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Suchmaschinen David gegen Goliath: Cuil attackiert Google

28.07.2008 ·  Noch sind es ungleiche Gegner. Doch die Macher der neuen Suchmaschine „Cuil“ sind entschlossen, den Giganten Google anzugreifen. Cuil soll die größte Suchmaschine der Welt sein - und ihre Macher kennen das Geschäft nur zu gut.

Von Marco Dettweiler
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Das Wort „Google“ ist längst zum Synonym für „Suchmaschine“ geworden. Google ist ein Ort für Informationsbeschaffung jeglicher Art; der Begriff ist in den Sprachgebrauch eingegangen. Wer im Internet recherchiert, der „googelt“. Wer nach einer Information fragt, erhält nicht selten die Antwort: „Das musst du googeln“. Und wer wissen will, wie man mit dem Internet Milliarden verdient, sollte sich die Geschichte des Unternehmens aus Mountain View genauer anschauen - selbst in diesem Fall hilft Google sicherlich weiter.

Ohne Respekt vor dem schier übermächtigen Namen und mit viel Kalkül haben nun Tom Costello und Anna Patterson eine weitere Suchmaschine geschaffen: „Cuil“. Den Namen spricht man aus wie das englische Wort „cool“, seinen Ursprung hat der Begriff im Gälischen und bedeutet so viel wie „Wissen“. Costello ist Ire, daher verwundert die Anleihe bei der Sprache der Kelten nicht. „Kuhl“ klingt zudem ähnlich wie „guhgl“ - eine akustische Nähe, die sich auch im Optischen der Seite wiederspiegelt. Wie beim großen Konkurrenten gibt es ein Feld zum Eingeben des Suchbegriffs und sonst nichts. Der Rest der Fläche ist schwarz, so dass der Nutzer die Seite letztlich nicht mit Google verwechselt, wo das doch eher freundliche Weiß dominiert. Cuil soll die größte Suchmaschine der Welt sein. In Zahlen bedeutet dies: 120 Milliarden Internet-Seiten werden erfasst. Laut Aussage des Unternehmens sind das dreimal so viele Seiten wie bei Google oder einer anderen Suchmaschine. Das Magazin „CNet“ behauptet, Cuil sei auch schneller.

Bei Google gelernt

Die mutigen Gründer von Cuil sind nicht irgendwer, ihre Einschätzungen sollte man erst einmal ernst nehmen. Tom Costello lehrte an der Stanford-Universität in Kalifornien, gearbeitet hat er bei IBM. Seine Frau Anna Petterson war bei Google zuständig für den Suchindex Teragoogle. Der dritte „Coole“ ist Russell Power, der ebenfalls vorher in Mountain View beim Internet-Giganten tätig war. An der Kompetenz der Cuil-Gründer gibt es also erst einmal kaum einen Zweifel.

Doch über den Erfolg des Projektes entscheidet letztlich allein der Nutzer mit seinen Anfragen. Und da zeigt Cuil zurzeit gerade bei Anfragen mit deutschen Begriffen noch erhebliche Wissenslücken. Die Eingabe „Fahrrad Frankfurt“ (Stand: 15 Uhr) wird beantwortet mit „We didn't find any results for ,Fahrrad Frankfurt'“. Was sagt Google? 1.400.000 Treffer, ganz vorne zehn Fahrradläden mit passendem Google-Maps-Ausschnitt. Dann eben nur „Frankfurt“: Immerhin 17.600.000 Treffer. Jetzt wird auch ein grafischer Unterschied zu Google deutlich. Cuil stellt in drei und nach Wunsch auch in zwei Spalten die Ergebnisse dar. Headline, Teaser und Bild als Einheit ähneln den Darstellungen in Nachrichtenportalen. Gezeigt werden zudem mehrere Kategorien, die für den Eintrag „Frankfurt“ angeboten werden - beispielsweise „Eintracht Frankfurt“ und „Frankfurt Airport“.

Schwächen bei deutschsprachigen Seiten

Auch bei der Namenssuche zeigt Cuil bisher etliche Schwächen. Eine Bekannte, die bei Google immerhin 112 Einträge hat, bleibt hinter der schwarzen Oberfläche verborgen. Einen guten Freund kennt Cuil, der zweite Treffer zeigt sogar die richtigen Kontaktdaten bei seinem Arbeitgeber. Und wenn man sich selbst „cuilt“, findet man einige Einträge, die man vom Ego-Surfen bei Google nicht kennt. Insgesamt scheint es, als würden deutschsprachige Seiten eher nicht gefunden. Dafür tauchen bisher nicht gekannte englischsprachige Einträge auf.

Die Gründer von Cuil haben sich bewusst dafür entschieden, dass andere Einträge gelistet werden als bei einer Google-Abfrage. Das Ranking-System bewertet die Priorität der indizierten Internet-Seiten anders. Google listet meist solche Seiten weit oben, auf die häufig von anderen Seiten aus verlinkt wird. Cuil wertet stärker den Inhalt der jeweiligen Webseiten aus. „Cuil präsentiert Suchenden content-basierte Ergebnisse und nicht nur populäre“, sagt Costello. Erst daraus wird die Relevanz für die Trefferlisten bei den einzelnen Suchanfragen ermittelt. Auf eine weitere Sache legt Cuil großen Wert: Anonymität der Surfer. Daten der Nutzer speichert die Suchmaschine nicht.

Wann lohnt ein Umstieg?

Noch ist Google die coolere Suchmaschine. Auf Cuil ist noch kein Verlass. Doch die Suchmaschine mit dem schwarzen Hintergrund wird lernen. Gigant Google ist schon einige Jahre im Internet unterwegs, an den Algorithmen wird immer wieder gefeilt. Costello und Co. werden ebenfalls Erfahrungen sammeln und die Programmierung verfeinern.

Für den Nutzer stellt sich die Frage, ab welchem Zeitpunkt eine Recherche auch bei Cuil zu guten und hilfreichen Treffern führt. Wer sich - zum Beispiel - ein Fahrrad in Frankfurt suchen will, kann mit der neuen Suchmaschine nichts anfangen. Ebenso sind Menschen für Cuil Unbekannte, die bei Google gefunden werden. Die Zukunft sollte aber nicht schwarz oder weiß aussehen. Schwarz-weiß wäre das Muster für alle Wissensbegierigen. Cuil sollte bald zu jedem Namen oder Begriff eine Liste von Webseiten aufführen, Google tut es jetzt schon. Der suchende Surfer wählt die für sich jeweils besten aus und findet dann hoffentlich das, wonach er gesucht hat. Sonst bleibt der Bildschirm weiß.

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