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Router „Fritzbox“ Der leise Charme der roten Kästchen

17.02.2008 ·  Von einem Router für den Internetzugang erwartet man nicht viel. Wer aber nur einmal eine „Fritzbox“ von Hersteller AVM in den Fingern hatte, ist sofort begeistert. Wir werfen einen Blick auf nützliche Zusatzprogramme für die Fritz-Familie.

Von Horst Brandl
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Es wäre schön, wenn die Fritzbox auch noch Bier holen könnte, war eine Reaktion auf die neuen Funktionen, die Hersteller AVM seinem Multifunktionstalent spendierte. Bier holen kann sie zwar immer noch nicht, aber die Funktionsvielfalt ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Gemeint sind die DSL-Router des Berliner Herstellers. Seit 2004 das erste Modell vorgestellt wurde, erfreut sich die Fritzbox wachsender Beliebtheit bei PC-Nutzern, die über DSL ins Internet kommen: Schnell zu installieren, trotz vieler Funktionen selbst für Laien leicht zu bedienen, wurde sie im Handumdrehen zum meistverkauften DSL-Router in Deutschland. Allerdings packt der Hersteller nicht mehr alles in ein Gerät, sondern lässt dem Anwender die Wahl aus einer Palette von nicht weniger als 12 Modellen.

Ist die Einstiegsversion ein Router mit DSL-Funktion, mutierte die Ende 2007 präsentierte Topversion 7270 zur eierlegenden Wollmilchsau für Kommunikation, die schon durch ihre drei Stummelantennen Aufmerksamkeit erregt. Das kleine, modern anmutende Gehäuse birgt inzwischen einen DSL-Router mit LAN- und WLAN-Anbindung sowie USB-Anschluss für Drucker, Festplatte und Speicherstick, Internettelefonie ist vorhanden und sogar eine Basisstation für schnurlose Telefone. Vor allen Dingen bleibt die Funktionsvielfalt für den mittelmäßig begabten PC-Nutzer beherrschbar. Großen Anteil daran hat die Bedienungsoberfläche der Software, die knappe, aber verständliche Erklärungen liefert und den Expertenmodus erst auf Wunsch offenlegt.

Anruflisten auf dem PC speichern

Wem selbst das noch zu trivial erscheint, der kann sogar auf die Betriebssystemebene herabsteigen. Versierte Programmierer liefern deshalb immer wieder interessante Erweiterungen, die der findige Hersteller gern als Ideen aufnimmt und in die regelmäßigen kostenlosen Updates integriert.

„JFritz“ (www.jfritz.org) ist eine solche von einem Hobbyprogrammierer kreierte Anwendung. Mit Hilfe dieser Software speichert man die Liste der Anrufe im PC. Über eine automatische oder für den jeweiligen Eintrag aktivierbare Rückwärtssuche wird der Name und die Adresse des Anschlussinhabers ermittelt. Wie JFritz auf einen Anruf reagiert, ist wählbar. Es reicht von einer einfachen Nachricht zur Anzeige aller verfügbaren Daten bis zum Start eines weiteren Programms, das dann etwa die Information über E-Mail weiterleitet. Die Anrufliste kann in verschiedene Dateiformate exportiert und dadurch mit anderen Programmen benutzt werden. Im Gegensatz zu manch anderer Dritthersteller-Software für die Fritzbox setzt JFritz keine Veränderung der „Firmware“ voraus. In der Programmiersprache Java entwickelt, lässt sich das Programm mit unterschiedlichen Betriebssystemen einsetzen.

Mit Software Telefonkosten sparen

Zum Reduzieren von Telefonkosten empfiehlt sich „Least Cost Routing“ für die Fritzbox. Zwar bieten die Fritzboxen bereits von Hause aus einen Wahlplan, in den sich die Vorwahlen für Call-by-Call-Anbieter in Zeittabellen eintragen lassen. Das ist aber nur eine Notlösung, denn die Tarife ändern sich schnell. Komfortabel ist hingegen echtes Least Cost Routing, wenn es die Daten selbständig aktualisiert: Kostenlose Software für diese Aufgabe findet sich auf www.telefonsparbuch.de. Sie erweitert die Fritzbox um ein echtes tages- und zeitabhängiges Routing. Das Programm arbeitet unabhängig von einem angeschlossenen PC und prüft stündlich, ob sich die Tarifdaten geändert haben, und aktualisiert die LCR-Steuerdatei automatisch.

Auch der Hersteller AVM greift solche Ideen auf und bietet sie dann selbst an. So ist sein „Fritzbox-Monitor“ allerdings nicht mit einer solchen Funktionsvielfalt ausgestattet, arbeitet aber dafür problemlos mit jedem Modell der Fritzbox-Reihe zusammen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass AVM solche Zusatzprogramme kostenlos anbietet, allerdings keinen Support dafür leistet.

Auf der Internetseite von AVM schlummern noch weitere Perlen. So stattet Fritzfax die Geräte mit Fax-Funktionalität aus, damit kann man Fernkopien ohne Computerhilfe oder eigenständiges Faxgerät empfangen. Die Fritzbox nimmt die Faxe entgegen, leitet sie an eine beliebige E-Mail-Adresse weiter oder speichert sie auf einem USB-Stick. Die Papierersparnis liegt auf der Hand.

Benachrichtigung aller Arten von Ereignissen

Auch kann die Fritzbox Sprachnachrichten, die der ebenfalls nachrüstbare Anrufbeantworter aufgezeichnet hat, automatisch an eine E-Mail-Adresse weiterleiten. Sie hängt dann als WAV-Datei an einer E-Mail und lässt sich mit Mausklick wiedergeben. Damit ist die Auskunftsfreude des Geräts noch nicht erschöpft: Der „Push-Service“ benachrichtigt auf Wunsch täglich, wöchentlich oder monatlich über Verbindungen, Online-Zähler und alle Arten von Ereignissen, die das Betriebssystem der Fritzbox erlebt hat. Auf Wunsch kann der Anwender über Netzwerk oder Internet auf seine heimische Box zugreifen.

Wer häufig telefoniert, wird den TAPI-Monitor schätzen lernen. TAPI steht für „Telephony Application Programming Interface“. Von Microsoft Windows 95 an wurde diese Schnittstelle in das Betriebssystem integriert. Telefone lassen sich damit über den PC ansteuern, mit Programmen wie Outlook kann man Kontakte anrufen oder auf eingehende Anrufe reagieren, also beispielsweise die zugehörige Adresskarte des Anrufers einblenden.

Der Kunde fungiert als Tester

Neuerungen testet der Hersteller mit sogenannten Laborversionen. Hier präsentiert AVM vorab mögliche künftige Features zum Ausprobieren. Die Kunden fungieren damit als Tester. So findet sich beispielsweise eine Version zum Aufbau eines VPN, eines Virtual Private Network, das häufig eingesetzt wird, um von zu Hause aus einen sicheren Zugriff auf die Server im Büro zu erhalten.

Die Software der Fritzbox wird von manchen Anwendern neu gestrickt. Sogenannte MODs sind eher hartgesottenen Anwendern zu empfehlen. Eine sehr bekannte Fritzbox-Variante hat Andreas Baginski programmiert. Dabei handelt es sich um einen webbasierten Assistenten, der nach einem ausführlichen Frage-Antwort-Spiel ein neues Pseudo-Firmware-Update zusammenstellt. Damit werden die gewünschten Modifikationen auf die Box übertragen. Pseudo-Firmware-Update bedeutet in diesem Fall, dass nur Speicherbereiche im Firmware-Speicher modifiziert werden, die von AVM zum Ausprobieren neuer Software-Module reserviert sind.

Der Wunsch nach Bier wird fast erfüllt

Baginski hält sich damit konsequent an die Sicherheitsvorgabe, keine Datei der Original-Firmware zu verändern. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Fritzbox auch abenteuerliche Konfigurationen übersteht und in den Auslieferungszustand zurückversetzt werden kann. Interessant ist zu wissen, dass manche Wiederverkäufer bei sogenannten Bundle-Geräten einzelne Funktionen von AVM sperren lassen. Beispielsweise angepasste Eingabefelder für alternative Provider. Die Modifikation stellt das Branding wieder auf „AVM“ um - und schaltet damit alle Funktionen frei.

Wer sich zu eigenen Modifikation seiner Fritzbox animiert fühlt, sollte folgenden Tipp parat haben: Auch mit einem angeschlossenen Telefon lässt sich die Box in den Auslieferungszustand zurücksetzen. Mit der Tastenkombination #991*15901590*. Übrigens reagiert die Fritzbox durchaus auf den eingangs erwähnten Wunsch, Bier zu holen. Nach Eingabe von #96*6* erscheint auf dem Fritzbox-Telefon der Text „Bier holen“. Je nach Uhrzeit allerdings auch die Antwort „Kein Bier vor 4“.

Das kommunikative Dutzend

AVM verkauft seine DSL-Router unter der Sammelbezeichnung „Fritzbox“. Die erste Fritzbox wurde auf der Cebit 2004 vorgestellt. Entgegen den damals üblichen DSL-Modem war die Fritzbox von der ersten Version an ein Router. Sie wählt nicht nur auf Wunsch eigenständig den Provider an und stellt die DSL-Verbindung her, sondern fungiert als Verteiler für mehrere PCs. Schon im Einstiegsjahr wurde die Modellreihe erweitert mit Varianten für Wireless-Lan, um PCs über ein Funknetzwerk einzubinden. Ferner gab es früh die Internettelefonie, Voice over IP. Der neu hinzugekommene USB-Anschluss ab Modell 7170 erweitert die Routerfunktion und stellt den Computern im heimischen Netzwerk auch Drucker, Festplatten und Speichersticks bereit. Letztere sogar über Internetzugriff.

Das Betriebssystem der Fritzbox basiert auf Linux, ist frei zugänglich und für versierte Programmierer erweiterbar. Ende 2007 erschien das Modell 7270, das neue Flaggschiff der auf zwölf Produkte gewachsenen Reihe. Erstmals kommt ein Modell mit TI-UR8-Chipsatz zum Einsatz. Er trägt der rasant wachsenden Funktionsvielfalt Rechnung und bietet eine höhere Leistung gegenüber dem bisher verwendeten TI-AR7-Chipsatz. Fritzboxen gibt es in anderer Bauform und mit individueller Software auch von vielen kleinen Internet-Providern. Eine Modellübersicht zeigt die Internetseite des Berliner Unternehmens (www.avm.de).

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.02.2008, Nr. 6 / Seite V14
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