19.08.2009 · Computerspiele sind der Goldesel der Unterhaltungsindustrie. Wieso ausgerechnet in Deutschland eine Spielemesse von Weltrang entstand, ist für viele ein Rätsel. In Köln lässt es sich vielleicht lösen. Dort beginnnt die laute, schrille Gamescom.
Von René MeyerJahr für Jahr war die Games Convention die Leistungsschau für Computerspiele. Doch nun ist die Messe nach Köln gezogen, und an diesem Mittwoch öffnet die erste Gamescom ihre Pforten. 400 Aussteller sind dabei, allen voran die drei Konsolenhersteller Nintendo, Sony und Microsoft sowie Verleger wie Electronic Arts, Ubisoft, Sega und Activision Blizzard.
Erwartet wird die gewohnte Mischung aus Nachfolgern und Neuentwicklungen. Sony lässt einen Blick auf den zweiten Teil des Abenteuerspiels „Uncharted“ werfen. EA hat - natürlich - ein neues Rennspiel der Marke „Need for Speed“ im Gepäck, zwei neue Teile sogar, und eine weitere Folge der Strategieserie „Command & Conquer“. Stark erwartet wird das Rollenspiel „Risen“ von Piranha Bytes, den Entwicklern der beliebten „Gothic“-Serie. Viel Aufmerksamkeit erhielt vorab „Brütal Legend“ des Designers Tim Schafer, eine bizarre Mischung aus Abenteuer und Heavy Metal. Von den Machern der preisgekrönten „Ankh“-Serie, dem Frankfurter Studio Deck 13, ist das Rollenspiel „Venetica“. Es führt ins Venedig des 16. Jahrhunderts. Zu sehen sind außerdem zahlreiche Online-Spiele. Für die erste große Nachricht sorgte Sony mit seiner Ankündigung, eine schmalere und billigere Version seiner Playstation 3 herauszubringen (siehe auch: Sony, Microsoft, Nintendo: Harte Konkurrenz in der Spieleindustrie).
Und die Toten Hosen spielen dazu
Übernommen wurde die bewährte Dreiteilung der Messe. In den Publikumshallen thronen aufwendig gestaltete Stände mit Showbühnen, lauter Musik und knapp bekleideten Promoterinnen. Da der Lärmpegel Rockkonzerten gleicht, werden Fachbesucher in den „Business-Hallen“ empfangen. Die Parallelmesse in gedämpfter Atmosphäre wissen Händler und Journalisten zu schätzen, zumal dort immer häufiger unveröffentlichte Spiele hinter verschlossenen Türen gezeigt werden. Zum Leidwesen des Publikums, das erst am Donnerstag in die Hallen darf: Mittwoch ist reiner Fachbesuchertag.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm rundet die Gamescom ab, die im Grunde schon am Dienstag mit einer internationalen Entwickler-Konferenz begann. Ein Schwerpunkt ist E-Sport, das gemeinschaftliche Messen von Spielern in Ligen und Meisterschaften. Eine Schau widmet sich dem sogenannten Case Modding, dem kunstvollen Gestalten von Computer-Gehäusen. Der Bereich „Job und Karriere“ zeigt Wege in die Spielebranche. Entspannung vom Bildschirmgucken bieten sportliche Aktionen, zumeist im Außengelände: Kletterfelsen, Skaterrampe, Strandball, Motorradstunts. Um die zumeist jugendlichen Besucher nicht mit hohen Hotelpreisen zu verprellen, wird ein Zeltlager angeboten. Jeden Abend gibt es in der Kölner Innenstadt Konzerte, teilweise gratis, am Mittwoch beginnend mit einem Eröffnungskonzert mit den Toten Hosen.
Wieso ausgerechnet in Deutschland eine Spielemesse von Weltrang entstand, ist für viele ein Rätsel. Hier werden zwar viele Spiele gekauft - aber wenige entwickelt. Der Jugendschutz gilt als der strengste der Welt; regelmäßig müssen Spiele für den deutschen Markt entschärft werden. Die Killerspiel-Debatte überschattet die Chancen, die sich mit der wachsenden Branche ergeben. Denn Computerspiele sind der Goldesel der Unterhaltungsindustrie. Während die Musikbranche ächzte, wuchs der Umsatz mit Spielen in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent und zog mit dem Tonträgermarkt gleich.
Das Geschäft wird härter
Das Geschäft wird professioneller - und härter. Ein Vollpreisspiel ist ein Kraftakt, der einer Hollywood-Produktion gleichkommt. Bis zu 400 Programmierer, Graphiker, Musiker und Planer tüfteln mehrere Jahre an einem Werk wie „Assassin's Creed 2“. Durch die hohen Entwicklungskosten und die Unberechenbarkeit mehrerer Millionen Programmzeilen gibt es kaum noch unabhängige Studios. Gerade erst musste einer der ältesten und größten deutschen Entwickler schließen: Ascaron verzettelte sich mit dem Rollenspiel „Sacred 2“. Bei Radon Labs hingegen entstehen parallel zu Großprojekten wie „Drakensang“ kleinere Spiele.
Online-Spiele stellen den Markt auf den Kopf: Während sich traditionelle Titel nachträglich allenfalls sanft durch Updates ausbessern lassen, werden Spiele wie „World of War Craft“ fortwährend erweitert und korrigiert. Mit mehr als 11 Millionen Abonnenten, die teilweise seit fünf Jahren monatlich mehr als 10 Euro Gebühr zahlen, hat das Rollenspiel mehr Geld eingebracht als die Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“.
Aber das Zahlmodell Abo gilt schon als überholt. Die deutschen Unternehmen Bigpoint und Gameforge, die ihren großen Auftritt auf der Games Convention Online vor zwei Wochen hatten, gelten als Weltmarktführer bei Browserspielen. Ihr „Geheimnis“: Sie geben ihre Spiele unentgeltlich ab. Auch aus Asien kommen aufwendige Gratisspiele. Dennoch erzielen die Entwickler Einnahmen. Neben Werbeerlösen vor allem durch den Verkauf von virtuellen Gegenständen: Das Spielen kostet nichts, aber wer durch die malerischen Landschaften auf einem besonders schönen Pferd streifen will, muss es sich für ein oder zwei Euro kaufen.
Oberflächlich
Thea Engholm (Flaim)
- 19.08.2009, 15:11 Uhr
Deutschland ist ein Messeland...
Chan Fei Yung (smileface)
- 19.08.2009, 16:18 Uhr