Das Phänomen ist schnell nachvollziehbar: Man fährt seinen PC herunter, und plötzlich ändert sich der gesamte Raumeindruck. Der Hintergrundlärm fehlt, es herrscht Stille. Die meisten Computer sind zu laut, und eine kontinuierliche Belästigung, die einen den ganzen Tag begleitet, kann das Wohlbefinden und die Konzentration nachhaltig beeinträchtigen. Wir hatten schon vor etwas mehr als zwei Jahren nach einer Alternative gesucht und damals einen lautlosen Rechner von Silentmaxx vorgestellt - und schließlich privat erworben. Das gute Stück mit einem Core-2-Duo-Prozessor von Intel läuft im Heimbüro seither problemlos. Wie wir damals schrieben: „Nur wenn man ein Ohr ans Gehäuse hält, ist die Festplatte ganz leise zu vernehmen. Selbst im Dauereinsatz über Stunden hinweg ändert sich daran nichts.“
Nun stand abermals ein Neukauf an, denn die alte XP-Maschine wurde zum Experimentier-Rechner, und der neue PC sollte mit dem neuen Intel Core-i5-Prozessor unter Windows 7 laufen. Den Rechner kann man bei Silentmaxx im Internet konfigurieren, und wir wählten das Fanless-Intel-System i490S, das in der kleinsten Basisausstattung 640 Euro kostet und sich mit Core-i3- und Core-i5-Prozessoren bestücken lässt. Vier Gigabyte Arbeitsspeicher sind Serienausstattung. Acht Gigabyte sind nur dann empfehlenswert, wenn man Windows 7 in der 64-Bit-Variante wählt, was wir aus Kompatibilitätsgründen nicht taten. Auch bei der Grafikkarte beließen wir es bei einer eher sparsamen Ausstattung. Statt einer eigenständigen GeForce oder Radeon nahmen wir die im Prozessor einbettete Grafikeinheit HD 2000, die zur Sandy-Bridge-Architektur dazugehört.
Aus dem nahezu unhörbaren PC wird ein nahezu lautloser
Unser Wunsch-PC kam mit dem neuen Gigabyte-Mainboard 1155 und Z68X-Chipsatz, das von Haus aus mit Anschlüssen aller Art bestens ausgerüstet ist: Firewire, E-Sata, HDMI und DVI sowie USB 3.0 sind an Bord, mehr braucht man nicht. Ein optisches Laufwerk von LG ist Standard bei Silentmaxx. Wer die neuen Bluray-Scheiben wiedergeben will, zahlt einen kleinen Aufpreis (46 Euro), und für das Beschreiben dieser Medien gibt es den Zehnfach-Bluray-Writer für moderate 66 Euro. Bei unserem Wunsch-PC kamen ferner ein W-Lan-Modul und ein Speicherkarten-Leser hinzu.
Bezüglich der Lärmentwicklung ist die Festplatte der wichtigste Unterschied zwischen dem alten Silentmaxx und dem neuen. Vor zwei Jahren mussten wir auf eine 3,5-Zoll-Festplatte zurückgreifen. Nun gibt es neben SSD-Speichern auch kleine Notebook-Festplatten für die Desktop-Maschine, und wir wählten das 500-Gigabye-Modell Samsung Momentus. Wie gehabt wird die Festplatte von Silentmaxx mit einer Wärmeleitfolie versehen und in einem Aluminiumgehäuse mit verrippten Außenseiten verstaut. Die Box heißt „HD Silencer“. Im Rechner wird sie mit Gumminoppen aufgehängt, so übertragen sich die Vibrationen nicht aufs Gehäuse. Der Unterschied zwischen Groß und Klein ist jedoch trotzdem hörbar: Aus dem nahezu unhörbaren PC wird ein nahezu lautloser. Am Schreibtisch hören wir von dem Neuen nichts. Man muss schon auf die blaue Leuchtdiode an der Vorderseite achten, um zu erkennen, ob er ein- oder ausgeschaltet ist.
Ein lautloses SSD-Laufwerk, das mit Flash-Speicher arbeitet, ist bei Silentmaxx in Kapazitäten von 64 bis 512 Gigabyte erhältlich. Das kleinste Medium lässt sich beispielsweise als Boot-Festplatte für Windows und eigenen Programme einsetzen, während die Daten auf einer zweiten herkömmlichen Platte gespeichert werden. Dieser Trick beschleunigt das Hochfahren des PCs ungemein. Aber uns ist die SSD-Technik noch zu unsicher, Klagen über Ausfälle häufen sich.
Schalldruckpegel in Dezibel irreführend
Das gesamte System kostete schließlich mit Windows-Lizenz 1050 Euro, also ungefähr doppelt so viel wie ein Gerät von der Stange in den großen Märkten. Nachdem wir vom ersten Silentmaxx und der Stille im Arbeitszimmer vollends überzeugt waren, haben wir über diesen Aufpreis nicht lange nachgedacht, die Ruhe ist es uns wert. Wir hatten in der Zwischenzeit mit einem iMac von Apple geliebäugelt, aber der ist lauter.
Wer bei den einschlägigen Tests der Fachzeitschriften nach leisen PCs sucht, sollte nicht auf den Schalldruckpegel in Dezibel achten. Er ist irreführend. Als sinnvolle Messgröße gilt vielmehr die psychoakustische Lautheit, die in Sone gemessen wird. Der Lautstärke eines Sinustons mit der Frequenz 1 Kilohertz und einem Schalldruckpegel von 40 Dezibel wird die Lautheit 1 Sone zugeordnet. Ein doppelt so laut empfundener Schall hat eine Lautheit von 2 Sone. Für Lautheiten kleiner als 1 Sone gilt die lineare Skalierung nicht. Hier führen schon kleine Änderungen des Pegels zu einer Verdoppelung oder Halbierung des Lautheitseindrucks. Die Lautheit in Sone liefert also sichere Anhaltspunkte für die akustische Beurteilung eines PCs. Ein leiser PC liegt bei 0,5 bis 1,0 Sone, und der Silentmaxx liegt im Dauerbetrieb unterhalb der Messgrenze von 0,1 Sone.
Ein solcher Apparat wiegt gut zehn Kilogramm
In Rheinbach entwickelte Silentmaxx seit den neunziger Jahren zunächst lüfterlose Netzteile und ging dann vor zehn Jahren zum Bau von Komplettsystemen über. Das Know-how und die Auswahl hochwertiger Komponenten sind bei einem lautlosen PC die wichtigsten Faktoren für den Erfolg. Das neue wie das alte Modell verwenden ein 500-Watt-Netzteil ohne Lüfter, es befindet sich nun unten an der Vorderseite. Die Kühlung des Prozessors übernimmt ein passives, ebenfalls lüfterloses System, das aus Wärmeleitröhrchen (Heatpipes) und einer Kühlfläche aus Aluminium besteht, die wiederum mehr als einen halben Quadratmeter umfasst. Das filigrane System eignet sich zur passiven Kühlung von Prozessoren mit einer Verlustleistung von maximal 100 Watt - und muss vor dem Transport mit Styroporstützen gesichert werden. Hatte unser erstes Gerät noch eine Schwerfolie mit hohem spezifischen Gewicht zur Dämmung und Dämpfung an den Innenseiten, ist diese nun entbehrlich. Trotzdem wiegt ein solcher Apparat gut zehn Kilogramm.
Unser Eindruck nach zwei Monaten im Dauereinsatz ist uneingeschränkt positiv. Dass das Betriebssystem sauber, also ohne Crapware und Werbe-Zugaben mit allen aktuellen Updates aufgespielt war, sei nur am Rande lobend erwähnt. Es gab bisher nicht ein einziges Problem, und der Hersteller bietet während der zweijährigen Garantiezeit auch einen Abholservice für den Fall der Fälle an.
Enjoy the Silence
Renee Claude (recla)
- 08.09.2011, 17:02 Uhr
Eines wundert mich doch sehr
Elahad Mayer (Elahad)
- 08.09.2011, 16:16 Uhr
Kompromisse sind auch möglich
Jim Greek (Jos_Vik)
- 08.09.2011, 13:24 Uhr
Wohl falsch beraten,...
W. Müller (drschagg)
- 08.09.2011, 13:08 Uhr
@Karsten Krug (kkrug)
Andreas Tepe (NetFox)
- 08.09.2011, 12:33 Uhr