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Videospiele Mit Muskeln spielen für die virtuelle Welt

17.12.2008 ·  Computer- und Videospiele stehen auf dem Wunschzettel für Weihnachten ganz oben. Aber welche Konsole ist die beste? Hinweise zu Hard- und Software Von Michael Spehr

Von Michael Spehr
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Nicht mehr dass, sondern was, wie und womit gespielt wird, bestimmt die Diskussion in der Familie kurz vor Weihnachten. Computer- und Videospiele sind ein fester Teil des Alltags geworden, ein selbstverständlicher Zeitvertreib für Jung und Alt. Vor einigen Monaten wurde der „Bundesverband der Entwickler von Computerspielen“ in den „Deutschen Kulturrat“ aufgenommen.

Nicht nur, weil etliche Spiele mittlerweile in den Feuilletons besprochen werden, sondern wohl auch, weil die Branche einer der wichtigsten Zweige der Kulturindustrie geworden ist. Während die Umsätze bei Film und Musik zurückgehen oder stagnieren, wächst die Sparte der Spiele rasend schnell: Mehr als zweieinhalb Milliarden Euro wird sie in diesem Jahr in Deutschland umsetzen, und die jährlichen Zuwachsraten sind zweistellig.

Auch die Älteren entdecken die Faszination virtueller Abenteuer

Rund ein Drittel aller Deutschen über 14 Jahre spielt regelmäßig. Nun entdecken auch die Älteren die Faszination virtueller und realer Abenteuer vor dem Bildschirm - inklusive schweißtreibender Wettbewerbe wie der unlängst ausgetragenen „Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft“, die übrigens ein Altersheim aus Düsseldorf gewann. So bleibt also wenig vom Klischee des Computerspielers als verstörtem und isoliertem Eigenbrötler, der bei heruntergelassenen Rollläden stundenlang auf seinen Bildschirm starrt. Die aktuellen Spiele sind aktive Teilhabe und Teilnahme an einer digitalen Kunstwelt, wenn etwa 11 Millionen Menschen regelmäßig eine Zweitkarriere als Magier, Hexenmeister oder Jäger in dem größten Online-Abenteuer „World of Warcraft“ starten.

Mehrere Faktoren tragen den aktuellen Spiele-Boom. Mit ihren hochgetakteten Mehrkern-Prozessoren und rasend schnellen Grafikkarten bieten die derzeitigen Top-PCs ebenso wie die beiden stärksten Konsolen, die Playstation 3 (PS3) und die Xbox 360, einen Realismus und Detailreichtum in feinster HD-Auflösung, der jeden Betrachter sofort in ihren Bann zieht. Manche Abenteuer am Bildschirm sind mit ihrer fotorealistischen Tiefenschärfe kaum von einem Spielfilm zu unterscheiden. Und: Wo früher einzelne Straßenzüge für das Hauptgeschehen in der virtuellen Welt nachgestellt wurden, sind es nun ganze Städte und Landschaften, in denen man sich frei bewegen kann.

Die offene Gesellschaft: Aktuelle Spiele sind Nachbauten der Welt

Diese „Open World Games“ wie „Grand Theft Auto 4“ führen zwar den Spieler an einem narrativen Handlungsstrang mit kleinen spielbaren Einheiten entlang, sie erlauben ihm jedoch auch, das zu tun, wozu er gerade Lust hat. Man kann in GTA 4 den Helden auf eine Mafia-Laufbahn schicken, aber genauso gut innehalten und ihn wahllos durch die Gegend fahren lassen. Das Schicksal des Protagonisten ist offen, und damit entsteht eine viel stärkere Identifikation als beispielsweise in einem Roman oder Kinofilm. Zudem verlieren die virtuellen Gegner oder Sparringspartner den Charakter einer in ihrem Handeln vorhersehbaren Kunstfigur und werden mit „humanen“ Regungen ausgestattet.

Diesen Tendenzen der zunehmenden Verfeinerung und Raffinesse läuft eine Entwicklung diametral entgegen: der Erfolg von Nintendos Spielekonsole Wii. Sie ist hinsichtlich der Grafik eine Rückkehr der Vergangenheit, und sie ist zugleich die Zukunft für Spiele vor dem Bildschirm, die vor allem der körperlichen Ertüchtigung dienen. Simulierte das erste Bildschirmspiel „Pong“ 1972 ein Tennismatch durch zwei vertikal bewegliche Linien an den Bildschirmrändern, die als virtueller Schläger von jeweils einem Spieler bewegt wurden, wird das Turnier nun mit einem realen Controller in der Hand ausgefochten, mit dem man in der Luft herumfuchelt, um ein kleines Lego-Männchen auf dem Fernsehschirm zu steuern. Die Wii-Fernbedienung fungiert quasi als Fortsetzung des Körpers.

Die ideale Familienkonsole, an der alle ihren Spaß haben

Verblüffende Ergebnisse mit schlichter Technik: Die Fernbedienung der Wii nutzt einen Sensor, der Bewegungen und Drehungen um zwei Achsen registriert. Ein weiterer Sensor erfasst die Signale eines Infrarot-Moduls, das vor oder auf dem Fernsehgerät plaziert wird. So lässt sich die Position und Lage des auch als Wiimote bezeichneten Controllers im Raum ermitteln. Die weitere Kommunikation zwischen Fernbedienung und Konsole erfolgt über Bluetooth. An die Wiimote lässt sich ferner ein sogenannter Nunchuk-Controller mit Bewegungssensoren und analogem Joystick anschließen, und zum Spiel Wii Fit gehört ein auf Gewichtsverlagerungen reagierendes „Balance Board“ für Aerobic-Übungen, virtuelles Snowboarden, für Rhythmus-Boxen und vieles mehr.

Mit dem kunterbunten Trainingsprogramm kann man schnell ins Schwitzen kommen, aber die Wii ist keine reine Sportkonsole: In „The Legend of Zelda: Twilight Princess“ ahmt man mit dem Controller das Werfen eines Bumerangs nach, und in der Internats-Persiflage „Bully: Die Ehrenrunde“ nutzt man ihn, um mit der Zwille die Mitschüler zu ärgern. Insgesamt ist die Wii, die zusammen mit Wii Sports derzeit rund 250 Euro kostet, die ideale Familienkonsole, an der alle ihren Spaß haben - auch Oma und Opa. Die Spiele sind ganz überwiegend kinderfreundlich und gewaltfrei, sie ist klein, arbeitet sehr leise und benötigt nur wenig Strom (rund 18 Watt).

„Konsoleros“ und „PC-Zocker

Was will man also mehr? Die Frage ist schnell beantwortet: mehr Action, hochaufgelöste Grafik im HD-Format (die Wii unterstützt allein Pal), Musik- und Videowiedergabe, Mehrkanalton und so weiter. Wer die volle Pracht aktueller Multimedia-Games genießen und es richtig krachen lassen will, braucht entweder eine Konsole à la Playstation 3 und Xbox 360 - oder einen Spiele-PC mit Windows.

Was ist die bessere Plattform? Hier gibt es seit Jahr und Tag heftige Auseinandersetzungen zwischen „Konsoleros“ und „PC-Zockern“. Beide Seiten können mit starken Argumenten aufwarten: Der PC ist für die meisten Strategie- und Rollenspiele wegen kürzerer Reaktionszeiten besser geeignet. Die große Tastatur ist bei diesen Genres ebenfalls ein Pluspunkt, davon abgesehen, dass man alle nur denkbaren Eingabegeräte anschließen kann. Dazu kommt die Erweiterbarkeit der Hardware: Eine schnellere Grafikkarte einzubauen ist kein Hexenwerk, und ein leidenschaftlicher Flugsimulator-Fan holt sich Cockpit-Atmosphäre mit zwei oder drei großen Flachbildschirmen ins Haus.

Vorsichtige Eltern nehmen besser eine Spielekonsole

So ist ein Spiele-PC teurer, aber flexibler. An dieser Stelle sind allerdings die Nachteile der bunten Vielfalt unterschiedlicher Komponenten ebenfalls zu erwähnen: Es gibt deutlich mehr Kompatibilitätsprobleme, Ärger mit Hardware, Software und Treibern. Zudem sind PC-Spiele in der Regel fehlerhafter programmiert, und wenn der Nachwuchs ein Game nach dem anderen installiert, darf Papa regelmäßig die Festplatte putzen. Die Hardware einer Konsole hingegen ist im Laufe ihrer jahrelangen Lebenszeit nur wenigen Änderungen ausgesetzt. Die Floskel „Plug & Play“ bringt es auf den Punkt: Man hat weniger Probleme.

Für skeptische Eltern ist die Konsole und was mit ihr gespielt wird, viel einfacher zu kontrollieren als ein mit Spielen aus dem Internet zugeschütteter Windows-PC. Jedes Game kommt auf einem nicht kopierbaren Medium ins Haus, und die aufgedruckte Altersfreigabe zeigt auf einen Blick, ob sich der Nachwuchs damit beschäftigen darf. Apropos Kopierschutz: Obwohl uns die Unterhaltungsindustrie immer wieder gebetsmühlenartig versichert, dass Musik, Filme und Spiele deutlich günstiger wären, wenn niemand kopieren würde, ist genau das Gegenteil der Fall: Die mit allerlei Tricks kopierbaren PC-Titel kosten in der Regel 20 Euro weniger als ihr Konsolen-Pendant. Wo die Industrie die Preise gefahrlos hochtreiben kann, tut sie es, und so liegen aktuelle Top-Titel bei 70 Euro.

Power-PC-Prozessor und HD-Auflösung

Die Xbox 360 von Microsoft und die Playstation 3 von Sony sind die leistungsstärksten Konsolen, zwar schon einige Jährchen alt, aber das Maß der Dinge. Die Xbox 360 nutzt einen mit 3,2 Gigahertz getakteten Power-PC-Prozessor, die Playstation 3 gar einen Cell-Prozessor mit acht Kernen, der ein atemraubendes Tempo an den Tag legt. Kein Wunder, dass diese Spiele-Chips auch im derzeit schnellsten Supercomputer der Welt zum Einsatz kommen, dem Roadrunner von IBM. Beide Konsolen geben Grafik in voller HD-Auflösung von 1080p mit 1920 × 1080 Pixel aus, ein HD-Fernsehgerät mit HDMI-Anschluss sollte also vorhanden sein.

Die Xbox 360 ist mit ihrem Einstiegspreis von 180 Euro hoch subventioniert und geradezu ein Schnäppchen. Allerdings fehlen bei dieser besonders günstigen Variante die Festplatte und Wireless-Lan. Die Playstation 3 hingegen, die es von 350 Euro an gibt, bringt von Haus aus alles mit, was man für ein perfektes Multimedia-Erlebnis im Wohnzimmer benötigt, vor allem den eingebauten Bluray-Spieler für hochaufgelöste Filme. Dass beide DVDs und alle nur denkbaren Videoformate sowie MP3-Dateien wiedergeben, versteht sich von selbst. Auch lässt sich etliches Zubehör anschließen, beispielsweise ein für Autorennen stets empfehlenswertes Lenkrad.

Ein Blick auf die mobilen Konsolen für unterwegs

Während das Spielerlebnis auf beiden Konsolen die gleiche beeindruckende Qualität zeigt, ist die PS3 für alles darüber hinausgehende besser gerüstet. Sie ist zudem deutlich leiser als die Xbox 360, sofern man sie nicht in einem engen HiFi-Rack verstaut. Beide haben einen unverschämten Stromverbrauch (Xbox 360: bis 170 Watt, PS 3: bis 120 Watt), und die Xbox 360 kann im Betrieb sehr heiß werden, was bei vielen Geräten zum Schmelzen der Lötkontakte des Grafikchips führt. Im kommenden Jahr soll eine modifizierte Version mit eingebautem Netzteil, geringerer Stromaufnahme und leiserem Lüfter auf den Markt kommen. Bis nach Weihnachten zu warten kann also lohnenswert sein.

Abschließend noch ein Blick auf die mobilen Konsolen für unterwegs. Hier gilt die Maxime, dass pfiffige Ideen wichtiger sind als eine tolle 3D-Darstellung. So haben sich in erster Linie jene Geräte als Nachfolger des Gameboys durchgesetzt, die besonders viel Spaß bieten. Nintendos DS-Lite-Maschinchen (rund 140 Euro) kann weder mit einer opulenten Grafik noch mit viel Multimedia aufwarten, macht seinen technischen Rückstand aber mit gewitzten Abenteuern wett und liegt hinsichtlich des Spieleangebots und der Verkaufszahlen ziemlich weit vorn.

iPod-Touch als vollwertige Spielekonsole

Im Frühjahr kommt der Nachfolger DSi mit zwei Kameras, allerdings entfällt der Schacht für Gameboy-Advance-Spiele. Die Playstation Portable von Sony (ab 140 Euro) bietet eine ungemein leistungsfähige Hardware auf kleinstem Raum und eine verblüffend detailreiche Darstellung auf dem Mini-Display. Als Taschenkino gibt sie Filme von einer kleinen Mini-Diskette wieder, über ein Videokabel gelingt der Anschluss ans Fernsehgerät.

Sind neben spannenden Games auch Musik und Internetzugang gefragt, kommt vielleicht die neue iPod-Touch-Generation von Apple infrage. Von rund 220 Euro an erhält man nicht nur den MP3-Spieler, der bei Jugendlichen hoch im Kurs steht, sondern dank berührungsempfindlichem Bildschirm, Wireless-Lan und Bewegungssensor eine vollwertige Spielemaschine, für die in kürzester Zeit mehr als 1000 Titel programmiert wurden. Der Touch ist dünner, leichter und kleiner als die Konkurrenz von Nintendo und Sony, das Display indes höher auflösend und erheblich heller. Noch ist der „Apple Store“, in dem man die einzelnen Titel kauft (viele kostenlos, etliche schon für 79 Cent), noch etwas chaotisch organisiert. Aber die Anfänge sind erfolgversprechend.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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