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Secret-Talents-Award Talentiert ist nicht gleich berühmt

30.01.2009 ·  Weil im Fernsehen nur noch Supertalente mit Peinlichkeitsfaktor auftreten, halten Youtube und Ulmen.tv mit dem Secret-Talents-Award im Internet dagegen. Die Gewinner wurden nun in Berlin real gefeiert. Starallüren fehlten ebenso wie protzige Preise.

Von Amelie Persson, Berlin
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Im Web 2.0 wird nicht mehr nur konsumiert, sondern partizipiert. YouTube ist das beste Beispiel dafür. Das Videoportal nutzt mittlerweile auch der Papst. Benedikt XVI. hat dort kürzlich einen Account eingerichtet, von dem Videos aus dem Vatikan gepostet werden. Doch selbst wenn auch Parteien, Fußballvereine und Musiklabels inzwischen Dependancen auf der Videoplattform haben, um sich dort zu präsentieren: das Gros der Nutzer ist unbekannt.

Während in Fernsehshows Supertalente mit Peinlichkeitsfaktor gecastet werden, bei denen als großer Gewinner meist lediglich der Veranstalter hervorgeht, wollte Youtube Deutschland mit dem Secret Talents Wettbewerb dagegen halten. Unter der Schirmherrschaft von Christian Ulmen, der sein Publikum längst im Internet gefunden hat und es mit seinem eigenen Videokanal ulmen.tv bedient, wurden die Nutzer im Internet dazu aufgerufen, ihr verborgenes Talent auf Video zu bannen und hochzuladen. 1.700 kamen der Aufforderung beim zum zweiten Mal stattfindenden Wettbewerb nach und reichten ihre selbstgedrehten Filmclips ein. 25 davon wurden von einer Jury ausgewählt und dem Youtube-Publikum zur Abstimmung übergeben. Am Donnerstag Abend präsentierte das Team in Berlin nun die Gewinner.

„Etwas berühmter zu werden“

Unter den Nominierten fand sich die hamburgerische Street Comedy von „griesshexe23“ neben „JanARnet“, der in seinem Heimstudio im Hobbykeller vor einem mit Tuch verhangenen Hintergrund sitzt. Das Talent spielt und singt am Keyboard scheinbar mühelos Hits nach - von Justin Timberlake bis Herbert Grönemeyer. Der Vokalkünstler „andreasdietrich“ sagt am Ende seines Teilnehmerbeitrags, dass Beatboxing sein Leben sei. Er betreibe dieses Hobby seit acht Monaten tagtäglich und sehe im Secret Talents-Wettbewerb ein Sprungbrett, um „etwas berühmter zu werden“.

Den Youtube-Wettbewerbern zuzusehen bedeutet in ihre Wohn- und Jugendzimmer zu schauen. Die schüchterne Karaokesängerin „KokonuTdaynight“ weiß, dass sie am besten im Profil aussieht. Sie neigt sich daher schräg der Webcam zu, im Hintergrund reihen sich Billy-Regale. Die kleine Melissa intoniert vor einer riesigen Glasvitrine im Wohnzimmer Alicia Keys. Inzwischen zwölf Jahre alt, ist sie mit ihrer Mutter zur Preisverleihung angereist und berichtet, dass sie schon seit drei Jahren singt und bei Juror Bohlen abgewiesen wurde.

Unkonventionell ist auch der Star des Abends

Beim Secret Talents-Award ist Melissa mühelos unter den 25 Finalisten gelandet und darf vor dem Berliner Cinestar über den roten Teppich laufen, neben Miss Germany, „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“-Darstellern (dessen Namen die Fotografen sich noch erfragen müssen) und Detlef Buck. Der Schauspieler, der zur Fußball-Europameisterschaft die Videoaktion „23 Tage“ auf Youtube mitorganisierte, sagt, er möge das Unkonventionelle an den Clips. Unkonventionell ist auch der eigentliche Star des Abends, Uwe Wöllner, eine der Kunstfiguren von Christian Ulmen.

Hauptgewinn des Secret Talent Wettbewerbs ist eine Gastrolle in einem seiner kurzen Filmclips, in denen Ulmen verkleidet als eine seiner Kunstfiguren in „Borat“-Manier für Peinlichkeiten sorgt. Uwe trägt zur Preisverleihung das übliche Outfit: eine riesige Nerd-Brille, einen struppigen Bart, ein kariertes Hemd mit Weste, hochgekrempelte Jeans und weiße Turnschuhe. In seiner Rede lobt er die Wettbewerbsteilnehmer dafür, dass sie ihre bürgerliche Existenz dem Talent opferten und sich gegen die Konventionen stellten.

Schüchterne Jungs von nebenan

Dabei traf dieser Satz eigentlich nur auf Uwe selbst zu, denn bei der Preisvergabe zeigte sich, dass die Talente von Platz eins bis drei allesamt nette, schüchterne Jungs von nebenan sind. Der drittplatzierte Friedrich Sacher (friedrichsacher: The Magic Touch), der mit digitalen Zaubertricks überzeugen konnte, gibt mit stark thüringischem Akzent zu, dass er schlichtweg ein „Computercrack“ sei. Das Einüben der auf dem Video gezeigten Tricks habe nur eine halbe Stunde gedauert. Ähnlich bescheiden treten Marc Plitt und Aaron Feit auf. Sie verdanken ihren zweiten Platz ihrer perfekt synchronen „Jumpstyle“-Performance (AMJumpen: The Ultimate Duojump). Mit viel Ausdauer präsentierten sie diesen Hüpftanzstil aus den Niederlanden.

Der erstplatzierte „BillMcSven“ (BillMcSven: Dice Stacking) gewann den Secret Talent Award für seinen geschickten Umgang mit Würfeln. Sein Video beweist, wie perfekt er den neuen Trend des „Dice Stacking“ beherrscht - das Übereinanderstapeln von etlichen Würfeln mit Hilfe eines Würfelbechers. Der schüchterne 12jährige erklärte, man benötige dafür spezielle „Casinowürfel“ ohne abgerundete Ecken und führte seine Künste dem Publikum live vor.

Sie haben es verdient

Aus der Schwemme der auf Youtube hochgeladenen Videos wurden hier drei heimliche Talente gekürt, die es verdient haben. Geheim sind sie nun nicht mehr, doch es wird kein Staranspruch vorgegaukelt, weil keiner vorhanden ist. Für einen Abend gilt alle Aufmerksamkeit ihnen, sie werden fotografiert, interviewt und gefeiert. Man merkt, dass ihnen die Anerkennung aus der echten Welt noch etwas fremd ist. Sie kannten sie bisher nur in Form von Klicks und Kommentaren aus der virtuellen Welt der User.

Die Gewinnerin des vergangenen Secret Talent-Wettbewerbs, Anna Coralee, erzählt, dass sich in ihrem Leben einiges geändert hat. Ein Geheimnis war ihr Talent schon vor dem Youtube-Wettbewerb nicht. Die 23jährige besuchte die „Hamburg School of Music“ und wurde als Keyboarderin für die Tour von Sarah Brightman engagiert. Einen eigenen Plattenvertrag hat die junge Sängerin noch nicht. Angebote habe es nach dem Secret Talent Award zwar gegeben, jedoch nichts, was ihr zusagte. Anna Coralee lässt sich nicht verbiegen. „Berühmt werden muss ich nicht“, sagt sie und ist glücklich darüber, dass sie inzwischen von der Musik leben kann.

Popexperte und Jurymitglied Jochen Schuster, der schon eine handvoll Demos mit sich herumträgt, sagt zwar, dass die Talentscouts heutzutage fleißig das Internet durchkämmen. Eine höhere Chance beachtet zu werden, hätten sie jedoch nur, wenn sie vor realem statt vor virtuellem Publikum auftreten. Kurz bevor sich die Party langsam auflöst, gibt Anna Coralee noch eine musikalische Kostprobe mit einem Song von Duffy. Daraufhin gibt Schuster ihr seine Karte. Das wahre Leben findet nun mal nicht im Internet statt.

Die Platzierungen:

1. BillMcSven
2. AMJumpen
3. friedrichsacher
4. Freestyleur24
5. LeaBecker
6. Airhan01
7. KokonuTdaynight
8. ElGuitaristo79
9. 000Slacker000
10. runeflax
11. michaelschulte
12. JanARnet
13. masataka953641
14. hardballattack
15. kbshowTV
16. pillidan
17. FabTheGap
18. Ciro129111
19. jbormann335
20. Froehlich89
21. andreasdietrich
22. cumioco
23. griesshexe23
24. andreasklein1978
25. emmilhc

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