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Veröffentlicht: 21.02.2016, 11:23 Uhr

Microsoft So drehen Sie Windows 10 den Datenhahn zu

Mit Microsofts neuem Betriebssystem holt man sich die Schnüffler auf den Rechner. Wir zeigen Ihnen, was sich dagegen unternehmen lässt.

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© Imago Manches Fenster lässt man bei Windows 10 besser zu.

Microsoft übertreibt es: „Der Verbraucher wird von Windows 10 komplett überwacht und ausgeforscht“, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz - wir hatten unlängst berichtet. Die Erlaubnis zur Schnüffelei erteilt der Nutzer selbst, nämlich bei der Installation seines neuen Betriebssystems. In den Standardeinstellungen von Windows 10 sind anschießend alle nur denkbaren Optionen der Datenübertragung eingeschaltet.

Michael Spehr Folgen:

Der Informatik-Professor Hartmut Pohl hat untersucht, welche Nutzerdaten an Microsoft-Server geschickt werden. Die Sammlung „reicht vom Namen und den Kontaktdaten über demographische Daten zu den Inhalten von Dokumenten, Fotos, Musik oder Videos“, berichtet Pohl. Sogar Abschriften von Textnachrichten und Audioaufzeichnungen von Sprachnachrichten greife Windows 10 beim Nutzer ab und funke sie nach Hause. Ganz unverblümt spricht Microsoft in seinen Datenweitergaberichtlinien davon, dass Daten mit Geschäftspartnern, mit Tochterunternehmen und „mit Verkäufern, die für uns arbeiten“, geteilt würden: „Wir sammeln Daten über Sie, Ihr Gerät und die Art und Weise, wie Sie Windows verwenden.“

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Man kann das Ausspähen abschalten, lässt Microsoft wissen. Nutzer, die Privatsphäre wünschen, müssen jedoch selbst aktiv werden. Nur wie? Wer sich während der Windows-Einrichtung für die flinke Expressinstallation entscheidet, bekommt die meisten Fragen zum Datenschutz nicht einmal zu sehen. Wir schlagen einen Weg durchs Dickicht und geben Hinweise, wie man zumindest derzeit die schlimmsten Auswüchse eindämmt.

Nach jedem Update überprüfen

Derzeit heißt: Weil sich Windows 10 fortwährend aktualisiert, kann man sich nicht darauf verlassen, dass einmal getätigte Einstellungen dauerhaft Bestand haben. Während dieser Artikel geschrieben wurde, spielte Microsoft eine neue Version von Skype auf unseren Arbeitsrechner, und ohne jede Rückfrage räumte sich die Messaging-App von Microsoft nunmehr das Recht ein, Nachrichten zu lesen, auf die Anrufliste und die Kontakte von Windows zuzugreifen, ferner auf den geographischen Standort und vieles andere mehr. Justament zuvor hatten wir alle Einstellungen geprüft und der Neugier einen Riegel vorgeschoben. Man muss also regelmäßig am Ball bleiben, um die Datensammelei in Grenzen zu halten.

38652411 © Spehr Vergrößern In den Windows-10-Einstellungen sollte man für jede einzelne App prüfen, welche Rechte sie anfordert.

Manche Komfortfunktionen funktionieren indes nicht, ohne dass Microsoft die zugehörigen Nutzerdaten kennt. Handschrift- und Spracherkennung arbeiten mit Wörterbüchern. Zur Erkennung von Eigennamen und Adressen der Kontakte benötigt Microsoft die privaten Begriffe. Andere Dienste sind in der Standardeinstellung so zweifelhaft, dass man unbedingt manuell nachjustieren sollte.

So reicht Windows 10 den W-Lan-Zugang nicht nur über das Microsoft-Konto an andere eigene Geräte weiter, sondern auch an andere Windows-10-Nutzer in der Adressliste, also beispielsweise an Freunde und Bekannte, aber auch an Facebook-Kontakte. Die betreffende Einstellung namens W-Lan-Optimierung, für die Microsoft die W-Lan-Kennworte auf seinen eigenen Servern speichert, lässt sich unter Netzwerk und Sicherheit, W-Lan, korrigieren.

Immense Vorteile

Überhaupt kann es klug sein, die Synchronisierung mit verschiedenen eigenen Geräten ebenso zu unterbinden wie den permanenten Zugriff des Betriebssystems auf das betreffende Microsoft-Konto. Man macht genau das, was Microsoft nicht will, und meldet sich bei Windows 10 nicht mit seinem Microsoft-Konto an, sondern wählt während der Einrichtung ein lokales Konto.

Ohne Anmeldung mit besagtem Microsoft-Konto lassen sich zwar keine Apps im Microsoft Store kaufen. Aber die Vorteile sind immens: Gewährt man zum Beispiel Dritten den Zugang zum Rechner, kommen sie nicht automatisch über die Kachel-Apps in E-Mails, Kontakte und Kalender.

Bild Apps © Spehr Vergrößern Denn die meisten wollen am liebsten alle Rechte.

Ferner kann Microsoft nicht mehr seine Werbe-ID für personalisierte Anzeigen mit dem E-Mail-Konto verknüpfen. Mit der Werbe-ID sollen App-Entwickler und Werbetreibende ihre Werbung gezielt einsetzen können. Deshalb werden Daten wie der Standort, Suchanfragen, angesehene Inhalte sowie demographische Daten und Interessen übermittelt. Die Werbe-ID ist in der Standardeinstellung aktiviert, ferner heißt es dort, dass Apps die Verwendung der Werbe-ID für „App-übergreifende Erlebnisse“ erlaubt sei. Wie immer solche Erlebnisse aussehen mögen.

Bloß nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Das Microsoft-Konto lässt sich ungeachtet dieser Maßnahme weiter nutzen, wenn die jeweilige App gestartet ist oder die E-Mail zum Beispiel im Browser-Fenster abgerufen wird. Echtzeitzugriff statt Allzeitverknüpfung lautet die Maxime. Was weitere Datenschutz-Einstellungen betrifft, kommt man nicht umhin, über das Startmenü und die Einstellungen einen Eintrag nach dem anderen zu prüfen. Einige Optionen sind in Windows 10 Home und Pro gar nicht abwählbar, etwa die automatisierte Übertragung von Diagnose- und Nutzerdaten.

Hier sollte man „Einfach“ wählen, um die Schnüffelei zu minimieren. Die Einstellung „Vollständig“ bedeutet, dass Microsoft bei auftretenden Problemen alle nur greifbaren Daten zu sich sendet, zum Beispiel die Word-Datei, die mit einem Absturz im Zusammenhang stehen könnte.

Um Windows 10 noch besser zu zähmen, bieten sich Anti-Spione als eigenständige Apps an und versprechen einen Rundumschutz auf Knopfdruck. Alle Einstellungen würden automatisch angepasst. Schnell ist man jedoch dabei, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Denn eine Software wie etwa Do Not Spy 10 schiebt einem im Hintergrund eine Toolbar unter, die sich nur schwer oder gar nicht entfernen lässt.

Quelle: F.A.Z.

 

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