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Spuren im Netz Wir wissen sehr viel über dich

22.01.2009 ·  Das Magazin „Le Tigre“ hat eine Serie gestartet: Porträts von eigentlich unbekannten Zeitgenossen. Deren private Daten fand die Zeitschrift frei verfügbar im Internet - in sozialen Netzwerken wie Facebook. Der erste Porträtierte, der Angestellte „Jules“, ist schockiert.

Von Jürg Altwegg, Genf
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Exhibitionismus im Internet: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“, wünschte der Artikel und fügte hinzu: „Wir dürfen doch Du sagen, Jules, nicht wahr? Gewiss, Du kennst uns nicht. Aber wir wissen sehr viel über Dich.“ Jules (Name von der Redaktion geändert) staunte zunächst und erschrak dann fürchterlich, als er in dem Magazin „Le Tigre“ in solch vertraulichem Ton seine eigene Lebensgeschichte serviert bekam. Dabei ist der Mann ein in der Öffentlichkeit völlig unbekannter Angestellter eines Architekten in Nantes.

Bleich sei er geworden, als er den unerwünschten Geburtstagsartikel las, erzählte er der Lokalzeitung „Presse Océan“. Denn er fand darin durchaus zutreffende Details über seine Reisen und sein Liebesleben. Und noch einiges andere mehr aus seiner Privatsphäre. Auf eine Klage verzichtet er, sie sei aussichtslos, wurde ihm von Experten beschieden: das Magazin habe nur öffentlich zugängliche Quellen benutzt. Freiwillig hat „Le Tigre“ nach Jules' Intervention in der Internetversion die persönlichsten Informationen gelöscht. Will aber weitermachen.

Der Artikel über Jules sei der Auftakt einer Serie mit dem Namen „Google-Porträt“. Von ganz normalen Zeitgenossen werden die Informationen zusammengestellt, die sie selbst dem Internet anvertraut haben. Bei Facebook und anderswo. Die Naivität und der Exhibitionismus vieler Menschen seien grenzenlos, sagt ein Redakteur des „Tigre“. Und will ihnen zeigen, was mit ihren Angaben geschehen kann. Für Jules ist die Enthüllung seiner Privatsphäre ein heilsamer Schock. Er hat seine Spuren im Internet wo immer möglich gelöscht.

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