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Veröffentlicht: 20.04.2017, 15:41 Uhr

Tablet S3 von Samsung im Test Es liegt in ihren Händen

Das Tablet wird von riesigen Smartphones und flachen Notebooks gleichermaßen bedroht. Wie bewährt sich das neue Tab S3 von Samsung in diesem Spannungsfeld?

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© Hersteller Neues Tablet von Samsung: das Tab S3

Wer braucht noch ein Tablet? Die Absatzzahlen gehen seit drei Jahren zurück. Besitzer eines flachen und leichten Notebooks mit berührungsempfindlichem Bildschirm brauchen keines. Außerdem haben sie eine vollwertige Tastatur dabei. Die Nutzer eines älteren Tablets werden ebenfalls die Notwendigkeit eines neuen Gerätes bezweifeln. Wie und wen wollen die Hersteller in Zukunft fangen?

Marco Dettweiler Folgen:

Samsung versucht es mit dem neuen Galaxy Tab S3. Die Koreaner positionieren es als direkten Rivalen des iPad Pro aus der Applewelt. Es ist in jeder Hinsicht ein Gerät der Oberklasse. Die Preise beginnen in beiden Fällen bei 680 Euro. Bei beiden Herstellern lässt sich die Rechnung erhöhen, wenn zusätzlich eine Schutzhülle oder Tastatur gekauft werden.

45964057 9,7 Zoll großer Super-Amoled-Bildschirm mit einer Auflösung von 2048 × 1536 Pixel © Hersteller Bilderstrecke 

Doch ein Tablet ist ein Tablet. Deswegen muss das Tab S3 unser Ausprobieren ohne Schutzhülle und Tastatur bestehen. Nur der Stift ist immer dabei; er gehört zur Serienausstattung. Der S Pen ist in seiner Kernfunktionalität ein Arbeitswerkzeug. Sein Einsatz entlastet zunächst die typische Handhaltung, bei welcher der Zeigefinger gestreckt ist. Trickreicher wird es in Programmen wie Mail oder Kalender. Nähert sich die Spitze einer Mail im Posteingang, öffnet sich ein schmales Menü, in dem kleine Schaltflächen etwa fürs Weiterleiten oder Löschen auftauchen.

Im Alltag erleichtert diese Funktion den Umgang mit der E-Mail. Ebenfalls produktiv wirken die Befehle des S Pen auf oberster Ebene: Notiz erstellen, Screenshot erstellen oder übersetzen. Und natürlich ist der S Pen in der App Samsung Note zu Hause, wo Notizen mit der Hand geschrieben werden sollen. Wer den Stift beim Note 7 mochte, wird ihn mit diesem Tablet auch schätzen.

Zuneigung der Künstler erwünscht

Was sich alle Hersteller von Tablets mit Stift wünschen, ist die Zuneigung von Künstlern. Und so sehen Zuschauer immer wieder malende Kreative in Videoclips oder auf der Bühne, die sich mit den Produkten von Apple, Huawei oder eben Samsung austoben. Weil wenig Blut durch die künstlerische Ader des Autors fließt, hat ein Sechsjähriger begeistert auf dem Testgerät den S Pen geschwungen. Beim Zusehen und eigenen laienhaften Versuchen, die schon beim Pencil von Apple wenig ansehnlich waren, wird schnell klar, dass der digitale Stift als Ersatz für die analoge Variante taugt.

Mit seinen 4096 Druckebenen ist er empfindlich genug, um die Strichbreite und -stärke als Bleistift, Buntstift oder Pinsel fein abbilden zu können. Die Strichbreite lässt sich sogar durch die Aufstellwinkel beeinflussen. Witziger Effekt beim Einsatz des S Pen: Je nach Stiftart simuliert das Tablet einen zugehörigen Klang beim Zeichnen oder Malen. Ob nun die Kreativabteilungen der Tabletgeneration zum Tab S3 greifen, um die Welt mit Kunstwerken zu fluten, muss sich noch zeigen. Der Vorsprung von Apple ist nicht zu leugnen. Zudem sieht der Pencil von Apple wie ein Künstlerwerkzeug aus, der S Pen eher wie ein Kugelschreiber.

Schickes Design und zusätzliche Sicherheit

Das Android-Betriebssystem in der Version 7.0 zusammen mit Samsungs Oberfläche Touchwiz ist eine erfrischende und ebenso reibungslos funktionierende Alternative zu iOS. In Android lassen sich Dateien, insbesondere Musik und Filme, einfacher austauschen, auch wegen des Micro-SD-Slots im S3. Die Anmutung von Touchwiz gefällt in manchen Punkten besser. Das Zusammenspiel von Schriftart und Symbolen haben die Designer sehr fein und luftig gestaltet.

Was beim Note 7 schon überzeugend war, wirkt auf dem Tablet noch gelungener. Für zusätzliche Sicherheit sorgt Samsungs Knox-Technik. Apps oder Ordner lassen sich quasi virtuell mit einem zusätzlichen Schloss verschließen. Um sie verwenden oder einsehen zu können, muss der Nutzer noch einmal mit einem Fingerabdruck oder Muster entsperren.

HDR und vier Lautsprecher für Filme gucken

Die Verarbeitung des Tablets ist wie bei Samsungs Smartphones der Oberklasse auf höchstem Niveau. Das Gehäuse aus Glas und Metall wirkt anders als das Aluminium der Konkurrenz. Allerdings sammelt die schwarze Variante die Fingerabdrücke des Nutzers. Weil die Mobilfunkwellen kein Problem mit dem Glasrücken haben, sieht das LTE-Modell so aus wie das mit W-Lan. Die Kamera guckt nur minimal aus dem Gehäuse hervor. Mit einem Gewicht von 429 Gramm und einer Gehäusetiefe von gerade mal sechs Millimeter unterbietet das Samsung nur minimal die Maße des iPad Pro und liegt ebenso leicht und geschmeidig in der Hand.

Samsung will das Tab S3 nicht nur als Tablet für Produktivität und Kreativität etablieren, sondern auch als Multimediamaschine für den Konsum von Filmen. Dafür hat Samsung mit dem 9,7 Zoll großen Super-Amoled-Bildschirm mit einer Auflösung von 2048 × 1536 Pixel die besten Voraussetzungen geschaffen. Wie gewohnt sehen Bilder und Videos farbenfroh, kontrastreich und knackig aus.

Das S3 unterstützt sogar die Darstellung von Filmen, die in HDR gedreht sind. Die vier Lautsprecher mit Stereosound entfalten für ihre Größe einen beachtlichen Klang, ignorieren aber aufgrund ihrer Bauweise naturgemäß die tiefen Frequenzen.

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Wie bei allen Tablets in dieser Größe wächst das Verlangen, das Gerät abstellen zu wollen, um die Hände zu entlasten, proportional zur Nutzungsdauer. Auch bei leichten 429 Gramm. Da böte sich dann das Book Cover Keyboard für 130 Euro an. Dann hätte man auch gleich eine physische Tastatur mit dabei. Und plötzlich nähern wir uns wieder preislich und in der Erscheinung einem leichten Notebook. Die Gattung Tablet wird weiterhin einen schwierigen Stand haben.

Die Alternative

Ein Tablet im gängigen 10-Zoll-Format: Apple bringt jetzt sein iPad ebenfalls in einer neuen Version auf den Markt, und die ist sogar deutlich günstiger als das Samsung. Jedenfalls auf den ersten Blick: Von 400 Euro an ist man dabei. Aber man sollte nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Erst das iPad Pro (von 680 Euro an) erlaubt ordentliches Arbeiten mit dem Stift, der aber, typisch Apple, nicht im Paket enthalten ist, sondern weitere 110 Euro kostet. Als Apple-Kunde muss man auch darauf verzichten, seinem Flachrechner zusätzlichen Speicher per Karte zu verschaffen. Das sind, neben der Software, die Unterschiede, auf die man achten sollte. Das neue iPad ist nur in der kleinsten Modellvariante günstig. Mit mehr Speicher (128 Gigabyte) und Mobilfunk landet man bei 660 Euro. Technisch ist die exakt 9,7 Zoll messende Neuerscheinung von Apple unspektakulär. Sie gleicht den älteren Air-Modellen, aber das Display ist heller geworden. Allerdings kommt das neue iPad im Unterschied zu allen anderen Apple-Tablets ohne Antireflexbeschichtung und Laminierung. Bei hellem Sonnenschein sind Text und Bild schlechter zu erkennen. Auch die Kamera verdient kein Lob. Die lange Akkulaufzeit und die tadellose Verarbeitung sind ebenso wie die vielen hochwertigen Apple-Apps die Pluspunkte.

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