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Steve Ballmer Der Zustand Ballmer

22.09.2005 ·  Das Hemd schweißnaß, die Stimme heiser: Steve Ballmer führt Microsoft als eine Mischung aus Fußballtrainer und Fernsehprediger mit einer Energie, auf die der Duracell-Hase neidisch werden könnte.

Von Carsten Knop
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Über Steve Ballmer, den Vorstandsvorsitzenden von Microsoft, läßt sich kein Porträt verfassen. Höchstens eine Zustandsbeschreibung. Denn Ballmer ist ein Chef, der beim berühmten Duracell-Batterie-Hasen für einen Minderwertigkeitskomplex sorgen könnte.

Sein Verhalten entspricht einer Kreuzung aus einem Fußballtrainer und einem Fernsehprediger. Videoaufzeichnungen von Ballmer im schweißnassen Hemd und mit heiserer Stimme während eines Auftritts vor Mitarbeitern haben es allein wegen ihres optischen Reizes schon in deutsche Nachrichtensendungen geschafft. Der Mann mit dem Mönchsgesicht und den über den durchdringenden Augen kaum wahrnehmbaren Augenbrauen ist in Amerika auch schon als „der Verkäufer der Verkäufer“ bezeichnet worden.

In den Genen

Ballmer, der Chef des größten Softwarekonzerns der Welt, will im Zentrum technologischer Revolutionen stehen - und es scheint, als könne er die Energie, die für solche Revolutionen nötig ist, allein erzeugen. Eigentlich ist alles ganz einfach: Ballmer möchte die Welt verändern, mehr nicht. Daraus folgt wie selbstverständlich, daß es öffentliche Momente des Innehaltens für Ballmer nicht gibt. Privat, so sagt er, halte er durchaus auch einmal den Atem an.

Wenn es aber darum geht, Mitarbeiter in Stimmung zu bringen, würde Ballmer, der Vater von drei Kindern ist, allein und trotz Halbglatze sogar gegen eine ganze Gruppe hübscher weiblicher Football-Cheerleader ankommen. Durchsetzungsfähigkeit scheint in seinen Genen zu liegen. Ballmers Vater ist ein Schweizer aus jüdischer Familie, der in die Vereinigten Staaten ausgewandert war und sich beim Autohersteller Ford vom Arbeiter bis in die mittlere Leitungsebene hocharbeiten konnte.

Der Mann wird älter

Um seine Vertriebsmannschaft zu begeistern, hat es einmal ausgereicht, auf einer Bühne laut zu rufen: „Ich habe vier Worte für euch: Ich, liebe, dieses, Unternehmen!“ Allerdings ist auch Ballmer nach einem vergleichbaren Auftritt inzwischen einmal zu einer Behandlung seiner überforderten Stimmbänder im Krankenhaus gewesen. Der Mann wird älter, 49 Jahre ist er inzwischen, und damit ein Jahr jünger als Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, der das Amt des Vorstandsvorsitzenden im Jahr 2000 an Ballmer übergeben hat.

Der in Detroit geborene Ballmer gehört Microsoft seit 1980 an, wurde von Gates also im fünften Jahr nach der Gründung des Konzerns geholt, der in diesem Jahr sein dreißigjähriges Bestehen feiert. Bei seinem Eintritt in das Unternehmen war er der einzige Nichttechniker. Besser gesagt, er war der erste, der etwas von Unternehmensführung verstand. Die Techniker um Gates hatten das rasante Wachstum des Unternehmens betriebswirtschaftlich nicht mehr im Griff. Ballmer hingegen brachte seine ersten Managementerfahrungen vom Konsumgüterhersteller Procter & Gamble mit (wo er in frühen Jahren mit Jeffrey Immelt, dem heutigen Chef von General Electric, Schreibtisch an Schreibtisch saß) und griff hart durch. Die Vertriebsmannschaft, für die er viele Jahre lang zuständig war, wurde damals zur schlagkräftigsten der Branche.

Durch und durch analytisch

Im Grunde setzt Ballmer die Arbeit, die er in seinen frühen Jahren bei Microsoft begonnen hat, bis heute fort. Noch immer kämpft er darum, das Unternehmen, das einst höchst zentral von Gates gesteuert wurde, flexibler und entscheidungsfreudiger zu machen. Hin und wieder witzelt Gates deshalb öffentlich über Ballmers „Organisationstalent“. Aber das ist der Kern der Person Ballmer, jenseits aller Showeinlagen zur Motivation: Seit seinen Studienzeiten ist er ein durch und durch analytisch denkender Manager. Soeben hat er Microsofts zweite Umstrukturierung in drei Jahren verkündet.

So wird offensichtlich, daß Gates im Jahr 2000 anscheinend nur Gutes hinterlassen hat. Aber Ballmer schafft es, den im Unternehmen noch immer allgegenwärtigen Gates von seinen Reformprojekten zu überzeugen. Das läßt auf eine tiefe Freundschaft zwischen beiden schließen - und so ist es auch. Gates und Ballmer kennen sich schon aus ihren Studienzeiten, die sich Ballmer zu einem großen Teil mit Stipendien finanziert hatte.

Quelle: F.A.Z., 22.09.2005, Nr. 221 / Seite 17
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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