Anfangs war alles gut: Als vor zehn Jahren die ersten Taschencomputer auf den Markt kamen, dachten ihre Erfinder an ein mobiles elektronisches Notizbuch. Termine und Adressen sollte man mit kleinen, flachen Geräten für die Hemdentasche schnell erfassen und abrufen können. Mittlerweile sind aus den Taschencomputern kleine Alleskönner geworden. Immer mehr Funktionen kommen hinzu. Der erste Schritt war die Aufrüstung des Pocket PC mit einem Mobilfunkmodul. So konnte man unterwegs seine E-Mail abholen oder ins Internet gehen. Dann kam Wireless-Lan für eine schnelle Netzverbindung zu Hause oder im "Hotspot" unterwegs. Und das Wettrüsten geht weiter. Wir haben uns zwei aktuelle Top-Produkte angesehen.
Beide Kandidaten haben eine Bauform, die aus dem Pocket-PC-Einerlei herausfällt. Der Ipaq Hw 6500 von Hewlett Packard (700 Euro) hat ein deutlich kleineres Display als seine Kollegen, dafür aber eine Mini-Tastatur unterhalb der Anzeige. Der MDA Pro von T-Mobile (Preis noch nicht bekannt) wird wie ein kleines Notebook im Querformat aufgeklappt, hier ist dann ebenfalls eine Tastatur sichtbar. Das Display läßt sich um die Hochachse drehen, so daß die Anzeige dann nach außen weist. Praktischerweise läßt sich die Darstellung zwischen Hoch- und Querformat umschalten. Mit 283 Gramm und Maßen von 8x13x2 Zentimeter ist der MDA Pro definitiv nichts mehr für die Hemdentasche. Demgegenüber wirkt der Ipaq mit 7x11,5x2 Zentimeter und einem Gewicht von 180 Gramm wie ein Hungerhaken.
Navi ohne Antenne
Der HP nutzt das ältere Pocket-PC-Betriebssystem 2003, und zum Telefonieren gibt es ein paar Zusatzprogramme, mit deren Hilfe man beispielsweise SMS verfassen kann. Ins Internet oder zur E-Mail kommt man mit GPRS, dem Datenturbo für die bestehenden Mobilfunknetze. Das alles können andere Pocket PCs mit Telefonmodul auch. Innovativ ist neben der Mini-Tastatur der integrierte GPS-Empfänger mitsamt Tomtom-Navigationssoftware. Pocket PCs mit GPS gibt es ebenfalls schon, aber hier ist das Empfangsmodul unsichtbar im hinteren oberen Gehäusedrittel verstaut. Man muß also keine Antenne aufklappen. Das alles hört sich ziemlich gut an, aber die Tücke liegt im Detail. Zunächst stellt man bei der Inbetriebnahme der Navi-Software fest, daß das unabdingbare Kartenmaterial fehlt. Man kann im Internet gratis eine Karte nachladen, aber nur eine Stadtkarte. Die erforderliche Deutschland-Karte muß zusätzlich gekauft werden. Die Tomtom-Software arbeitet ordentlich, wenn man von den Sprachkommandos einmal absieht. Für den Radfahrer oder Fußgänger ist das Programm übrigens nicht geeignet, findet es doch keine kurzen Wege durch Fußgängerzonen oder entgegen der Fahrtrichtung in Einbahnstraßen. Die zweite Schwäche ist der GPS-Empfänger selbst. Besonders empfindlich ist er nämlich nicht, und das bedeutet für den Autofahrer, daß er immer wieder mit Aussetzern bei der Führung rechnen muß.
Viele Inhalte
Nach dem Flachmann nun das Dickschiff: Der MDA Pro ist das Spitzenmodell von T-Mobile, ein richtiger Brocken, und das betrifft nicht nur das Äußere, sondern auch die inneren Werte. Es ist ein Mini-Notebook mit UMTS und Videotelefonie, kann also unterwegs mit hohem Tempo Daten aus dem Netz holen oder das Gegenüber beim Plaudern auch sehen. Zwei Kameras sind zu diesem Zweck eingebaut, und die bessere von beiden löst wie beim HP mit 1,3 Megapixel auf. Auch alle anderen Details stimmen. Das ausgezeichnete Display hat eine VGA-Auflösung mit 640 x 480 Punkten auf einer Fläche von 7,2 x 5,5 Millimeter. Damit lassen sich Internetseiten oder Word-Dokumente sehr ordentlich lesen, zumal im Querformat. Wer zu Hause oder am Flughafen seine Nachrichten abfragt, freut sich über das eingebaute Wireless-Lan, das günstig und schnell die Verbindung ins Internet herstellt. Ältere Kommunikationstechniken wie Bluetooth und Infrarot sind ebenfalls dabei, ein Wireless-Manager übernimmt die zentrale Steuerung.
Word und Exel inklusive
Mit den leicht nach oben gewölbten Tasten kann man im Zweifingersystem hinreichend schnell tippen - nicht nur E-Mails, sondern auch mit Word oder Excel in der "Mobile"-Version. Als Betriebssystem des MDA Pro kommt das ganz neue Windows Mobile 5 zum Einsatz. Die Vorzüge gegenüber dem älteren Betriebssystem 2003 sieht man erst auf den zweiten Blick. Geblieben ist manches komplizierte Detail, etwa der Wechsel von einem Wireless-Lan-Netzwerk zu Hause zum UMTS-Datenabruf im Büro. Wer es beim Pocket PC genau wissen und alles richtig machen will, wird in manche Falle stolpern. Indes ist der MDA Pro ein Mini-Computer, der für viele mobile Menschen das Notebook überflüssig machen wird. UMTS bot auf unserem Vorseriengerät noch nicht das Tempo, das wir uns eigentlich versprochen hatten. Überhaupt muß man sich von dem Gedanken verabschieden, daß der neue Mobilfunkstandard auf Kleingeräten das Tempo bringt, das man vom Notebook mit UMTS-Karte gewöhnt ist. Die Soft- und Hardware aktueller Handys und Taschencomputer mit UMTS setzt hier noch Grenzen.
Die beiden ungewöhnlichen Pocket PCs haben eins gemeinsam: Mit der Winz-Tastatur wird das Schreiben von SMS oder kurzen E-Mails deutlich einfacher. Die Stiftbedienung beschränkt sich auf den Aufruf von Programmen und Menüs. Das dürfte der Weg in die Zukunft sein. Der schwere MDA Pro richtet sich an den Profi, der kleine Alleskönner von HP an jedermann. Hier muß der Hersteller indes bei GPS-Empfänger und Software noch nacharbeiten.