und langsam, der Kontinent spielt in der Internetwirtschaft bisher eine Außenseiterrolle. Um Afrika an das globale Datennetz anzuschließen, sollen rechtzeitig vor der Fußball-Weltmeisterschaft schnelle Glasfaserkabel gelegt werden.

Von Claudia Bröll, Johannesburg
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Für Brian Herlihy gibt es keinen Zweifel: Von Mitte dieses Jahres an wird auf dem afrikanischen Kontinent eine Internet-Revolution stattfinden. Die Zuversicht des 35 Jahre alten Chefs des Unternehmens Seacom kommt nicht von ungefähr. Das in Mauritius beheimatete Kabelunternehmen verlegt gerade ein 15 000 Kilometer langes Glasfaserkabel auf dem Meeresboden von Südafrika nach Indien und Großbritannien, mit Anschlüssen in fünf afrikanischen Ländern.

Zum ersten Mal wird der Osten Afrikas damit per Breitbandkabel mit dem Rest der Welt verbunden. Für das südliche und westliche Afrika ist es das zweite nach Europa reichende Glasfaserkabel, das den Internetnutzern eine zusätzliche Datenübertragungskapazität von 1,2 Terabit je Sekunde bescheren soll. Der Schwarze Kontinent werde damit endlich den Anschluss an die Internetwelt des 21. Jahrhunderts finden, sagte Herlihy dieser Zeitung.

Staatsmonopole bestimmen immer noch die Preise

Afrika spielt in der Internetwirtschaft bisher eine Außenseiterrolle. Strikte Regulierungen, mächtige staatliche Telekommunikationskonzerne und begrenzte Übertragungsmöglichkeiten haben dazu geführt, dass Internetnutzer immer noch mit schleichend langsamen Verbindungen und astronomisch hohen Kosten zu kämpfen haben. Trotz eines allmählich erwachenden Wettbewerbs bestimmen Staatsmonopole immer noch faktisch die Preise.

„In Ostafrika liegen die Kosten für 1 Megabit je Sekunde bei 2500 bis 3000 Dollar im Monat“, sagt Herlihy. In europäischen Ländern müssten Nutzer lediglich 30 bis 40 Euro zahlen - für das Zehnfache des Datenvolumens. Häufig würden Daten nur mit einer Geschwindigkeit von 15 Kilobyte je Sekunde übermittelt, so langsam wie vor mehr als zehn Jahren in Europa. „Einer unserer kenianischen Investoren konnte unsere E-Mail-Anhänge nicht öffnen, weil die Internetverbindung zu langsam ist“, sagt der Seacom-Chef. In vielen afrikanischen Ländern werde schon eine Datenübertragungsrate von 100 Kilobyte je Sekunde als schnelle Internetanbindung betrachtet, in Europa spreche man erst ab 2 Megabit davon. Einfacher können Nutzer in Südafrika, dem Wirtschaftsmotor des Kontinents, das Internet nutzen. Aber auch dort ist die Datenmenge im Gegensatz zu fortschrittlicheren Ländern limitiert. Zum Preis, den die Südafrikaner zahlen, kann man in London die zwanzigfache Geschwindigkeit erwarten.

Nur 2 Prozent der globalen Investitionen in Seekabel entfielen auf Afrika

Bisher wurde in Afrika kaum in Verbindungen zu anderen Kontinenten investiert. Nur 2 Prozent der globalen Investitionen in Seekabel entfielen auf Afrika. Den Süden und Westen verbindet derzeit nur ein einziges Glasfaserkabel mit Europa: das von dem südafrikanischen Staatskonzern Telkom kontrollierte SAT3/SAFE-Kabel. Die 7000 Kilometer lange Ostküste - die längste Strecke ohne DSL-Anschluss der Welt - ist auf Satellitenverbindung und normale Telefonkabel angewiesen.

Vor allem die anstehende Fußball-WM 2010 in Südafrika hat Regierungen und Telekom-Konzerne jetzt jedoch aufgeweckt. Die Scharen ausländischer WM-Gäste, die an schnelle Informationen aus dem Internet gewöhnt sind, sollen sich nicht in vergangene Zeiten zurückversetzt fühlen. Mit einem Mal soll Afrika verkabelt werden, und zwar im großen Stil. Neben dem privat finanzierten Seacom-Kabel sind derzeit neun weitere Glasfaser-Seekabel in einem Gesamtwert von mehreren Milliarden Dollar im Gespräch.

Das West African Cable System (WACS) beispielsweise, auf den Weg gebracht von Südafrikas größten Telekommunikationsfirmen, soll an der Westküste entlang von Kapstadt nach London führen, dem größten Internetknoten in Europa. Auch an der Ostküste will man sich nicht nur mit dem Seacom-Kabel zufriedengeben. Zusätzlich ist von einem Konsortium, zu dem Telkom und anfangs auch die kenianische Regierung gehörten, das Eassy-Kabel von Südafrika nach Sudan geplant. Weil sich die Südafrikaner und die Kenianer jedoch nicht über die Machtverteilung einigen konnten, scherten Letztere aus und gaben für die bisher gänzlich unversorgten Ostafrikaner noch ein zusätzliches eigenes Projekt in Auftrag: das Teams-Kabel vom kenianischen Mombasa aus bis auf die Arabische Halbinsel.

Vier Kabel könnten bis 2011 in Betrieb genommen werden

Marktfachleute sehen den plötzlich aufkeimenden Ehrgeiz skeptisch. Neben Seacom werden wohl nur zwei weitere Kabel vor Beginn der Fußball-WM verlegt sein, sagt Arthur Goldstuck, Direktor des Beratungsunternehmens World Wide Worx in Johannesburg. Vier Kabel könnten bis 2011 in Betrieb genommen werden. Bei drei Projekten seien Starttermin, Kapazität und Investitionsvolumen völlig unklar.

Für Afrikas Internetnutzer würden aber auch schon drei zusätzliche Kabel die Bedingungen deutlich verbessern. Das Seacom-Kabel etwa hat die fünffache Kapazität des bisherigen SAT3/SAFE-Kabels, Eassy die sechsfache und WACS die fünfzehnfache. Dies wäre ausreichend, um Internetseiten wie „You Tube“ auch in Afrika einen Ansturm zu bescheren. „Der schnellere und kostengünstigere Internetzugang wird den Markt, die Kommunikationsmöglichkeiten und das gesamte Geschäftsleben revolutionieren“, prognostiziert der Chef der südafrikanischen Suchmaschine Ananzi, Mark Buwalda. Video-Konferenzen und die Internet-Telefonie könnten stärker genutzt werden. Im Bildungswesen gebe es eine Fülle bisher ungenutzter Möglichkeiten. Nicht nur sei viele Jahre nach dem Platzen der IT-Blase mit einem Gründerboom in Afrika zu rechnen. Auch internationale Internetunternehmen entdeckten den lange vergessenen Kontinent wieder.

Weitaus teurer als an vermutlich jedem anderen Ort der Erde

Die Preise dürften Marktfachleuten zufolge für die Endnutzer zunächst gleich bleiben, wobei sie zum gleichen Preis deutlich mehr Bandbreite nutzen können. „Langfristig aber werden wir fallende Preise wegen des zunehmenden Wettbewerbs zwischen den Kabelbetreibern und Telekom-Unternehmen sehen“, prognostiziert Goldstuck. Bis die Internetnutzung in Afrika genauso günstig ist wie in Europa, wird es jedoch noch lange dauern. Seacom beispielsweise verspricht seinen ostafrikanischen Kunden, internationale Verbindungen um 90 bis 95 Prozent günstiger als bisher über Satellit anzubieten. Angesichts des jetzt hundertfachen Preises wäre die Internetnutzung aber auch dann noch weitaus teurer als an vermutlich jedem anderen Ort der Erde.

Anders als in der entwickelten Welt ist fraglich, ob die breite Bevölkerung in Afrika von der größeren Bandbreite profitiert. Zwar rechnet das amerikanische Institut Africa-Next in fünf Jahren mit einer Vervierfachung der Internetnutzerzahlen, doch von einem sehr niedrigen Niveau aus. In Südafrika haben nur 9,5 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet, in Nigeria 6,9 und in Kenia 7,9 Prozent. In den Vereinigten Staaten liegt der Anteil bei fast drei viertel der Bevölkerung.

Für Marktfachmann Goldstuck indes ist dies Zukunftsmusik

Seacom-Chef Herlihy ist zuversichtlich, dass das Internet in Afrika einen ähnlichen Nachfrageboom erlebt wie vor einigen Jahren das Mobiltelefon. „Selbst in armen Ländern geben die Menschen bereits relativ viel Geld für das Mobiltelefon aus. Durch die sinkenden Preise wird auch die Internetnutzung für die Massen erschwinglich.“ Über kabellose Wimax-Netze etwa könnten die Bewohner dichtbesiedelter Armenviertel das Internet nutzen, ohne große Summen investieren zu müssen.

Für Marktfachmann Goldstuck indes ist dies Zukunftsmusik. Computer und Laptops blieben für die meisten unerschwinglich. Selbst in Südafrika gibt es in vielen staatlichen Schulen nicht einmal Tische für die Schüler, geschweige denn Computer. Für Afrika mögen die Seekabel den Beginn einer neuen Ära markieren, im internationalen Vergleich jedoch macht der Kontinent lediglich die Versäumnisse in der Vergangenheit wett. Goldstuck verweist auf eine Karte der weltweiten Telegraphenkabel von 1898. Damals gab es von Afrika aus ein ganzes Bündel von Telegraphen-Verbindungen zu anderen Kontinenten. Auf einer Karte der Glasfaserkabel von heute indes ist nur eine dünne einzelne Linie von Afrika ausgehend zu sehen, während dicke Kabelstränge zwischen Europa und Amerika verlaufen. „Mit den neuen Tiefseekabeln ist Afrika zumindest wieder so gut verbunden mit dem Rest der Welt wie im Jahr 1898.“

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