29.11.2006 · Microsoft übt sich nicht gerade in Bescheidenheit. Wenn es nach dem weltgrößten Softwarekonzern aus Redmond geht, bricht am Donnerstag eine neues Zeitalter an. Der Softwarekonzern startet die neuen Versionen seiner wichtigsten Produkte.
Von Roland LindnerMicrosoft übt sich nicht gerade in Bescheidenheit. Wenn es nach dem weltgrößten Softwarekonzern aus Redmond (Washington) geht, bricht am Donnerstag eine neues Zeitalter an. Unter dem Motto "A new day for business" ("Ein neuer Tag für Unternehmen") wird Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer am Times Square in New York die lange erwarteten neuen Versionen der Microsoft-Programme Windows, Office und Exchange Server vorstellen. Genausogut könnte die Veranstaltung aber "Tag der Wahrheit für Microsoft" heißen, denn sie markiert die Neuauflage der mit Abstand wichtigsten Produkte des Unternehmens.
Microsoft mag zuletzt mit anderen Geschäftsfeldern für mehr Schlagzeilen gesorgt haben - der Internetsparte MSN etwa, die sich gegen Unternehmen wie Google und Yahoo schwertut, oder der Videospielekonsole Xbox, die im Wettbewerb mit Sony Punkte macht, oder auch mit dem Start des Musikspielers Zune.
Windows und Office - Brot und Butter
Das Brot-und-Butter-Geschäft des Unternehmens liegt indes anderswo: Wichtigster Umsatzträger ist das Betriebssystem Windows für Personalcomputer, das weltweit auf mehr als 90 Prozent aller Rechner läuft. Zweitwichtigstes Produkt ist die Bürosoftware Office, zu der die Bausteine Word für Textverarbeitung, Excel für Tabellenkalkulation, Powerpoint für Präsentationen und Outlook für E-Mail und Organisationsfunktionen gehören. Windows und Office standen zusammen im Geschäftsjahr 2005/2006 (30. Juni) für mehr als 56 Prozent des Konzernumsatzes von 44,3 Milliarden Dollar. Zum Gewinn tragen die beiden Programme einen noch größeren Anteil bei. Eine dritte wichtige Umsatz- und Ergebnissäule ist Software für Netzwerkrechner (Server).
Gerade mit der Neuauflage von Windows, die den Namen "Vista" trägt, hat sich Microsoft viel Zeit gelassen. Das noch aktuelle Vorgängerprogramm Windows XP erschien bereits vor fünf Jahren - soviel Zeit verging noch nie zwischen zwei Versionen. Ursprünglich war Windows Vista, das lange unter dem Codenamen "Longhorn" bekannt war, für das Jahr 2004 vorgesehen.
Mehr Aufmerksamkeit auf die Sicherheit
Die Entwicklung verzögerte sich aber, weil sich Microsoft gezwungen sah, seine Aufmerksamkeit stärker auf Sicherheitsprobleme bei den bestehenden Windows-Versionen zu richten. Windows war eine besonders beliebte Zielscheibe für Attacken von Computerviren und ähnlichen Bedrohungen. Im Frühjahr dieses Jahres kam die nächste Enttäuschung: Microsoft verschob die Einführung der Privatkundenversion von Windows Vista auf den 30. Januar 2007. Man brauche mehr Zeit für Sicherheitstests bei dem neuen Programm, hieß es. Die erhofften Impulse für das Weihnachtsgeschäft durch Vista lösten sich damit in Luft auf.
Auf den Markt kommt deshalb am morgigen Donnerstag nur die Version für Unternehmenskunden. Dieser Zeitplan gilt weltweit. Auch in Deutschland können Unternehmen Windows Vista von morgen an haben, während Endverbraucher bis zum Januar warten müssen. Bei Office 2007 ist der gleiche Zeitplan für Unternehmen und Privatkunden vorgesehen. Auch Office kommt mit Verspätung auf den Markt.
Zeitgemäße Vertriebsstrategie
Microsoft-Chef Steve Ballmer hat versprochen, daß es mit der nächsten Neuauflage seines Vorzeigeprodukts Windows erheblich schneller gehen soll als diesmal. In der Branche wird aber die Frage gestellt, ob die alte Vertriebsstrategie von Microsoft überhaupt noch zeitgemäß ist. Bisher bringt das Unternehmen in zeitlichen Abständen immer wieder neue Versionen seiner Software auf Datenträgern in bunten Packungen oder auch vorinstalliert auf Computern. Viele Wettbewerber vertreiben ihre Software aber mittlerweile über das Internet und aktualisieren sie auf diesem Weg kontinuierlich. Im Markt für Unternehmenssoftware, dessen wichtigste Vertreter SAP und Oracle sind, hat sich zum Beispiel die junge amerikanische Gesellschaft Salesforce.com ganz auf den internetbasierten Vertrieb spezialisiert.
Auch Google vertreibt seine Programme über das Netz und dringt dabei auch zunehmend in Segmente vor, die bisher von Microsoft dominiert werden. So hat Google mittlerweile Angebote für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Allerdings gibt Google diese Programme umsonst ab und erzielt seine Umsätze mit Werbung. Auch im Verbraucherverhalten ist zunehmend eine Verlagerung von Aktivitäten vom standortgebundenen Computer, auf dem sich Programme von Microsoft tummeln, ins Internet zu beobachten. Viele Verbraucher verwalten zum Beispiel ihre digitalen Fotos nicht mehr auf ihrem Rechner, sondern auf entsprechenden Internetdiensten wie Flickr.
Aufgefrischte Benutzeroberfläche
Microsoft hat in den vergangenen zwölf Monaten die Internetdienste "Windows Live" und "Office Live" gestartet, die allerdings keine identischen Online-Versionen der Programme sind, nach denen sie benannt sind. "Windows Live" hat zum Beispiel ähnliche Funktionen wie der Microsoft-Internetdienst MSN, darunter E-Mail und Echtzeitnachrichten (Instant Messaging). Steve Ballmer sagte in einem Interview mit dem "Wall Street Journal", seiner Meinung nach werde die Zukunft in einer Mischung aus computergebundenen und netzbasierten Diensten liegen.
Windows Vista hebt sich von seinem Vorgänger durch verbesserte Sicherheitsfunktionen ab. Daneben gibt es mehr Möglichkeiten, mit Computernetzwerken zu arbeiten, und Microsoft hat die Benutzeroberfläche erheblich aufgefrischt. Mit Office 2007 soll zum Beispiel das gemeinsame Arbeiten von Menschen an Projekten erleichtert werden. Analysten erwarten nicht unbedingt unmittelbar einen Ansturm auf die neuen Microsoft-Programme. Jason Maynard von Credit Suisse meint, daß die meisten Unternehmen bei den Betriebssystemen ihrer Computer nicht vom gewohnten Aufrüstungszyklus abweichen und Windows Vista erst im Laufe der Zeit installieren werden. Eher verspricht er sich Impulse vom Endverbrauchergeschäft.
Vista
Christopher Kern (ChristopherKern)
- 29.11.2006, 20:24 Uhr
Astala Vista
norbert doerre (ndoerre)
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Thomas Strenger (jeffstaine)
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Thomas Wenzel (Coloneltw)
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Tag der Wahrheit für Microsoft
Bevan Engelbrecht (bevan)
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