22.04.2010 · Von wegen Street View: Google scannt nicht nur Deutschlands Straßen, sondern auch die WLAN-Netze der Bewohner. Dabei werden Daten wie die Namen der Netzwerke gesammelt. Datenschutzbeauftragte halten dies für rechtswidrig.
Neuer Ärger für Googles Kartendienst Street View: Google fotografiere mit seinen Fahrzeugen nicht nur die Umgebung, sondern erfasse auch Funknetze, erklärte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Nach jüngsten Erkenntnissen seien die Google-Fahrzeuge mit Scannern ausgestattet, die drahtlose Datennetze (WLAN) aufspüren und registrieren.
Beim systematischen Scannen vor allem von privaten Haushalten genutzten Netzwerken handele es sich um die Erfassung und Speicherung personenbezogener Daten. Dies sei somit „rechtswidrig“. „Das Vorgehen von Google ist nicht akzeptabel“, erklärte Caspar.
Google wies die Vorwürfe entschieden zurück. „Die Erfassung von WLAN-Daten ist weder etwas Neues, noch ist es etwas, was nur Google macht“, erklärte Google-Sprecher Kay Oberbeck. Google habe nie ein Geheimnis darum gemacht, dass das Unternehmen wie andere auch solche Netz-Daten erfasst, erklärte der Suchmaschinen-Anbieter. „Diese Art von Daten werden seit Jahren von verschiedenen - darunter auch deutschen - Unternehmen gesammelt.“
Positionsbestimmung mit WLAN
Die Daten von WLAN-Netzen werden schon seit Jahren benutzt, um vor allem in Großstädten zusammen mit Mobilfunkmasten und Satelliten die Position von Smartphones wie dem iPhone besser zu bestimmen. Das kann für Nutzer elektronischer Landkarten hilfreich sein, wo der Empfang von GPS-Satelliten wegen Gebäuden nicht so gut wie auf dem Land ist.
So hat die Bostoner Firma Skyhook Wireless nach eigenen Angaben über 100 Millionen WLAN-Netze in Nordamerika, Europa, Asien und Australien gespeichert, um genauere Positionsbestimmungen zu ermöglichen. Die Daten werden wie bei Google mit Autos gesammelt. Diese Praxis sei in der Branche normal, erklärt das Unternehmen auf seiner Website.
Auch die SSID wird erfasst
Bei der Erfassung der Netz-Daten würden allerdings neben dem Verschlüsselungsstatus der Geräte und einer eindeutigen Seriennummer (MAC-Adresse) auch der vom Nutzer vergebene Name der Funkstation (SSID) gespeichert, kritisieren die Datenschützer. Vor allem Privatnutzer würden beim SSID-Namen aber oft ihren Klarnamen oder andere auf sie hinweisende Informationen nutzen. Damit könne ein Netz konkret den Bewohnern zugeordnet werden.
Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, schloss sich unterdessen der Kritik an. „Ich bin entsetzt, zu welchen Zwecken diese Fahrten ohne Wissen Dritter genutzt werden. Ich fordere Google auf, die bisher rechtswidrig erhobenen personenbezogenen Daten über die WLAN-Netze umgehend zu löschen und die Fahrten für Street View zu stoppen.“
Eine schriftliche Antwort auf Fragen über die genauen technischen Vorgänge und Hintergründe dieser Erfassung habe man von Google nicht erhalten, erklärte Schaars Behörde weiter. Ebenso wenig sei die Besichtigung eines Google-Street-View-Fahrzeugs ermöglicht worden. Damit erhärte sich der Verdacht, dass die Fahrten für Google Street View in den vergangenen Jahren nicht nur zur Aufnahme von Straßenansichten, sondern auch zur flächendeckenden Erhebung und Speicherung gerade auch der von privaten Haushalten betriebenen WLAN-Netze genutzt würden.
Peter Schaar untragbar
Peter Holzhauser (Pit0711)
- 22.04.2010, 17:28 Uhr
Sind unsere Verantwortlichen ganz einfach daemlich, oder haben sie die Tragweite
Hans-Joachim Krämer (hajokra)
- 22.04.2010, 17:32 Uhr
Steht die Kirche noch im Dorf?
Karl Neuwald (KarlFAZ)
- 22.04.2010, 17:44 Uhr
Caspar...
c.f. romberg (smokeonit)
- 22.04.2010, 17:58 Uhr
Übertreibung durch die Datenschutzbeauftragten
Jörg Luttmer (Luttmer)
- 22.04.2010, 19:06 Uhr