07.03.2010 · Das exklusive Design-Handy als stilvolles Accessoire und Statussymbol hat sich bislang nicht durchgesetzt. Nun erreichte uns das erste Vertu-Handy zum Aufklappen, das Constellation Ayxta. Die hohe Verarbeitungsqualität ist einzigartig.
Von Michael SpehrDas exklusive Design-Handy als stilvolles Accessoire und Statussymbol hat sich bislang nicht durchgesetzt, wenn man einen Blick auf einschlägige Ebay-Auktionen wirft. Ein älteres Porsche-Telefon oder ein Nokia aus der 8800er-Reihe sind dort schon für 200 Euro im Abverkauf. Was unter Namen wie Prada, Hugo Boss, Dolce & Gabbana, Dior, Versace und Escada auf den Markt kommt, ist meist ein Gerät aus dem Standardportfolio großer Hersteller. Nur werden Gehäuse, Logo, Menüdesign und Verpackung ein bisschen aufgehübscht. Die besonders hohen Ansprüche an Design, Verarbeitungsqualität und Bedienung wurden bei vielen dieser Schmuckstücke indes nicht erfüllt.
Auch bei der Ausstattung ist ein gewisses Fingerspitzengefühl der Hersteller gefragt. Einerseits will man mit Design und Verarbeitungsqualität überzeugen. Andererseits hat aber niemand den Mut, sämtlichen Ballast der üblichen Funktionen über Bord zu werfen, und dann wird doch wieder viel hineingepackt. Die Nokia-Tochter Vertu geht in diesem Nischenmarkt ganz andere Wege: keine Massenware aus der Fabrik, sondern eine Handyproduktion in der Manufaktur, also Geräte, die von Hand zusammengesetzt und für die ausschließlich geprüfte, exklusive Komponenten verwendet werden.
Nun erreichte uns das erste Vertu-Handy zum Aufklappen, das Constellation Ayxta. Es ist deutlich kompakter als die bisher lieferbaren Modelle, man kann es in der Hosentasche tragen, ein zweites berührungsempfindliches Außendisplay zeigt nicht nur die aktuelle Uhrzeit, sondern auch verpasste Anrufe oder Nachrichten. Mit Maßen von 10×4,8×1,8 Zentimetern gefällt es uns deutlich besser als die Vertus in der klassischen Barrenform.
Feine Schrauben und die mit Leder bezogene Rückseite deuten den edlen Charakter des Vertu an, und die Materialien sind wie gehabt hochwertig; das Gerät wiegt sage und schreibe 175 Gramm.
Hypoallergenes Chirurgen-Edelstahl
Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt, und die beiden Anzeigen sowie die Abdeckung von Kamera und Blitz schützt Saphirkristall. Einzelne Elemente, etwa das Vertu-Emblem und die Hörermuschel, bestehen aus Keramik, und der Hersteller gibt an, dass allein die Veredlung dieses Materials hin zu einem Hochglanzfinish bei jedem Gerät zwei Arbeitstage in Anspruch nimmt. Für die Tastenauflage des Ayxta mit heller Tastatur hat Vertu hypoallergenen Chirurgen-Edelstahl gewählt. Die Beschriftung wird mit einem Laser mikroperforiert, so dass 575 Löcher mit einem Durchmesser von jeweils 0,3 Millimetern entstehen, die anschließend von Hand mit Kunstharz gefüllt und dann von hinten beleuchtet werden.
Für das erste klappbare Mobiltelefon von Vertu musste des Weiteren ein Scharniermechanismus neu entworfen werden; er wurde zum Patent angemeldet und besteht aus einem hochglanzpolierten Federgehäuse mit sichtbaren Rubinlagerungen. Ein Mechanismus aus Stahlfedern dämpft die Bewegung ab, bis das Telefon aufgeklappt ist. Beim Zusammenklappen sichern zwei Schnappriegel aus Edelstahl den Verschluss. Allein das Scharnier hat 23 Einzelkomponenten mit zwölf unterschiedlichen Materialien. Es soll extreme Hitze und Kälte vertragen sowie einen perfekten Staubschutz bieten. Das Zusammenspiel feiner Komponenten gefällt: Es gibt keine mechanischen Schwachpunkte wie bei anderen Luxus-Handys. Da kann man schon ins Schwärmen geraten.
Die Bedienung des Geräts ist einfach
Die Funktionen des Constellation Ayxta dürften den meisten Kunden vermutlich egal sein, es ist ein Schmuckstück, das mit seinem Design überzeugen muss. Jedoch hat Vertu hier einige Neuheiten eingebaut, die man in den bisherigen Modellreihen vergeblich sucht. Neu bei Vertu sind auch der integrierte GPS-Empfänger und die Nokia-Navigation „Karten“, die jedoch ungeachtet des hohen Kaufpreises von mindestens 5000 Euro extra zu bezahlen ist. Zusätzlich zu dem bekannten Concierge-Service von Vertu, der einem per Kurzwahl rund um die Uhr zur Verfügung steht - wenn man etwa kurzerhand einen Privatjet buchen will -, gibt es nun weitere Funktionen rund ums Reisen. Zum Beispiel „Vertu Select“ mit Städte-, Einkaufs- und Veranstaltungshinweisen in der Umgebung. „Vertu Travel“ bietet wie ganz ähnliche Apps für das iPhone oder den Palm Pre aktuelle Fluginformationen von 350 internationalen Gesellschaften. Ferner nutzt das Constellation Ayxta UMTS mit HSDPA und hat einen Speicherplatz für Micro-SD-Karten, der aber nur nach dem Entfernen des Akkus zugänglich ist. Die eingebaute Kamera mit LED-Blitz löst mit 3 Megapixel auf. Im Unterschied zu einigen älteren Vertu-Modellen fehlt allerdings Wireless Lan.
Die Bedienung des Geräts ist einfach. Das Menüsystem folgt weitgehend Nokias Serie-40-Modellen, hat aber eigens für Vertu entworfene Symbole, die atemraubend schön und fein gezeichnet sind. Da stimmt einfach jedes Detail. Eine Finesse ist die „atmende“ Leuchtdiode am unteren Gehäuserand, die einen verpassten Anruf oder eine ungelesene SMS zeigt. Auch die eigens für Vertu komponierten Melodien sind ein Genuss. Alles in allem ist auch dieses Vertu ein feinmechanisches Meisterstück. Das Design mag nicht jeden ansprechen. Geradezu provokativ ist die Variante mit pinkfarbenem Leder im Paris-Hilton-Look. Aber die hohe Verarbeitungsqualität ist einzigartig.