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Unterhaltungselektronik Der neue Spaß an der digitalen Welt

07.03.2005 ·  Egal ob beim Handy, der Digitalkamera oder dem Fernseher - die Cebit steht ganz im Zeichen der Unterhaltung. Was vor wenigen Jahren noch für Aufruhr sorgte, ist heute Kult: Autorennen in der Messehalle.

Von Michael Spehr
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Von Donnerstag an steht Hannover im Zeichen der Cebit. Für die wichtigste und größte Messe rund um alles Elektronische haben sich rund 6100 Unternehmen aus mehr als 60 Ländern angemeldet, ebenso viele wie im Vorjahr.

Der Abwärtstrend ist also gestoppt. Seit 2001 ging die Zahl der Aussteller von damals 8500 kontinuierlich zurück. Die Veranstaltung soll nun besucherfreundlicher werden, sagt die veranstaltende Deutsche Messe AG, und deshalb sind die Themenbereiche in diesem Jahr wegen der großen Zahl ausländischer Besucher vollständig in englischer Sprache gehalten: Business Processes, Communications und Digital Equipment and Systems heißen die Leitbegriffe 2005.

Kult-Rennspiel und Sportspiele

Blickt man aus der Vogelperspektive auf das Geschehen in den 27 Messehallen, sticht sofort das starke Wachstum der Unterhaltungselektronik ins Auge. Während noch vor einigen Jahren Sony seine Playstation-Spielekonsolen vom Messegelände entfernen mußte, ist nun das Feld für Unterhaltung und Spaß weit geöffnet.

Samsung veranstaltet einen Wettbewerb für elektronische Sportspiele, und Sony kann sein Kult-Rennspiel Gran Turismo 4 zeigen. Moderne Flachbildschirme wird man bei Sharp und anderen mit riesigen Bilddiagonalen bewundern können.

Fernsehbilder knackig und scharf

Sony setzt ganz auf das hochauflösende Fernsehen, den neuen Standard HDTV. Wer das noch nie gesehen hat, wird in Hannover bei eindrucksvollen Vorführungen staunen: Fernsehbilder knackig und scharf mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Punkten muß man nur einmal erlebt haben, um davon sofort überzeugt zu sein. Die Vorzüge von HDTV sind bestechend.

Man sieht kleinste Details und Strukturen, das Bild wirkt feiner und präziser. Hochauflösender Film ist weitaus besser, detailreicher als DVD, und so wundert kaum, daß sich viele Gespräche auf der Cebit um den Nachfolger der DVD drehen. Die Blu-ray-Disc mit einer Speicherkapazität von riesigen 25 Gigabyte und die HD-DVD mit 15 bis 20 Gigabyte stehen schon in den Startlöchern. Beide verwenden einen blauen Laser zum Lesen der hochempfindlichen Scheiben. Zum Jahresende sind in Europa die ersten Produkte im Handel.

Der Wettlauf um mehr Pixel hat ein Ende

Auch in der Digitalfotografie geht es um mehr Speicher: Die Tendenz zu einer immer höheren Auflösung der Kameras findet indes 2005 ein Ende. Zwar zeigt Canon seine EOS 350 D als Spiegelreflexkamera für Einsteiger mit einer Auflösung von 8 Millionen Pixel. Und dann statten die Japaner auch noch ihr kleines Ixus-Modell für die Hemdentasche mit 7 Millionen Pixel aus.

Daß aber der Wettlauf um immer mehr Bildpunkte in diesem Jahr ungebremst weitergeht, ist nicht anzunehmen. Für gute Fotos sind schon 5 Millionen Pixel allemal ausreichend, und selbst die Profi-Fotografen am Rande eines Fußballfelds oder auf der Pressekonferenz nutzen kaum mehr als 8 Millionen.

Verschmelzung von Foto- und Videokamera

Nun sind pfiffige Ideen gefragt, wenn die Fotobranche in Zukunft weiteres Wachstum generieren will. Vielleicht ist die Verschmelzung von Foto- und Videokamera der richtige Weg. Zwitter wie die Sanyo Xacti C4 und die Everio GZ-MC 200 von JVC vereinen beide Techniken in einem Gehäuse.

Film und Bild werden auf kleinen Speicherkarten aufgezeichnet, das lästige Spulen der Mini-DV-Kassette ist entbehrlich. In der Filmabteilung wird die Aufnahme gleich nach MPEG 2 oder 4 komprimiert. So passen beispielsweise bei JVC bis zu 60 Minuten Video auf das 4-Gigabyte-Microdrive-Laufwerk. Beide Geräte sind ungewöhnlich klein.

Schon für einen Euro

Natürlich ist die Cebit auch in diesem Jahr in ihren altbewährten Bereichen gut vertreten. Wie in den vergangenen Jahren ist UMTS ein großes Thema. Nun sind die Handys für die dritte Generation des Mobilfunks im Handel.

Schon für einen Euro verkauft Vodafone viele UMTS-Produkte mit dem Vorzug der schnellen Datenschaufelei und Videotelefonie. Für das normale Gespräch bringt die Technik keine Verbesserungen.

Signal aus dem All

Neu auf der Cebit sind Geräte mit A-GPS, dem verbesserten Satellitensystem. Das Signal aus dem All dient zur Ortung und Navigation. Diesen Komfort im Straßenverkehr gibt es nicht nur für Autofahrer, sondern zunehmend auch für Fußgänger und Radfahrer.

Ein Handy mit GPS und passender Software kann ohne zusätzliche Hardware zum elektronischen Kopilot werden. Das A1000 von Motorola soll beispielsweise mit A-GPS ausgerüstet sein.

"Voice over IP"

UMTS für zu Hause ist bei Vodafone und O2 zu bewundern. Mit dem schnellen Mobilfunk kann man dann endlich auf den Festnetzanschluß der Telekom mit seiner hohen monatlichen Grundgebühr verzichten. Sprach- und Datenübertragung laufen über UMTS, herkömmliche Geräte finden mit einem Adapter den Anschluß an die Zukunft.

Attraktiv ist diese Idee vor allem für Studenten und Singles, die nur ein Telefon brauchen, mobil sind und der Technik gegenüber aufgeschlossen. Diese Zielgruppe wird auch von der Internettelefonie angesprochen. "Voice over IP": Sprache über das Netz verschicken, das ist total modern. Siemens präsentiert dafür das passende Schnurlos-W-Lan-Telefon S35. Wie Marktführer Skype zeigt, ist Internettelefonie einfach und macht viel Spaß. Die Akustik ist sogar besser als bei herkömmlichen Telefonaten.

Ein Wirrwarr der Formate

Das Handy von morgen ist natürlich ebenfalls auf der Cebit. Es hat viel Speicherplatz für die eigene Musik und natürlich eine Kamera für private Fotos eingebaut. Zwei, drei oder fünf Millionen Pixel werden die fototauglichen Mobiltelefone bis zum Ende des Jahres erreichen.

Beim Musik- und Fotospeicher tobt derzeit ein Wirrwarr der Formate: Die Mini-SD-Karte ist die Winz-Ausführung der Secure-Digital-Karte und wird von Sharp und Panasonic unterstützt. Motorola setzt auf T-Flash, ein noch kleineres Speichermodul, während Nokia die RS-MMC einsetzt, die Multimediakarte in reduzierter Bauform (reduced size).

Ein elektronisches Schweizer Taschenmesser

Mit dem stets wachsenden Speicher entwickelt sich das Telefonieren zur Nebensache. Hauptberuflich wird das Handy ein elektronisches Schweizer Taschenmesser, mit dem man alle nur denkbaren Dinge erledigt: Von der E-Mail-Abfrage über das Musikhören bis hin zum Fotografieren und Filmen.

Man wird seine privaten Dateien im Handy speichern und auf einem großen Display schnell ins Internet gehen. Nokia zeigt so etwas mit dem 7710, das von Mitte März an im Handel ist, und bei Vodafone gibt es den ähnlich konstruierten VPA IV zu sehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. März 2005
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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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