30.04.2010 · Sony Ericsson setzt bei seinem neuen Xperia X10 auf das offene Betriebssystem Android. Das Gerät hat einen opulenten Bildschirm mit. Wer sich für das Xperia X10 entscheidet, legt wohl das Augenmerk auf die gute Fotoabteilung.
Von Michael SpehrDas erste Android-Smartphone von Sony Ericsson verspricht eine ganze Reihe von angenehmen Überraschungen: Etwa einen Bildschirm mit der Diagonale von sage und schreibe zehn Zentimeter, der noch größer ist als jener des hier unlängst vorgestellten HTC Desire. Auch mit der Displayauflösung von 854 × 480 Pixel besetzt das Xperia X10 klar einen Platz in der Oberklasse. Zum Vergleich: Das iPhone bringt es nur auf 480 × 320 Punkte. Spektakulär sind ferner die hohe Arbeitsgeschwindigkeit des Prozessors, der mit 1 Gigahertz läuft, sowie die 8-Megapixel-Kamera mit Gesichts- und Lächelerkennung. Schließlich hat Sony Ericsson wie HTC ein dezentes Feintuning der Android-Bedienungsoberfläche vorgenommen und manches feine Extra spendiert. Also gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in die Android-Welt.
Das Xperia X10 hat trotz größerer Bildschirmfläche ungefähr die Maße des HTC Desire (11,9 × 6,3 × 1,3 Zentimeter), die Anzeige ist weiter nach unten gezogen, und die drei Menütasten sind sehr flach ausgefallen. Das für Android typische Rollkügelchen zur Cursorsteuerung fehlt - wir haben es nicht vermisst. Schließlich arbeitet man ja überwiegend mit dem Finger. Und da entdeckt man gleich Störendes: Die Anzeige ist nicht wie bei anderen Top-Geräten mit einer Glasfront geschützt, sondern mit Plastik. Ferner fehlt das bei Android übliche Multitouch, also die Möglichkeit, mit Zwei-Finger-Gesten etwa die Schriftgröße im Internet-Browser einzustellen. Sodann ist die Farbtiefe auf 65.000 Töne beschränkt. Im Vergleich mit dem HTC und seinem hochwertigen Amoled-Display wirkt die Anzeige des Xperia X10 sehr blass, selbst wenn man die höchste Helligkeitsstufe einstellt. Zudem reagiert die Software auf flinke Finger-Aktionen ungemein schwerfällig und nicht immer hinreichend präzise.
Die Ursache des Übels und noch etliche weitere Malaisen
Auch werden viele Standard-Seiten des Internet nur in ihrer mobilen Variante angezeigt, Flash-Inhalte (im Unterschied zum HTC Desire) gar nicht. Das ist schon ziemlich ärgerlich. Ein Blick unter die Motorhaube zeigt schließlich die Ursache des Übels und noch etliche weitere Malaisen: Zum Einsatz kommt beim Xperia X10 das betagte Android 1.6, also der Vorvorgänger der aktuellen Generation 2.1. So laufen einige Zusatzprogramme („Apps“) aus dem Android-Markt auf diesem Gerät nicht, und eine lokale Synchronisation mit Outlook am eigenen PC scheitert ebenfalls. Kopfschüttelnd fragt man sich, was Sony Ericsson zu dieser Entscheidung veranlasst haben mag. Auch bei der Materialauswahl liegt einiges im Argen, für 500 Euro erhält man bei HTC mehr Qualität fürs Geld.
Top ist dagegen die Ausstattung des Xperia X10, von Wireless-LAN und Bluetooth bis hin zu GPS und UMTS mit HSDPA (bis 7,2 MBit/s) ist alles da, was derzeit in der Oberklasse angesagt ist. Bei der Software freut man sich über das mitgelieferte Moxier-Paket, das bei der Anbindung an einen Exchange-Server genau das erledigt, was Android von Hause aus nicht oder nur unzureichend kann: E-Mail, Kalender, Kontakte und sogar die Aufgaben aus dem Büro-Outlook werden perfekt aufs Smartphone übertragen. Im Adressbuch sind die Einträge nach dem Nachnamen sortiert (keine Selbstverständlichkeit bei Android), und das E-Mail-System erlaubt den Zugriff auf Unterordner. Zwar werden die Exchange-Daten nicht gemeinsam mit denen aus Googlemail oder anderen Diensten angezeigt (wie bei HTC oder mit dem Palm Pre), aber wir waren mit dem Gebotenen durchaus zufrieden, zumal auch ein Dateibetrachter für gängige Office-Dokumente zum Lieferumfang gehört. Wer unterwegs flink die eine oder andere Nachricht schreiben will, erledigt das mit der virtuellen Bildschirmtastatur, die (wie bei HTC) um eine Wortergänzung erweitert wurde. Die beim Google-Handy Nexus One spektakuläre englische Spracherkennung ist jedoch nicht vorhanden, und die Sprachwahl in der Telefonabteilung arbeitet grottenschlecht.
Schnelles Blättern durch die Neuheiten des Tages
Eine weitere Gratis-Beigabe richtet sich vor allem an Facebook- und Twitter-Nutzer. Mit dem im Hintergrund laufenden Programm Timescape werden alle neuen Ereignisse in den sozialen Netzen, aber auch SMS und E-Mail unmittelbar auf dem Bildschirm eingeblendet, wunderschön wie ein aufgefächerter Spielkartenstapel. Zum schnellen Blättern durch die Neuheiten des Tages eignet sich Timescape gut. Für eigene Aktivitäten wie das Verfassen von Twitter-Kurzmeldungen ist es indes weniger geeignet. „Mediascape“ ist dasselbe in Grün für Musik, Videos und Fotos, also ein hübscher Dateibrowser für Inhalte auf dem Gerät oder im Internet. Dass ferner ein Navi-System (als zeitlich begrenzte Demo-Version) aufgespielt ist, rundet den positiven Eindruck in Sachen Software ab.
Der große Pluspunkt des Xperia X10 ist freilich die eingebaute Kamera. Nicht allein die hohe Auflösung von 8 Megapixel ist spektakulär, sondern auch die Bildqualität, vor allem bei Innenaufnahmen. Mit dem Multipattern-Autofokus, den wir hier zum ersten Mal auf einem Smartphone gesehen haben, versucht die Kamera, auf zwei bis fünf Bildbereiche scharfzustellen. Auch ist ein Touchfokus zur manuellen Wahl des Autofokus-Punktes eingebaut. Schwach ist das LED-Lämpchen anstelle eines Blitzes. Ferner lassen sich Videos mit maximal 720 × 480 Pixel aufzeichnen, und zum Glück gehört eine 8-Gigabyte-Speicherkarte zum Lieferumfang. Um sie zu wechseln, muss allerdings der Akku entnommen werden. Er hält übrigens rund einen Tag lang durch.
Wer sich für das Xperia X10 entscheidet, legt vermutlich das Augenmerk auf die gute Fotoabteilung. In allen anderen Disziplinen hat das erste Android-Gerät des japanisch-schwedischen Gemeinschaftsunternehmens noch Potential für Verbesserungen. Wenn sein Betriebssystem im Spätsommer auf Version 2.1 aktualisiert wird, sind einige der aktuellen Patzer hoffentlich beseitigt.
Eine unwesentliche Frage bleibt...
Wilhelm Friedrich (WillyF)
- 30.04.2010, 21:49 Uhr
Wenig objektiv
Thomas Meyer (duffkind)
- 01.05.2010, 23:01 Uhr