29.08.2007 · Beim Notebook-Kauf stehen sich oft Leistung und Mobilität unvereinbar gegenüber. Der Vergleich des opulenten Lenovo Thinkpad Z61p mit dem kompakten Vaio VGN-TZ 11 von Sony zeigt es: Beide Geräte-Typen haben ihre Vorteile und Tücken, auch in dieser gehobenen Preisklasse.
Von Michael SpehrVor uns stehen zwei Notebooks, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Das kleine Sony Vaio VGN-TZ 11 passt prima auf ein DIN-A4-Blatt, daneben erweist sich das Lenovo Thinkpad Z61p geradezu als Riese. Schon seine Anzeige ist größer als besagtes Papier. Damit ist auch gleich klar, an wen sich die Kandidaten in der Preisklasse von rund 2500 Euro richten. Das Lenovo soll den Desktop-PC ersetzen, das Sony dient als besonders kleines Sub-Notebook für den Einsatz unterwegs, wenn es auf jedes Gramm im Reisegepäck ankommt.
Des Vaios 1,2 Kilogramm passen nötigenfalls in den schmalen Aktenkoffer, da kann das Z61p mit etwas mehr als drei Kilo nicht mithalten. Auch das Design des Sony hat einen gewissen Charme, wie man ihn von Apple-Computern kennt. Wer diesen Winzling mit seinen klaren Linien sieht, ist sofort von ihm eingenommen. Das Lenovo hingegen ist an erster Stelle ein Arbeitsgerät, das mit Ausstattung und technischen Daten überzeugen will. Und mit seiner Robustheit: Die Scharniere des Displays sind aus Metall gefertigt, und beim Zuklappen schnappen zwei Verschlusshaken ein.
Design über Funktion beim Vaio
Das Sony hingegen hat eine hauchdünne (vier Millimeter) Displayeinheit, die alles andere als verwindungssteif ist und bei Bahnfahrten auf dem Tischchen zittert wie ein Lämmerschwanz. Auch die Displayscharniere hinterlassen keinen soliden Eindruck, und der Akku ist - ein typisches Sony-Problem - sehr wackelig am hinteren unteren Gehäuserand angesteckt. Und dann die Abdeckung über den Anschlüssen für Lan, Modem und Firewire: Sie wirkt billig und wird nur mit einem filigranen Kunststoffband gehalten. Das Display mit einer für den Reiseeinsatz hinreichenden Auflösung von 1366 × 768 Pixel spiegelt stark, ist aber recht hell.
Die Tastatur entwarfen Designer, keine Vielschreiber: Die einzelnen Tasten haben durchgängig einen Zwischenraum von zwei Millimetern. Das ist für flinke Texteingaben alles andere als optimal. Man vertippt sich öfter und muss sich an diese Eigenheit gewöhnen. Beim Z61p ist die Tastatur deutlich besser, aber nicht so gut wie bei anderen Lenovo-Modellen. Die riesige Anzeige gibt 1920 × 1200 Pixel wieder, hat also mehr Auflösung als mancher Schreibtischmonitor. Excel-Tabellen lassen sich in voller Breite genießen, und zudem spiegelt das Display kaum. Allerdings ist die Darstellungsdichte ungewöhnlich hoch: Windows-Systemschriften und Icons sind sehr klein. Wie schön, dass es in vielen Programmen einen Zoom gibt.
Ordentliche Ausstattung beim Lenovo
Zwei Lautsprecher links und rechts der Tastatur sorgen für hinreichende Beschallung, das Laufwerk brennt auch DVDs, und an Anschlüssen und Ausstattung mangelt es nicht. Lan, Modem und Firewire hat das Lenovo, dreimal USB, Bluetooth, Infrarot, ferner ein Laufwerk für Secure-Digital-Speicherkarten sowie Express- und PC-Card, beispielsweise für eine UMTS-Karte. Neben dem Touchpad als Mausersatz gibt es auch den Trackpoint-Knubbel in der Tastatur sowie drei zusätzliche Maustasten unterhalb der schmalen Leertaste. Wer eine herkömmliche Maus anschließen will, wird mit dem passenden Anschluss ebenfalls bedient. Unser Gerät kam mit Windows Vista (wir würden eher XP nehmen) und hatte 2 Gigabyte Arbeitsspeicher sowie eine Sata-Festplatte, deren Kapazität der Hersteller mit 100 Gigabyte angibt. Real sind nur 93,5 Gigabyte vorhanden, und davon wiederum 18 Gigabyte von Betriebssystem und Zubehör belegt. Als Prozessor kommt ein schneller Core-2-Duo mit maximaler Taktfrequenz von 2 Gigahertz zum Einsatz (T7200), der Vista-Leistungsindex gibt die Note 4,2, ein ordentlicher Wert.
Beim Vaio, ebenfalls mit Vista bestückt, fällt die Ausstattung bescheidener aus. Der Intel-Doppelkernprozessor U7500 hat eine Taktfrequenz von 1,06 Gigahertz, kann auf 2 Gigabyte Speicher zurückgreifen, und die Festplatte von Toshiba hat ebenfalls nominell 100 Gigabyte (tatsächlich: 92, frei 85 Gigabyte). Wir zählten zwei USB-Anschlüsse, Bluetooth, einmal Firewire, Lan und Modem sowie einen Express-Card-Schacht und ein Laufwerk, um Secure-Digital-Karten zu lesen. Der Leistungsindex weist nur die Note 2,0 aus.
Lärm bei Lenovo, miese Verarbeitung bei Sony
Beide Notebooks lassen sich an eine Docking Station anschließen und nutzen einen Fingerabdruck-Scanner als biometrische Zugangskontrolle. Als Gimmick haben die Geräte eine kleine Web-Kamera am oberen Bildschirmrand eingebaut, und der Lenovo hat ebendort zusätzlich ein Lämpchen zwecks Tastaturbeleuchtung. Bei beiden sind Vista-Festplatte und Lüfter nahezu ständig aktiv (im Stromsparmodus etwas weniger). Die Akku-Betriebszeit liegt bei jeweils zwei bis drei Stunden. Das Vaio ist etwas leiser, erwärmt sich jedoch an der Gehäuseunterseite auf bis zu 40 Grad. Die Geräuschentwicklung des Lenovo ist für eine ruhige Büroumgebung inakzeptabel. Beim Sony wiederum muss man nach dem Kauf zunächst aufräumen: Das Gerät ist zugemüllt mit Demo-Software aller Art, wir benötigten für diese Prozedur mehr als zwei Stunden. Überhaupt würden wir grundsätzlich empfehlen, als Betriebssystem nicht Vista, sondern XP aufzuspielen, das mit den vorhandenen Ressourcen deutlich sparsamer umgeht.
Alles in allem haben beide Geräte kleine Tücken: Der Thinkpad kann zwar mit seinen technischen Daten überzeugen, ist aber wegen Größe und Gewicht nur für den gelegentlichen Transport geeignet. Als Ersatz des Desktop-PCs im Büro ist er für empfindliche Ohren zu laut. Das Vaio ist in erster Linie schön. Soll es als Schreibmaschine unterwegs dienen, ärgert man sich über die Tastatur und das spiegelnde Display, das sich draußen nur bei höchster Helligkeitsstufe ablesen lässt. Die Verarbeitungsqualität ist für ein Gerät dieser Preisklasse unangemessen. Wenn man aktuellen Kundenbefragungen folgt, steht Sony beim Notebook-Service und -Support auf einem der letzten Plätze. Auch das spricht gegen das Vaio.
Sinnvoll?
Jacob Palczynski (palle_czynski)
- 29.08.2007, 11:31 Uhr
Ganz ohne Vista...
Alex Keller (Alexupery)
- 29.08.2007, 12:45 Uhr