Murat ist verwirrt. Neue Angebote soll es geben bei der Telekom? Alles in einem: DSL-Flatrate, Festnetz-Flatrate und Mobilfunkvertrag. Wer den Einheitstarif abschließt, bekommt Rabatt. „Wo haben Sie das denn gelesen, in der ,Bild'-Zeitung?“
Murat arbeitet im T-Punkt, aber er hat wenig Ahnung. Erst nach langem Betteln und Beharren kramt er eine eingeschweißte Plastikkarte hervor, auf der zumindest die neuen DSL- und Festnetztarife vermerkt sind. Daß man sie im Paket mit einem Mobilfunkvertrag kaufen kann, weiß er nicht. Einen monatlichen Gesamtpreis kann er schon gar nicht nennen.
Neue „Tarifwelt“ kommt, Verwirrung bleibt
Bei Murat ist die neue Offensive der Telekom noch nicht angekommen. „Eine deutlich vereinfachte Tarifwelt“ hat sein oberster Chef, Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke, auf der Funkausstellung (IFA) angekündigt. Das solle geschehen durch „kundenorientierte Bündeltarife“ aus Internet, Festnetz und Mobilfunk. Nicht mehr den Festnetzanschluß bei der T-Com, das DSL von 1&1 und den Handyvertrag bei O2, sondern alles bei einem Anbieter - mit einem Ansprechpartner, einer Hotline, einer Rechnung?
Zu früh gefreut. Wer genau hinsieht, merkt: Die große Mutter Telekom hat es nicht geschafft, ihre Töchter unter einen Hut zu bringen. Es gibt zwar einen Gesamtpreis für das Dreierpaket, aber zwei Hotlines und zwei Rechnungen. Eine von der T-Com für Festnetz und DSL, eine von T-Mobile für das Handy. Bei der Telekom bleibt also alles wie bisher. Der Kunde ist genauso verwirrt wie der Verkäufer.
Ein Preis, eine Rechnung, eine Hotline
Hinbekommen haben es mal wieder die anderen. O2 und Vodafone verkündeten, daß sie jetzt ins DSL-Geschäft einsteigen: O2 gemeinsam mit Telefonica Deutschland, Vodafone mit Arcor. Beide Unternehmen bieten nun das Paket an, von dem jeder Kunde träumt, der sich nicht mehr durch den verwirrenden Tarifdschungel schlagen will: DSL- und Telefon-Flatrate plus Mobilfunkvertrag. Und sie schaffen es wirklich: ein Preis, eine Rechnung, eine Hotline. Endlich.
Doch lohnt sich die Anschaffung? Drei aus einer Hand ist praktisch, doch es führt nicht unbedingt zum günstigsten Angebot. Weiterhin gilt: Wer verschiedene Anbieter wählt, kann sparen. So gibt es bei Versatel derzeit ein Angebot für einen DSL-Anschluß samt Telefon und Internet-Flatrate, das im ersten Jahr bloß 35 Euro pro Monat kostet, im zweiten Vertragsjahr 45 Euro pro Monat. Wer sich ein Dreierpack bei O2, Vodafone oder der Telekom anschafft, zahlt für das gleiche zwischen 44 und 50 Euro im Monat. Dazu kommen die Kosten für den kombinierten Handytarif, die sehr unterschiedlich aussehen können (Beispielrechnung: siehe Infografik).
Technologien unterscheiden sich
Wer trotzdem alles aus einer Hand wünscht, der sollte die Preise der drei Pakete gut vergleichen. O2 macht ein preiswertes und leichtverständliches Angebot. Jedoch steigt der Partner Telefonica gerade erst ins Geschäft mit Privatkunden ein, da ist es unsicher, ob Organisation und Service gleich reibungslos funktionieren. Auch die Telekom ist erstaunlich günstig. Allerdings muß man weiterhin für jedes Extra gesondert bezahlen, und es gibt zwei Rechnungen und zwei Hotlines. Das Dreierpaket von Vodafone ist etwas teurer, dafür aber auch das einzige, das sofort verfügbar ist.
Abgesehen vom Preis, unterscheiden sich die Angebote vor allem über die Technologie, mit der zu Hause telefoniert wird. Bei O2 geht das über das Internet per „Voice over IP“. Bei Vodafone telefoniert man daheim mit dem Handy in einer Zu Hause-Zone. Bei der Telekom bleibt man beim Festnetz. Daraus ergeben sich praktische Unterschiede. So ist nur bei der Telekom Call-by-Call möglich. Wer also häufig ins Ausland oder in Mobilfunknetze telefoniert, sollte bei der Telekom bleiben.
Nicht unbedingt billiger, aber einfacher
Für Familien oder Wohngemeinschaften, die mehrere Telefonnummern benötigen, lohnt sich dagegen O2. Hier sind bis zu vier Telefonnummern inklusive, ISDN-Anlage und Fax anschließbar. Bei der Telekom kostet ein ISDN-Anschluß mit zwei Rufnummern vier Euro extra im Monat. Bei Vodafone gibt es ein zusätzliches Telefon für daheim für fünf Euro im Monat.
Letztlich wird es also nicht unbedingt billiger durch die Dreierpakete, aber vielleicht einfacher. Ob das wirklich klappt, hängt vor allem von der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden ab. Zumindest Murat im T-Punkt bräuchte dringend noch eine Schulung.
Gibt es die Angebote in meinem Wohnort?
DSL gibt es nicht überall. Die Telekom erreicht mit ihrem Angebot rund 92 Prozent der deutschen Haushalte, Vodafone 50 Prozent der Bevölkerung, O2 lediglich 40 Prozent.
Lohnt sich für mich überhaupt eine Flatrate für Telefon und DSL?
Eine Doppel-Flatrate lohnt sich auf jeden Fall, wenn Ihre monatliche Rechnung für Telefon und Internet höher als 50 Euro ist.
Telefoniere ich oft von zu Hause ins Ausland oder in Mobilnetze?
In den Flatrates von O2 und Vodafone sind Gespräche ins eigene Mobilfunknetz enthalten, bei der Telekom nicht. Für Auslandsgespräche und Gespräche in andere Mobilfunknetze ist immer noch Call-by-Call die beste Option. Und das ist nur mit einem Anschluß der Telekom möglich.
Bei welchem Anbieter habe ich bisher meinen Mobilfunkvertrag?
Es bietet sich an, den Telefon-DSL-Vertrag bei Ihrem jetzigen Mobilfunkanbieter abzuschließen. So können je nach Anbieter Vergünstigungen von zwei bis sechs Euro pro Monat drin sein. Wollen Sie den Anbieter wechseln, müssen Sie genau schauen, wann Ihr jetziger Vertrag ausläuft.
An den Bedürfnissen vorbei.
Michael Krause (MFK1)
- 05.09.2006, 11:54 Uhr
Zustimmung zu Herrn Krause - Steinzeit Deutschland
Jürgen Rieger (Riegerparis)
- 05.09.2006, 14:31 Uhr
Telefondienste
Jörg A. Bahnemann (J.A.Bahnemann)
- 06.09.2006, 15:03 Uhr