Home
http://www.faz.net/-gyc-6mj8h
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Streit um Wikileaks-Dokumente eskaliert Domscheit-Berg erhält Post von Assanges Anwalt

 ·  Wikileaks-Gründer Assange und Aussteiger Domscheit-Berg überziehen sich mit Schuldvorwürfen. Die Verbreitung unredigierter Dokumente könnte die Sicherheit darin genannter Personen gefährden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Die Querelen um die Enthüllungsplattform WikiLeaks weiten sich aus: Wikileaks-Gründer Julian Assange warf dem Aussteiger Daniel Domscheit-Berg über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie „ein gesteigertes Maß an Niedertracht“ vor. Domscheit-Berg erwiderte, Assange wolle lediglich von eigenem fahrlässigen Handeln ablenken.

In dem neu aufgeflammten Streit geht es um unredigierte Originaltexte der ab Herbst 2010 veröffentlichten Berichte von amerikanischen Diplomaten in aller Welt. WikiLeaks und mehrere Medien, die mit Assange kooperieren, haben in ihren Veröffentlichungen die Namen von Informanten geschwärzt, um diese zu schützen. Nun sind aber nach Medienberichten die Originaltexte im Internet aufgetaucht, wenn auch nicht einfach zu finden.

„Klassisches Ablenkungsmanöver“

Domscheit-Berg habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben, heißt es in einem Schreiben des Berliner Anwalts von Assange, Johannes Eisenberg, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. „Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter.“ Das Verhalten Domscheit-Bergs sei „in hohem Maße geeignet, die von Ihnen angeblich befürchteten Gefährdungen überhaupt erst herbeizuführen“. Konkrete juristische Schritte gegen Domscheit-Berg werden in dem Brief des Anwalts nicht angekündigt.

„Aus meiner Sicht ist das Schreiben ein klassisches Ablenkungsmanöver“, erwiderte Domscheit-Berg in einer E-Mail an dpa. Im Umgang mit den Botschaftsdepeschen habe WikiLeaks nun mehrfach Fehler gemacht, zum Teil wegen „des fahrlässigen Handelns von Herrn Assange“. Nun seien sie für alle verfügbar. Außerdem seien Teile der Botschaftsdepeschen „durch offizielle Vertreter von WikiLeaks weitergegeben und verkauft“ worden, warf Domscheit-Berg der Enthüllungsplattform vor. Er habe nun „mit einem Journalisten meines Vertrauens“ über das Problem der öffentlich verfügbaren Originaltexte gesprochen. Domscheit-Berg startete vor kurzem eine eigene Enthüllungsplattform mit dem Namen OpenLeaks und erklärte: „Ich konzentriere mich viel lieber auf den Aufbau unseres neuen Projekts.“ Neun Monate nach Abschaltung der Internet-Adresse wikileaks.org ist die Enthüllungsplattform inzwischen wieder über ihre Stammadresse erreichbar. Das Projekt teilte dies am Mittwoch im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Anfang Dezember 2010 hatte die amerikanische Internet-Firma everyDNS.net die zentrale Adresse entfernt, unter der WikiLeaks zuvor im Browser aufgerufen wurde. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit massiven Attacken auf die Webseite, nachdem WikiLeaks mit der Veröffentlichung von Berichten amerikanischer Diplomaten begonnen hatte. Das Aus für wikileaks.org löste damals eine breite Solidarisierungswelle aus.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Elektrik im Focus

Von Boris Schmidt

Ford hat in Saarlouis mit der Serienproduktion des Ford Focus Electric begonnen, der dort gemeinsam mit dem herkömmlichen Focus vom Band läuft. Mehr 1