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Nokia N900 Leider schlecht bedienbar

09.12.2009 ·  Nokia hat in diesem Jahr nicht ein einziges Handy herausgebracht, das wir uneingeschränkt empfehlen können. Das neue N900 für 600 Euro haben wir nur deshalb bestellt, weil erstmals auf Linux basierendes Betriebssystem zum Einsatz kommt.

Von Michael Spehr
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Nokia hat in diesem Jahr nicht ein einziges Handy herausgebracht, das wir uneingeschränkt empfehlen können. Das neue N900 für 600 Euro haben wir nur deshalb bestellt, weil erstmals jenseits des alten Symbian ein neues, auf Linux basierendes Betriebssystem namens Maemo zum Einsatz kommt. Aber nach einigen Tagen ist uns die Lust am Neuen gründlich vergangen.

Schon bei der Inbetriebnahme stellt man einen grundlegenden Konstruktionsfehler fest: Das Gerät mit Seitentastatur liegt wegen der rückseitig hervorstehenden Objektivabdeckung nicht plan auf dem Tisch, sondern wackelt und kippelt, wenn man mit den winzigen Tasten arbeiten will. Es hat zudem keine eigenen Telefontasten, man muss stets ins Menü gehen. Die nächste Überraschung: Der angebotene Datenabgleich mit Mail for Exchange funktionierte bei unserem N900 nicht. Von Google ließen sich immerhin die E-Mails laden, aber Kontakte und Kalendereinträge ebenfalls nicht. Word- und Excel-Anhängsel lassen sich mit der mitgelieferten Demo-Software (die eine Registrierung mit Name und Adresse verlangt) nur für 30 Tage ansehen. Der Internet-Browser beherrscht kein Multitouch und zeigt beispielsweise bei faz.net nur einen einzigen Artikelanreißer statt drei bis vier wie bei den Konkurrenzprodukten.

Das E-Mail-System kommt mit der HTML-Formatierung nicht zurecht. Telefonnummern in der E-Mail-Nachricht lassen sich nicht mit einem Fingertipp anwählen. Es gibt keine ordentliche Anrufliste. Hatten wir uns bei älteren Nokias stets über die falschen Symbole in den Anruflisten beschwert, ist hier alles noch schlimmer geworden: Es gibt nun gar keine Möglichkeit mehr, herauszufinden, ob einen der Kollege vom Büro aus oder mit seinem privaten Handy angerufen hat. Diese Liste der kleinen und großen Schwierigkeiten ließe sich beliebig weiterführen.

Das Display wechselt selbsttätig ins Querformat

Das K.o.-Kriterium für das N900 ist seine Bedienung. Sie ist weder konsequent auf den Stift zugeschnitten noch auf den Fingereinsatz. Herausgekommen ist dabei ein unzumutbares Mischmaschsystem, jedenfalls für Leute, die älter als 30 Jahre sind. Für einen Großteil der Menüaufrufe wechselt das Display des N900 selbsttätig ins Querformat, auch wenn man das gar nicht will. Wenn man mit dem Finger oder Stift über eine Menüleiste streicht, unterscheidet das Gerät nicht hinreichend präzise, ob man nun die Inhalte nach unten rollen oder einen Eintrag auswählen will. Ständig landet man in falschen Menüs, und dann sucht man eine rettende Escape-Taste für den Schritt zurück vergebens. Das alles ist eine Qual.

Es mag sein, dass das N900 mit seinem Multitasking und seinen verschiedenen virtuellen Desktop-Oberflächen, mit seiner 5-Megapixel-Kamera und seiner nahezu vollständigen Ausrüstung ein gutes Gerät ist. Wir haben es einige Tage durchaus wohlwollend ausprobiert, aber wir meinen, dass es mittlerweile gewisse Standards bei den Smartphones gibt, hinter die man bei der Bedienung nicht mehr zurückgehen kann. Man muss nicht einmal das iPhone bemühen. Das neue Motorola Milestone, der Palm Pre oder das HD 2 von HTC sind Produkte, die man nach einer halben Stunde so weit im Griff hat, dass sie Spaß machen. Mit dem N900 ist das nicht der Fall.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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