17.03.2008 · Es muss nicht immer Nokia sein: Auch das Samsung-Handy SGH-i550 bietet das moderne Symbian-Serie-60-Betriebssystem. Zudem überzeugt das Mobiltelefon mit elegantem Design, hoher Verarbeitungsqualität und GPS-Navigation.
Von Michael Spehr„Nie wieder Nokia“, haben uns entrüstete Leser angesichts der Werksschließung in Bochum am Telefon oder über E-Mail zugerufen. Der Boykott wird nicht viel bringen, aber wenn es das Gewissen beruhigt, gibt es zum Glück noch andere Hersteller mit dem modernen Symbian-Serie-60-Betriebssystem.
Wir haben das SGH-i550 von Samsung ausprobiert: ein kreuzbraver Apparat in elegantem, schlichtem Design, der zunächst mit seiner hohen Verarbeitungsqualität viele Nokias klar in den Schatten stellt. Da wackelt und knarzt nichts, zwar sind die Tasten sehr schmal, aber präzise zu betätigen, es gibt keine offenliegenden Anschlüsse. Nur der leuchtende Trackball, der sich mit einem Finger drehen lässt, passt nicht zu einem Business-Telefon. Er ist sehr gewöhnungsbedürftig. Die Ausstattung weiß zu gefallen. Eine Kamera mit drei Megapixel ist an Bord, UMTS und HSDPA sorgen für viel Tempo in den Mobilfunknetzen, Bluetooth ist dabei, es fehlt nur Wireless-Lan (das kurioserweise in der asiatischen Variante vorhanden ist). Dafür spendierten die Koreaner dem schicken Schwarzen einen GPS-Empfänger für die mobile Navigation. Was die Bedienung und mitgelieferte Software betrifft, gehorcht das Samsung den üblichen Serie-60-Standards. Die Symbole sind etwas anders als bei Nokia, aber man kommt schnell zurecht. Eine gedruckte Bedienungsanleitung liegt dem Gerät übrigens nicht bei.
Sprachwahl und -bedienung deutlich besser als bei den Finnen
Etliche praktische Details, die man von Nokia-Handys kennt, fehlen ebenfalls: beispielsweise die „Plugins“ für den Startbildschirm, die bei den Finnen unerledigte Aufgaben oder neue E-Mails zeigen. Oder der Setup-Assistent, der die Einrichtung des Internet-Datenkontos erleichtert. Es gibt ferner keine Blackberry-Software, und die vielen schönen Extras von Nokia laufen allesamt nicht: der Sports Tracker so wenig wie Mail for Exchange oder der Treiber für eine Bluetooth-Tastatur. Voice over IP ist nicht vorhanden, obendrein wird das Telefon-Backup auf Speicherkarte vermisst. Hingegen ist die Sprachwahl und -bedienung deutlich besser als bei den Finnen.
Die Kamera macht leicht blaustichige, aber sonst gute Fotos, wobei die lange Wartezeit bis zum Start des Programms ebenso stört wie eine zweite Warteschleife, die sich der Autofokus genehmigt. Genug Platz für Bilder, Audio und Video bietet die Micro-SD-Karte. Ärgerlich ist der proprietäre USB-Anschluss, das übliche Mini-USB-Kabel passt nicht. Auch läuft die beiliegende Synchronisationssoftware nicht, wenn sich auf dem Rechner die Variante eines Mitbewerbers findet.
Der große Pluspunkt und die Wermutstropfen
Aber nun zum großen Pluspunkt, dem eingebauten GPS-Empfänger. Bei der ersten Inbetriebnahme benötigt er sehr lange (bis zu 30 Minuten) zur Positionsbestimmung, fortan geht die Ortung aber deutlich schneller. Meist ist nach zwei Minuten das Signal da, und dann kann man sich mit der vorinstallierten Navigon-Software Mobile Navigator 6.7 bequem zum Ziel führen lassen. Es ist eines besten Handy-Navis mit klaren und präzisen Anweisungen, einer übersichtlichen Bildschirmdarstellung und vielen Extras (Hinweise aufs Tempolimit mit einer programmierbaren Warnfunktion und Fahrspurassistenten). Nur ist die Eingabe von Straße und Ort mit dem Trackball etwas fummelig. Im praktischen Einsatz machte Navigon eine hervorragende Figur. Ganz selten kam es – wie bei den Nokias mit eingebautem GPS – für einige Sekunden zu Problemen wegen schlechten Satellitenempfangs.
Zwei Wermutstropfen: Die Software liegt nur als Testversion bei, die Vollversion kostet 70 Euro (Deutschland, Österreich, Schweiz) oder 100 Euro (Europa). Und weiterhin saugt (wie bei den Nokias) GPS den Akku sehr schnell leer. Länger als drei Stunden kann man nicht navigieren. Ohne die Satellitenortung hält der Kraftspender rund anderthalb Tage. Alles in allem ist das Samsung für rund 300 Euro ein überzeugendes Gerät, wenngleich viele Nokia-Extras fehlen und der Trackball nervt. Aber die Verarbeitungsqualität ist deutlich besser als bei den finnischen Modellen mit eingebautem GPS, und so kann man hier getrost zugreifen.