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Vierte Generation Mobilfunknetze unterm Hammer

11.04.2010 ·  Am Montag beginnt die Versteigerung der Frequenzen für die vierte Mobilfunkgeneration. Die bestehenden Netze sind voll ausgelastet, neue Kapazitäten dringend nötig. Wer bietet mehr: T-Mobile, Vodafone, E-Plus oder O2?

Von Helmut Bünder, Mainz
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Es wäre peinlich geworden, hätte etwas anderes auf dem Zettel gestanden, den Matthias Kurth während seiner Pressekonferenz in die Hand gedrückt bekam. Doch das Bundesverwaltungsgericht hat in fast letzter Minute auch den letzten Eilantrag gegen die Vergabe der neuen Mobilfunkfrequenzen zurückgewiesen. Der Präsident der Bundesnetzagentur kann die Auktion wie geplant am Montagmittag eröffnen. Die Technik in der Mainzer Niederlassung der Behörde ist installiert; in den streng abgeschotteten Bieterräumen stehen die Auktionscomputer bereit und warten darauf, dass die Vertreter von T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 ihre Gebote abgeben.

Kurth hat den Rohstoff, auf den die Mobilfunkbetreiber angewiesen sind. Unter dem Ansturm von internetfähigen Smartphones laufen ihre Netze unter Volllast. Sie brauchen neue Übertragungskapazitäten, um sich für den rapide wachsenden Datenverkehr zu rüsten. „Für viele Jahre wird es nicht noch einmal eine solche Chance geben“, sagte Kurth. Was an freien Frequenzen verfügbar ist, kommt unter den Hammer, insgesamt ein Spektrum von 360 Megahertz (MHz).

Gut 50 Milliarden Euro

Das ist mehr als das Doppelte dessen, was in der UMTS-Auktion vor zehn Jahren im Angebot war. Gut 50 Milliarden Euro hatte die Versteigerung dem Bundesfinanzminister damals eingebracht. Mit solchen Summen rechnet nun allerdings kaum jemand. Die Unternehmen kalkulieren mit sehr viel spitzerem Bleistift. Zu tief waren die Löcher, die die hohen Kosten der UMTS-Lizenzen und des anschließenden Netzausbaus in ihre Bilanzen gerissen hatten.

Die meisten Fachleute erwarten für den Bundesfinanzminister Einnahmen von höchstens 5 bis 6 Milliarden Euro. Wolfgang Schäuble wird sich eine Weile gedulden müssen, bis das Ergebnis vorliegt. Bei der UMTS-Auktion vergingen drei Wochen, bis der Hammer fiel, und sehr viel schneller dürfte auch die neue Versteigerung kaum vonstattengehen. Kurth hielt sich dazu bedeckt: „Die Netzagentur hat keine Abteilung für Hellseherei.“

Das Auktionsverfahren ist kompliziert

Sicher ist, dass es einen harten Bieterwettkampf geben wird. „Die Nachfrage der vier Bieter übersteigt bei weitem das verfügbare Angebot“, meinte Kurth. Schon vor Auktionsbeginn hat er einen guten Überblick über das Interesse. Für die Teilnahme an der Auktion musste jedes Unternehmen Bietrechte beantragen und dabei offenlegen, wie viel Spektrum es maximal erwerben will. Nähere Angaben dazu lässt sich die Netzagentur nicht entlocken, jede Information würde den Bieterwettkampf beeinflussen. Das Auktionsverfahren ist so kompliziert, dass die Behörde eigens eine „Bieterschulung“ abgehalten hat. Jedes Unternehmen hat vier bis acht Mitarbeiter daran teilnehmen lassen. Nur sie dürfen bei der Auktion Gebote abgeben. Versteigert werden die Frequenzen in Blöcken von 5 MHz, entweder einzeln oder „gepaart“ als Doppelblock von 2×5 MHz. Die Unterscheidung ist deshalb von Bedeutung, weil direkt aneinander grenzende Blöcke technisch besser nutzbar sind als voneinander getrennte Frequenzbänder. Von den insgesamt 41 Blöcken werden die meisten „abstrakt“ angeboten, einige aber auch „konkret“, so dass der Käufer weiß, welchen Platz im Spektrumsband er erwirbt und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind.

Versteigert wird in einzelnen Runden von jeweils höchstens neunzig Minuten Dauer, in denen die Teilnehmer per Computer Gebote für die Blöcke einreichen, an denen sie Interesse haben. Dabei gelten unterschiedliche „Aktivitätsstufen“: In der ersten Phase müssen die Gebote eines Unternehmens mindestens 50 Prozent seiner beantragten Bietrechte ausschöpfen, in den späteren Phasen steigt dieser Anteil stufenweise auf 100 Prozent. Wird das Limit nicht erreicht, gehen Bietrechte verloren - es sei denn, es wird eine „Bietbefreiung“ in Anspruch genommen, die es erlaubt, bis zu fünf Runden auszusetzen.

„Bietfreier“ Tag?

Die Unternehmen haben sogar die Möglichkeit, einen „bietfreien“ Tag zu beantragen, wenn ihre Mitarbeiter Rücksprache mit der Konzernführung halten müssen. Das Mindestgebot für den Einzelblock beträgt 1,25 Millionen Euro, für einen gepaarten Block das Doppelte. Bei der UMTS-Auktion lagen die Mindestgebote um das Zwanzigfache höher. In den Versteigerungsrunden geht es anfangs um wenigstens 15 Prozent nach oben, später kann der Auktionator das „Inkrement“ auf zehn und zum Schluss der Versteigerung auf jeweils zwei Prozent des vorherigen Höchstgebots reduzieren. Allerdings können die Bieter auch gleich in die Vollen gehen. Bis zu 500 Millionen Euro in einem Schritt sind zulässig, aber wohl wenig wahrscheinlich.

In den meisten Frequenzbereichen können die Unternehmen für beliebig viele Blöcke bieten; nur für den besonders begehrten Bereich um 800 MHz gelten Kappungsgrenzen. Diese Frequenzen, die durch die Digitalisierung des Rundfunks freigeworden sind, haben eine besonders hohe Reichweite: Mit vergleichsweise wenig Sendemasten lassen sich deshalb große Gebiete abdecken. T-Mobile und Vodafone können jeweils für zwei Frequenzblöcke bieten, E-Plus und O2 für je drei Blöcke. Ob sich der höhere Auktionseinsatz für die Frequenzen aus der „Digitalen Dividende“ wirklich lohnt, hängt auch an den Kosten der Versorgungsauflagen.

Dieser Teil des Spektrums bringt zwar die besten physikalischen Eigenschaften mit. Auf ihm lastet aber die Hypothek, dass die Käufer damit zunächst Breitbandnetze für den ländlichen Raum und unterversorgte Kleinstädte aufbauen müssen. Grundlage sind umfangreiche Listen der Bundesländer, die bis 2016 abgearbeitet werden müssen, um in den jeweiligen Gebieten mindestens 80 Prozent der Haushalte an das Netz anzuschließen. Dass sich die Biet-Strategien tatsächlich auf die „Digitale Dividende“ konzentrieren werden, ist deshalb keineswegs ausgemacht. Den Kunden kann es gleichgültig sein. „Es wird in jedem Fall einen Wettlauf um Qualität und Schnelligkeit der Netze geben. Denn das beste Netz wird auch die meisten Kunden anziehen“, sagte Kurth.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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