05.05.2010 · Der Einsatz des Handys als Modem funktioniert nicht immer. Doch pfiffige Software spannt ein kleines W-Lan-Netz auf und umgeht das Problem. Der Palm Pre bietet die beste Lösung mitsamt sicherer WPA-Verschlüsselung.
Von Michael SpehrEin leidiges Thema seit den Anfangszeiten des Mobilfunks: Wie kommt man unterwegs ins Internet? Beim Notebook ist mittlerweile die UMTS-Karte oder der USB-Stick mit UMTS-Modul weit verbreitet. Aber wie bringt man beispielsweise einen iPod Touch oder ein justament in Amerika erworbenes iPad ins Netz? Beide haben keine USB-Anschlüsse. Bei Apples neuem Verkaufshit hat man die Qual der Wahl zwischen zwei Ausstattungsvarianten: Eine kleine mit Wireless-Lan und eine größere, teurere mit zusätzlichem Mobilfunkmodul, die allerdings auch in den Vereinigten Staaten noch nicht lieferbar ist. Vor lauter Begeisterung übersehen die meisten Interessenten, dass Apple beim iPad einige geradezu hundsgemeine Schikanen eingebaut hat. Zwar gehört Bluetooth zur Serienausstattung beider Varianten. Was jedoch bei jedem Notebook im Zusammenspiel mit jedem besseren Handy kinderleicht ist, funktioniert hier nicht: der Einsatz des Telefons als UMTS-Modem.
Dieses „Tethering“ hat Apple absichtlich gesperrt. Man soll für den mobilen Einsatz das teurere 3G-iPad kaufen. Auch hier liegt die Tücke im Detail, denn das iPad ist das erste Gerät, das keine gewöhnliche Sim-Karte verwendet, sondern eine „Micro Sim“. Sie unterscheidet sich vom herkömmlichen Modul darin, dass die umgebende Kunststoff-Fläche verringert wurde, Chip-Größe und -Technik sind identisch. Misst die Sim-Karte 15 × 25 Millimeter, bringt es die Micro Sim auf lediglich 12 × 15 Millimeter. Dass mit dem neuen Format irgendwelche Vorteile einhergehen, ist nicht ersichtlich. Es soll vielmehr verhindert werden, dass der iPad-Kunde seine Sim-Karte aus dem Handy in der Wunder-Flunder nutzt. Also möge er bitte einen neuen Datenvertrag mit Micro-Sim-Karte abschließen. Ein schönes Geschenk von Apple an die Netzbetreiber.
Die Mobilfunkabteilung stellt den Kontakt zum Internet her
Wer sich solchen Zumutungen nicht aussetzen möchte, entdeckt vielleicht das eine oder andere Hintertürchen. Man macht zum Beispiel aus seinem Handy einen Hotspot für Wireless-Lan. Die Mobilfunkabteilung stellt den Kontakt zum Internet her, und das Wireless-Lan-Modul reicht die Daten weiter an externe Geräte. Wir haben einige Programme gefunden, die hilfreich sind. Für ein „freies“ iPhone mit „Jailbreak“ kann man sich über den alternativen „App Store“ namens Cydia die Software PDA Net laden, die Demoversion läuft zwei Wochen. Der große Nachteil dieses Pakets: Das W-Lan-Routing geht nur über eine Ad-hoc-Verbindung unter Windows, Mac OS X und Linux. Einen iPod Touch oder das iPad bekamen wir damit nicht ins Netz. Ebenfalls unbefriedigend: Die Software „My Wi“, die bei uns mehr schlecht als recht lief.
Eine ähnliche Idee verfolgt die finnische Software Joiku Spot für viele Nokia- und Samsung-Handys mit Symbian-Betriebssystem. Eine Probeversion steht gratis bereit, die Vollversion kostet neun Euro. Das Programm beherrscht nur die ältere, unsichere WEP-Verschlüsselung und liefert keine Informationen über das übertragene Datenvolumen. Zudem beginnt bei der Light-Version jede Verbindung mit einem Umweg auf die Startseite des Herstellers. Für Smartphones mit Windows Mobile-Betriebssystem oder Symbian bietet der amerikanische Hersteller Taproot sein (schon etwas älteres) Programm Walking Hotspot an. Es kostet 25 Dollar und beherrscht ebenfalls nicht die WPA-Verschlüsselung.
Unentgeltlich im „App Catalog“
Rundum überzeugend ist der Palm Mobile Hotspot, der auf dem Palm und Pixi sowie deren Plus-Varianten läuft. Die Software steht unentgeltlich im „App Catalog“ bereit. Seit kurzer Zeit für jedermann, zuvor nur für jene Palm-Kunden in Deutschland, die ihr Gerät mit einer O2-Sim-Karte in Betrieb genommen haben. Die Installation ist einfach, man muss nur einen WPA-Schlüssel eingeben (oder kann auch ein offenes Netz einrichten). Anschließend ist der Hotspot aktiv. Mit dem ins Netz zu bringenden Gerät startet man eine W-Lan-Suche und bucht sich ein. Die angeschlossenen Gäste zeigt der Palm auf seinem Display, und die Reichweite dieses W-Lan-Hotspots beträgt etliche Meter. Wir haben die Software mit etlichen Geräten ausprobiert - und waren immer wieder begeistert.
Im Büro konnten wir mit dem UMTS-Turbo HSDPA auf einem angedockten Notebook surfen, die Datenrate lag bei 2 MBit/s, also durchweg auf DSL-Niveau. Der Akku des Palm Pre hielt dabei zwei bis drei Stunden durch. Wie flott die W-Lan-Gäste ins Internet kommen, hängt natürlich davon ab, was das Mobilfunknetz am jeweiligen Einsatzort hergibt. Auf dem Land mit Edge und etwas mehr als 200 KBit/s hält sich der Surf-Spaß erwartungsgemäß in Grenzen. Insgesamt macht aber der Palm Hotspot einen hervorragenden Eindruck. Schade nur, dass ein Datenzähler fehlt, denn in den mobilen Netzen gilt natürlich: Nichts ist umsonst, und die Netzbetreiber lassen sich wie gehabt jedes Bit vergolden.
Exotische Hardware
Und schließlich noch der Hinweis auf eine exotische Hardware: ein akkubetriebener W-Lan-Router mit UMTS-Modul. Solche Produkte sind bislang Mangelware. In Großbritannien bieten jedoch einige Netzbetreiber den Huawei E5 zu Preisen von etwa 90 Euro an. Er firmiert auch unter den Namen MiFi oder i-Mo. Dabei handelt es sich um einen kleinen Plastikknochen mit Sim-Kartenleser, eingebauter Firewall, DHCP-Server und natürlich Wireless-Lan.
Der Akku soll im Dauerbetrieb drei bis vier Stunden durchhalten, und es lassen sich bis zu fünf W-Lan-Geräte anschließen. Die Verschlüsselung mit WPA2 schützt vor ungebetenen Surf-Gästen. Das Gerät wird erstmalig unter Windows in Betrieb genommen, man muss für seine deutsche Sim-Karte ein neues Internet-Profil anlegen. Danach arbeitet das Modul unabhängig vom PC, fünf Leuchtdioden geben Auskunft über den aktuellen Status.