01.10.2009 · Smartphones heißen die neuen Alleskönner: Unterwegs im Internet surfen, die E-Mail lesen oder in sozialen Netzwerken wie Facebook stöbern. Das sind die wichtigsten Argumente für den Kauf eines Smartphones. Ein kleiner Einkaufsführer.
Von Michael SpehrUnterwegs im Internet surfen, die E-Mail lesen oder in sozialen Netzwerken wie Facebook stöbern: Das sind die wichtigsten Argumente für den Kauf eines Smartphones, und mit den aktuellen Modellen macht man nichts verkehrt. Die Handys in Übergröße mit einem opulenten Bildschirm sind derzeit in Mode, noch nie war die Technik so gut. Vor allem das iPhone von Apple hat den Markt angefeuert: Es ist schick, hervorragend verarbeitet und so einfach zu bedienen, dass es selbst derjenige gern in die Hand nimmt, der mit Mobilfunktechnik sonst nichts am Hut hat. Es ist flink eingerichtet, und sein Safari-Browser zeigt fast alle Internet-Seiten wie am PC. Mit ein oder zwei Fingern navigiert man auf dem hochwertigen Display, und mit etwas Übung lässt sich auf einer virtuellen Bildschirmtastatur rasch eine kurze E-Mail schreiben. Zehntausende von Zusatzprogrammen in Apples „App Store“ ergänzen die Basisausstattung des teuren Kleinods, das im Nebenjob zudem ein sehr guter Musikspieler ist.
Das iPhone ist das Maß aller Dinge. Kein anderes Gerät ist so intuitiv im Umgang und bietet eine so verführerische Leichtigkeit und Raffinesse. Wer älter ist als - sagen wir 30 Jahre - und keine Zeit hat, sich mit komplizierten Details eines Handy-Betriebssystems zu beschäftigen, liegt hier genau richtig. Was es kann, erledigt es mit Bravour. Aber viele Dinge beherrscht es nicht: Es versteht sich nicht mit hochwertigen Freisprechanlagen, wenn die nach dem sogenannten Sim-Access-Profil funktionieren. Und es kann auch nicht mehrere Dinge gleichzeitig, was sich beim Einsatz als Navigationssystem negativ bemerkbar macht. Zunehmend sorgt ferner die Gängelung von Apple und T-Mobile für Unruhe in der Fangemeinde. Viele Funktionen sind bewusst gesperrt, und Apple hat rund um das iPhone einen goldenen Käfig errichtet, an dessen Gitterstäben viele Kunden vergeblich rütteln.
Einen Blick auf das neue HTC Hero werfen
Wer sich nach einer Alternative umsieht, sollte einen Blick auf das neue HTC Hero werfen. Es verwendet das offene und auf Linux basierende Google-Betriebssystem namens „Android“, und der taiwanische Hersteller hat ihm eine zusätzliche Bedienungsoberfläche namens Sense spendiert, die sehr ans iPhone erinnert. Auch hier lässt sich mit Multitouch arbeiten, also mit mehreren Fingern gleichzeitig (aber nicht durchgängig). Die Facebook-Anbindung erlaubt einige Dinge, die geradezu genial sind, etwa die Übernahme dort gespeicherter Adressdaten oder des Fotos der betreffenden Person. Und was auf Facebook geändert wird, ist unmittelbar auf dem Handy aktualisiert. Die Ausstattung ist vollständig, wie beim iPhone taugt die eingebaute Kamera indes nur als Notlösung. Die Zusatzprogramme im Android-Markt bieten manches hübsche Extra, für uns ist Android das derzeit spannendste neue Betriebssystem.
Apropos Betriebssystem: Nokia will demnächst ebenfalls einige Produkte mit Linux einsetzen. Bis dahin muss man sich mit einem älteren System bescheiden, genannt „Symbian“. Beim N97, dem Flaggschiff aus der Multimedia-Reihe, zeigen sich dessen Nachteile sofort: Es ist unglaublich kompliziert (zum Beispiel beim Umschalten von Wireless-Lan auf UMTS), es ist fehlerhaft (etwa bei der Darstellung der Anruflisten), allerdings haben die Finnen nahezu alles eingebaut, was derzeit im Handy-Bereich zu haben ist. Das mag technikaffine Menschen (unter 30) begeistern. Sie können sich hemmungslos austoben und finden viele Funktionen, die anderswo nicht zu haben sind. Nur sind die Wege zum Ziel beschwerlicher.
Einen Blick auf die E-Serie werfen
Wer es einfacher mag und in erster Linie ein Business-Handy mit Mini-Tastatur sucht, sollte einen Blick auf die E-Serie werfen. Das E71 ist ein tolles Gerät mit robuster Metalleinfassung, das mit einer Akku-Ladung drei, vier Tage durchhält. Das iPhone, das HTC Hero und das N97 müssen jeden Abend an die Steckdose. Zwar taugt die Bildschirmauflösung kaum zum Surfen im Netz, dafür entschädigen das gute E-Mail-Programm und der sehr empfindliche GPS-Empfänger. Der Nachfolger E72 kommt in diesen Wochen in den Handel. Diejenigen, die es schon in der Hand hatten, waren allerdings wenig davon angetan. So kann es ratsam sein, jetzt noch das E71 zu nehmen. Zusatzsoftware gibt es in Nokias Ovi-Shop, der aber ein freud- und kraftloses Dasein fristet.
Ist beim Smartphone-Einsatz vor allem die elektronische Post gefragt, kommen im geschäftlichen Alltag gern die Spezialisten zum Einsatz: Der Blackberry oder das Windows-Mobile-System, die sich beide perfekt an einen der gebräuchlichen E-Mail-Server im Unternehmen andocken, das „Exchange“-System von Microsoft. Zugegeben: Das können inzwischen auch die iPhones und Android-Modelle, aber der Blackberry spielt noch immer die erste Geige, wenn es darum geht, Tag für Tag Hunderte von neuen Nachrichten in den Griff zu bekommen. Windows Mobile ist ähnlich leistungsfähig, und der schwere HTC Touch Pro 2 mit seiner Seitentastatur ist eines der besten Windows-Geräte fürs Büro. Wenn es darum geht, Word- und Excel-Dateien zu bearbeiten, ist der Taiwaner ebenfalls top. In den nächsten Wochen startet das neue Windows-Mobile-Betriebssystem 6.5, das sollte man zunächst abwarten.
Rund um Multimedia sind beide Samsungs gut gerüstet
Manche Überraschung taucht jenseits der bekannten Pfade auf. Samsung ist stark im Kommen und hat mit dem Jet S8000 und dem brandaktuellen Pixon 12 M8910 zwei Pfeile im Köcher, die vor allem auf ein jüngeres Publikum zielen. Das brillante Display mit seiner hellen und scharfen Darstellung zieht einen sofort in den Bann, und die Bedienungsoberfläche wirkt frisch und modern. Dahinter steckt eine Samsung-eigene Software. Die Basisfunktionen geben keine Rätsel auf, nur bei den Details kommt man bisweilen ins Grübeln, zumal sich die beiden Koreaner mit Dutzenden Mini-Programmen schmücken, die man auf verschiedene Bildschirmansichten verteilen kann. Rund um Multimedia sind beide Samsungs gut gerüstet, die 12-Megapixel-Kamera des Pixon 12 macht draußen sehr ordentliche Aufnahmen, und innen profitiert man von der Weitwinkel-Optik. Was nicht funktioniert, ist die E-Mail-Anbindung an Unternehmensserver mit Exchange.
Eine spannende Neuerscheinung steht für Mitte Oktober ins Haus: Palm schickt seinen iPhone-Konkurrenten Pre nach Deutschland. Das Gerät mit Mini-Tastatur und Multitouch ist in den Vereinigten Staaten seit Monaten sehr erfolgreich und wird hierzulande von O2 angeboten.
"Noch nie war die Technik so gut" und vor allem so günstig
Frank Holl (fholl)
- 01.10.2009, 15:53 Uhr