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Skype Ist das Festnetztelefon schon überflüssig?

24.01.2011 ·  Die Kommunikation via Internet boomt, und Skype, einer der erfolgreichsten Anbieter für Internet-Telefonie, geht demnächst an die Börse. Grund genug, das aktuelle Skype- Angebot genauer zu betrachten.

Von Henriette Struss
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Gerade bei längeren Fernreisen oder Auslandsaufenthalten möchte man mit der Familie, Freunden und Geschäftspartnern in Kontakt bleiben. Praktisch ist, wenn diese zu Hause oder im Büro einen Rechner mit Lautsprecher und Mikrofon besitzen und der Reisende einen Multimedia-Laptop im Gepäck hat. Dann kann man im Handumdrehen via Skype plaudern. Die Software ermöglicht Gratis-Telefonate von PC zu PC. Dazu wird keine klassische Telefonverbindung aufgebaut, sondern eine Datenverbindung via Internet genutzt. Anstatt der Telefongebühren fallen nur die Kosten der Datenleitung an.

Ist das Endgerät mit dem Internet verbunden und Skype installiert, tauschen die Beteiligten ihre Nutzernamen aus, die Software aktualisiert die Liste mit den Kontakten, und Fans von Facebook können per Mausklick zudem ihre dortigen Freunde integrieren. Jetzt reicht der Druck der grünen Telefontaste, und bei dem angerufenen Skype-Teilnehmer klingelt es – vorausgesetzt er ist eingeloggt und online. Nimmt er den Anruf entgegen, lässt sich bei guter Verbindungsqualität darüber hinaus ein Live-Video des Gesprächspartners einblenden, die Webcam macht’s möglich. Die Akustik eines solchen Gesprächs ist durchaus mit der eines Festnetztelefonats zu vergleichen und kann diese sogar auf Grund des breiteren Frequenzspektrums übertreffen. Ist die Verbindung schlecht, lassen sich zumindest Sofortnachrichten austauschen.

Nicht jeder hat oder nutzt Skype

Auch pfiffige Smartphones, auf denen ein Kommunikationsprogramm installiert ist, können zum Austausch kostenfreier Sofortnachrichten übers Internet oder zum Telefonieren über eine Datenleitung dienen. Skype läuft mittlerweile auf zahlreichen Geräten und Plattformen, darunter auch Apples iOS, Android und Symbian. Allerdings lässt die Sprachqualität beim mobilen Telefonieren öfters zu wünschen übrig. Der Grund: Auch das Smartphone baut wie der PC eine Datenverbindung auf. Ist die Signalstärke des Netzes gering, gibt es Probleme. Und Vorsicht: ohne Datenflatrate können diese mobilen Telefonate schnell teuer werden.

Eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Telegeography zeigt, dass bereits viele Menschen international über Skype kommunizieren. Schon 2008 waren es 33 Milliarden Telefonminuten. In den vergangenen zwei Jahren verdreifachte sich das Volumen auf 102 Milliarden Minuten. Skype gibt für 2010 weltweit 190 Milliarden Verbindungsminuten von Skype zu Skype an. Somit erfolgen mehr als die Hälfte der Skype-zu-Skype-Kommunikationen grenzüberschreitend. Insgesamt sollen 40 Prozent Videotelefonie beinhalten. Derweil ist das Wachstum für „klassische“ Auslandsgespräche gedämpft. Skype erobert also den Markt für internationale „Ferngespräche“.

Doch nicht jeder hat oder nutzt Skype. Wer seine Eltern (ohne PC) von Skype aus erreichen will, kommt ebenfalls zum Zuge. Man ruft von Skype aus die gewohnte Festnetznummer an, diese Brücke ins alte Telefonnetz ist allerdings kostenpflichtig. Kunden können zwischen unterschiedlichen Länder-, Europa- oder Weltpaketen für Fest- und Mobilfunknetz wählen, eine Abrechnung im Minutentakt ist möglich. Um die Bezahldienste zu nutzen, muss der Anwender erst mit elektronischem Lastschriftverfahren, Kreditkarte oder per Online-Zahlungssystem ein Skype-Guthaben, Gesprächminuten oder eine Flatrate erwerben. Die Tarife hängen nicht davon ab, von welchem Land aus der Reisende anruft, sondern davon, welche Ländervorwahl das Empfangsgerät hat. Ansonsten gestalten sich die Anrufe wie alle anderen Skype-Telefonate: Nach der Eingabe der gewünschten Nummer baut das Programm die Verbindung auf.

Für Deutschland liegt der günstigste Minutentarif von Skype ins Festnetz bei rund einem Cent die Minute. Eine monatliche „Flatrate“ ins deutsche Festnetz kostet 5,74 Euro, hat aber folgende Einschränkung: Sie umfasst sechs Telefonstunden täglich und höchstens 10.000 Minuten im Monat. Eine Minute ins deutsche Mobilfunknetz kostet 19,2 Cent pro Minute. Die Akustik hängt hier genauso wie bei Gesprächen von Skype zu Skype von der Internet-, Telefon- oder Funkverbindung ab. Nur in Ausnahmefällen konnte bei unseren Versuchen partout keine Verbindung aufbaut werden. Mobil hingegen bleibt die Sprachqualität doch oft auf der Strecke. Manchmal hilft es, das Gespräch zu unterbrechen und es gleich im Anschluss noch einmal zu versuchen.

Gerade für Geschäftsleute ein Manko

Auch die andere Richtung funktioniert, die Skype-Erreichbarkeit mit einer Festnetznummer und Ortsvorwahl. Solche virtuellen Rufnummern kann man sich ebenfalls einrichten lassen. Die Kosten betragen für drei Monate 17,25 Euro. Nach Ablauf des Abonnements bleibt die Rufnummer für den Anwender 90 Tage reserviert. Anrufer tippen nun einfach diese Nummer ein, und der Angerufene nimmt das Gespräch an seinem Computer über Skype entgegen. Der Anrufer zahlt also nur den Ortstarif, auch wenn das Gespräch in Argentinien entgegengenommen wird. Ruft der Besitzer der Online-Nummer allerdings über Skype auf Fest- und Mobilfunknummern an, wird seine Rufnummer den potentiellen Gesprächspartnern nicht auf dem Telefondisplay eingeblendet. Dies ist gerade für Geschäftsleute ein Manko, gibt es doch durchaus Kontakte, die Anrufe mit unterdrückter Rufnummer ignorieren. Die Anforderungen, um eine Online-Nummer zu erwerben, sind von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist ein Wohnsitz am Ort die Voraussetzung.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, seinem Gesprächspartner auch bei von Skype ausgehenden Anrufen eine deutsche Handynummer anzeigen zu lassen. Das Einrichten kostet in der Regel unter einem Euro. Doch wer möchte schon, dass ein Freund, Kollege oder Verwandter auf dem deutschen Handy anruft, wenn man im Ausland weilt? Der Nutzen der Funktion beschränkt sich somit zumeist auf Anwender, die sich in Deutschland aufhalten.

Extrem einfache Handhabung

Hilfreich für Anwender im In- und Ausland sind hingegen andere Funktionen, beispielsweise Anrufbeantworter, der Versand von Dateien über Skype oder die Bildschirmfreigabe für Gesprächspartner: Der Angerufene sieht den aktuellen Bildschirminhalt des Anrufers in seinem Videofenster und kann sich Bilder oder Grafiken anschauen, ohne dass diese extra als Datei übermittelt werden müssen. Neu ist jetzt das Angebot, eine Videokonferenz mit bis zu zehn Teilnehmern einzuläuten. Dafür muss mindestens einer der Beteiligten ein Premium-Abo oder ein Gruppen-Video-Abo für einen Monat abgeschlossen haben, Kostenpunkt 6,89 Euro. Die Handhabung ist extrem einfach, und die Qualität kann sich durchaus sehen lassen – von mobilen Verbindungen abgesehen.

Doch selbst wenn Skype viele Bezahldienste bietet: der Großteil der Kunden greift nur auf die kostenfreien Funktionen zurück. Das mag wohl daran liegen, dass ältere Skype-Versionen keine besonders klar strukturierte Bedienungsoberfläche besaßen. So fiel es etwa schwer, ein Länderabonnement für Telefonate ins Festnetz abzuschließen, weil nicht klar war, wo man das Zielland eintragen sollte. Mancher wird deshalb wohl einfach aufgegeben haben.

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