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Samsung Galaxy S Ein neuer Stern am Androiden-Himmel

21.07.2010 ·  Leuchtstark, satt, kräftig: Das neue Spitzenmodell von Samsung ist das GT-I 9000 Galaxy S. Es setzt mit seinem tollen Super-Amoled-Display neue Maßstäbe. Ein Blick auf das Smartphone mit Android-Betriebssystem.

Von Michael Spehr
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Samsung ist in vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik ungemein erfolgreich. Die Produkte sind überzeugend, gut und glänzen mit schicken Extras. Die Koreaner haben jedoch ein Problem: Sie stehen sich häufig selbst im Weg und wissen nicht, wohin die Reise gehen soll. Deshalb landen sie oft auf dem dritten oder zweiten Platz und nur selten auf dem ersten. Im Mobilfunk setzt Samsung auf mehrere Produktlinien: zum einen auf günstige Handys der Einsteiger- und Mittelklasse mit einem proprietären Betriebssystem. Sodann auf das Eigengewächs Bada, eine ordentliche Plattform (mit Multitasking und Apps), die innovativ, spannend und schnell ist, aber nur eine Nischenexistenz führt. Und schließlich auf Android, das offene Betriebssystem, das derzeit eine geradezu atemraubende Karriere macht und sich bestens gegen Apples iOS 4 behauptet.

Das neue Android-Spitzenmodell von Samsung ist das GT-I 9000 Galaxy S, wir haben es einige Zeit ausprobiert. Sein Trumpf ist das Super-Amoled-Display, das hinsichtlich Sättigung, Leuchtstärke und Farbwiedergabe alles in den Schatten stellt, was wir bislang auf einem Smartphone gesehen haben. Kurze Videos aus dem Internet zeigen sich damit so brillant wie auf den besten TV-Geräten, man staunt. Ein herkömmlicher Amoled-Bildschirm wirkt dagegen blass und geradezu ausgewaschen.

Auch draußen bei strahlendem Sonnenschein überzeugte uns die Super-Amoled-Technik. Sieht man auf älteren Amoled-Geräten bei sehr heller Umgebung fast nichts, lässt sich das Galaxy S so ordentlich ablesen wie ein konventionelles LC-Display. Also ein klarer Pluspunkt, zumal die Anzeige mit einer typischen Android-Auflösung von 480 × 800 Pixel kommt - und mit einer Diagonale von zehn Zentimeter aktuelle Top-Smartphones wie das HTC Desire oder das iPhone 4 um einen Zentimeter überragt. Das Galaxy S ist folglich ein bisschen höher und breiter (12,2 × 6,4 × 1 Zentimeter) als beispielsweise das HTC Desire und gerade noch hosentaschentauglich.

Da kommt gleich der erste Patzer

Man möchte nach diesem schönen Anblick gern weiter schwelgen, aber da kommt gleich der erste Patzer: Zwar ist das Galaxy S insgesamt gut verarbeitet und die Kombi-Buchse für USB-Kabel und Ladeanschluss sogar mit einem kleinen Schieber vor Staub geschützt, aber seine Rückseite besteht aus hauchdünnem, billigem Plastik. Das passt einfach nicht. Im Unterschied zu anderen Androiden verzichtet Samsung auf einen Trackball zur Cursorsteuerung, und man muss sich mit drei Tasten bescheiden. Die obligate vierte für die Suchfunktion fehlt also, hier ist stets der Umweg über ein Menü zu gehen. Alle Apps lassen sich auf sieben Bildschirmseiten verteilen, und à la iPhone sind drei Programme (Telefon, SMS und Kontakte) fest am unteren Bildschirmrand verankert - aber leider nicht gegen andere Favoriten auszutauschen. Viele Symbole hat Samsung neu zeichnen lassen; und vor allem: Jede Menge Zusatzsoftware ist bereits installiert, man staunt über die Fülle der Möglichkeiten. Das wohl interessanteste Extra ist die Einbindung von DLNA (Digital Living Network Alliance) mit der Möglichkeit, alles Multimediale via Wireless-Lan im Heimnetzwerk zu verschicken und zu empfangen.

Auch beim Speicherplatz keine Spur von Geiz: Von 325 Megabyte (MB) Arbeitsspeicher blieben bei uns mehr als 100 MB frei, und der sonst (etwa beim HTC Desire) knappe "Festplattenbereich", den alle installierten Programme nutzen, liegt bei sage und schreibe 2 Gigabyte. Aber es kommt noch besser: weitere 6 Gigabyte werden als interne SD-Karte angesprochen, und natürlich kann man noch einmal mit eigenen Micro-SD-Karten aufstocken. Dass das Galaxy S mit einem 1-Gigahertz-Prozessor arbeitet, macht sich natürlich mit einem aberwitzig hohen Arbeitstempo bemerkbar. Mit dem Finger fegt man geradezu durch die Menüs, es ist eine Freude. Der von Samsung eingesetzte Hummingbird-Prozessor ist vor allem bei anspruchsvollen Spielen deutlich schneller als der ebenfalls mit 1 Gigahertz getaktete Snapdragon in den HTC-Modellen der Oberklasse. Die Ausstattung mit Wireless-Lan, Bluetooth, GPS und UMTS (mit HSDPA bis zu 7,2 MBit/s) ist vollständig, auch die neue Google-Navigation mit Maps läuft einwandfrei. Eine wunderbare Überraschung: Das Galaxy S ist das erste von uns geprüfte Android-Modell, das mit dem Bluetooth-Profil Sim Access aufwartet, sich also mit den allerfeinsten Freisprechanlagen der Werksausstattung versteht.

Sogar Sim Access ist an Bord

Obwohl das nicht brandneue Android 2.1 zum Einsatz kommt (Version 2.2 wird nachgeliefert), ist das Samsung für den geschäftlichen Einsatz gerüstet. Wie beim Motorola Milestone wird mit der Exchange-Anbindung an den Unternehmensserver auch der Kalender synchronisiert, und im Unterschied zum Motorola sind alle Kontakte nach dem Nachnamen sortiert. Wer verschiedene Datenkonten parallel abfragt, findet sämtliche Einträge in einer einheitlichen Darstellung vor, das gefällt. Viele kleine Pluspunkte entdeckt man erst auf den zweiten Blick: etwa die Verknüpfung von Kontakten mit Aktivitäten oder Medien. Bei der E-Mail mit Exchange sind einige Samsung-Eigenheiten weniger schön: etwa die Darstellung der Outlook-Unterordner in einem horizontalen Laufband, die sehr unübersichtlich ist. Ferner lassen sich PDF-Anhängsel nur auf Umwegen betrachten. Was erst bei Android 2.2 zur Serienausstattung gehört, ist hier schon eingebaut: Das Samsung lässt sich unterwegs als W-Lan-Hotspot einsetzen, reicht also Daten vom Mobilfunknetz via Wireless-Lan an andere Geräte weiter.

Für das Schreiben von SMS und E-Mail gibt es neben der gewohnten Tastatur die neue Swype-Texteingabe, die man unbedingt ausprobieren sollte, eine spannende Idee. Ferner steht eine wenig überzeugende Handschrifterkennung parat. Deutlich liebevoller ist die Kamera-Abteilung gestaltet, hier gibt es in den Menüs und Optionen das volle Programm, einschließlich Selbstauslöser, Bildstabilisator und Lächelerkennung. Mit 5 Megapixel löst die Optik auf, die Bildqualität ist gut, wenngleich ein Blitz fehlt. Videos lassen sich mit 720p und 30 Frames je Sekunde aufnehmen, und für Videotelefonate ist eine Zweitkamera an der Vorderseite eingebaut. Der Lithium-Ionen-Akku mit 1500 Milliamperestunden hält mindestens einen Arbeitstag durch, und die Akustik bei Telefonaten ist gut. Ingesamt holt sich das Galaxy S damit einen sicheren Platz in der Android-Oberklasse, und der Preis von etwas weniger als 500 Euro ist heiß. In vielen Details ist das Samsung den aktuellen HTC-Geräten deutlich überlegen. Ein Tipp an die Koreaner jedoch: sich nicht verzetteln, die selbstgebauten Verschönerungen des Betriebssystems zumindest deaktivierbar machen und in Sachen Hardware auf die Details achten.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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