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Nokia E71 Das derzeit beste Symbian-Handy

29.07.2008 ·  Die wichtigste Neuerscheinung der Finnen seit dem Communicator E90, und es schlägt ihn sogar um Längen: Nokias E71 erfüllt fast alle Ansprüche an ein mobiles Arbeitsgerät. Es hat eine üppige Ausstattung und einen langen Atem.

Von Michael Spehr
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Nokia hat sich gewaltig angestrengt – herausgekommen ist dabei das derzeit beste Symbian-Handy. Es ist die wichtigste Neuerscheinung der Finnen seit dem Communicator E90, und es schlägt ihn um Längen. Die Rede ist vom E71 für rund 450 Euro. Bei dem Gerät im Blackberry-Format ist den Finnen die Quadratur des Kreises gelungen: Die Mini-Tastatur unterhalb der Anzeige erlaubt eine flüssige Texteingabe (mit etwas Akrobatik und wenn man nicht zu große Finger hat), obwohl das E71 deutlich schmaler und flacher ist als der Vorgänger E61 und viele Blackberrys.

Mit 5,7 × 11,4 × 1 Zentimeter und 127 Gramm passt das E71 prima in die Hosentasche und erfüllt damit die Ansprüche an ein mobiles Arbeitsgerät, das nicht zum Ballast wird (wie das E90). Erfreulich zudem die Verarbeitungsqualität: Eine Metalleinfassung schützt das Kleinod, und die rückseitige Abdeckung für den Akku sitzt endlich perfekt (im Unterschied zum E61). Ein weiterer Pluspunkt ist die Vier-Wege-Wippe, die als Cursorersatz dient. Beim E61 kam ein Joystick-Knubbel mit grauenhafter Anmutung zum Einsatz, beim E90 reagierte die Wippe unpräzise. Nun gibt es endlich ein Steuerungselement, mit dem man sehr zufrieden sein kann.

Das hohe Arbeitstempo zieht sich durch alle Bereiche

Zu der tollen Hardware gesellt sich eine gelungene Software: Symbians Serie 60 läuft schnell wie nie, es ist eine Freude. Das hohe Arbeitstempo zieht sich durch alle Bereiche, auch der Internet-Browser reagiert zackig. Die Ausstattung des E71 ist vollständig, es gibt nichts, was man in dieser Gerätekategorie vermissen würde. Wireless-Lan, Internettelefonie, UMTS mit HSDPA und GPS sind eingebaut. Hatten die ersten Nokias mit dem Satellitenempfänger beträchtliche Schwierigkeiten, kann das GPS-Modul nun überzeugen. Es hat zwar nicht die allerhöchste Genauigkeit und Empfindlichkeit, nimmt aber in der Regel in zehn bis 20 Sekunden den Kontakt mit den Erdtrabanten auf.

In Verbindung mit der eingebauten Nokia-Straßennavigation (die man drei Monate unentgeltlich ausprobieren kann) bewährt sich das E71 als Kopilot im Auto, aber auch als Wegweiser zur nächsten Pizzeria. Mit dem ebenfalls kostenlosen Sports Tracker zeichnet man Wanderrouten auf, und der Location Tagger versieht die Fotos der eingebauten Digitalkamera mit geographischen Koordinaten. Die Aufnahmen der 3,2-Megapixel-Optik (mit Leuchte und Autofokus) sind nur befriedigend, häufig verrauscht und weisen draußen durchgängig einen Rotstich und innen einen Blaustich auf. Die automatische Farbkorrektur des Photoshop wirkt Wunder. Schade, dass Nokia hier nicht mehr Sorgfalt hat walten lassen. Schnappschüsse lassen sich flink zu Flickr oder Nokias Ovi-Dienst hochladen, wobei Flickr die Geokoordinaten falsch bezeichnet.

Office-Dokumente ansehen und bearbeiten

Bei der Ausstattung hat Nokia etliches verbessert und ergänzt. Die neugestalteten Menüsymbole sind die augenfälligste Änderung. Wichtiger sind indes Sicherheitsaspekte (VPN-Verbindungen zum Unternehmen, Fernlöschung eines gestohlenen Geräts, Verschlüsselung von Telefon und Speicherkarte) und neue Zusatzprogramme: Der Advanced Call Manager, den es auch als eigenständiges Programm für andere Handys gibt, kann „weiße“ und „schwarze“ Kontaktlisten verwalten oder Anrufe ohne Rufnummernübermittlung blockieren. Umfangreiche Wörterbücher mit Übersetzungsfunktion sind teils an Bord, teils dazuladbar, und eine Texteingabehilfe à la Windows Mobile rät, was man gerade schreiben will.

Umfassend renoviert wurde der Hauptbildschirm mit frei wählbaren Elementen zur Anzeige. Hier sieht man beispielsweise neue E-Mails, verpasste Anrufe oder Kalendereinträge. Nun lässt sich ein zweiter Startbildschirm konfigurieren, um etwa abends einen Schnellzugriff auf eher private Funktionen wie Kamera oder Musikspieler zu haben. Das Umschalten dauert allerdings etliche Sekunden. Alles Multimediale nimmt eine Micro-SD-Speicherkarte (bis zu 8 Gigabyte, 2 Gigabyte im Lieferumfang) auf, die im laufenden Betrieb ohne Akkuentnahme wechselbar ist, Office-Dokumente lassen sich nicht nur ansehen, sondern auch bearbeiten.

Manko der Vorgängermodelle beseitigt

Von den Windows-Geräten hat sich Nokia die Möglichkeit der direkten Namenswahl abgeschaut. Man tippt einfach den Nachnamen ein, darf sich nicht wundern, was auf dem Display steht (etwa sc60+d2 bei „Schmidt“) und sieht dann in der oberen Bildschirmhälfte alle passenden Kontakte. Der umgestaltete Kalender zeigt auf dem E71 jetzt in der Monatsdarstellung einen geteilten Bildschirm, so dass man alle Ereignisse des Tages auf der rechten Seite sieht. Auch ganztägige Ereignisse oder Geburtstage. In diesem Sinne ist ein Manko der Vorgängermodelle beseitigt. Die Tages- und die Wochenansicht sind nach wie vor unübersichtlich, und dass Tagesereignisse im Stand-by-Bildschirm schon am frühen Vormittag nicht mehr sichtbar sind, ist schwach.

Was die E-Mail betrifft, überrascht den Unternehmenskunden zunächst, dass eine Blackberry-Software offiziell nicht angeboten wird. Ob sich die Programme für andere E-Serie-Geräte mit dem E71 vertragen, sei dahingestellt. So bleibt also nur, Nokias unentgeltliches „Mail for Exchange“ einzusetzen, das gut arbeitet, aber keine Notizen synchronisiert und insgesamt weniger leistungsfähig ist als „Active Sync“ auf Microsoft-Geräten oder Apples Exchange-System für das iPhone. Beispielsweise hat man keinen Zugriff auf Unterordner und kann Nachrichten nicht als „ungelesen“ markieren. Für private E-Mail-Konten steht natürlich der gewohnte Pop3- und Imap-Abruf parat.

Ein altbekanntes Symbian-Problem

Nicht mehr zeitgemäß ist ferner die Sprachwahl, die sich nur für eine Rufnummer je Kontakt nutzen lässt. Der ärgerlichste Fehler des Geräts ist ein altbekanntes Symbian-Problem. Wir haben schon oft darauf hingewiesen, aber Nokia will offenbar nichts ändern: In allen Anruflisten wird stets das Handy-Symbol neben dem Namen angezeigt, selbst wenn der Anruf von zu Hause oder aus dem Büro kam, was ungemein verwirrt und stört. Das eingebaute Chat-System ist wie bei allen anderen Nokias ein Kuriosum: Es funktioniert mit keinem gängigen Anbieter, das Programm ist vollkommen nutzlos. Auch hier fragt man sich, was sich der Hersteller dabei gedacht hat.

Im Unterschied zu einem Windows-Mobile-Telefon ist das E71 nicht in der Lage, bei Datenverbindungen automatisch auf bekannte Wireless-Lan-Netze zuzugreifen. Ständig fummelt man mit den Zugangspunkten herum. Dass das transreflexive Display auch bei hellstem Sonnenschein (Stichwort: Cabrio-Navigation) gut ablesbar ist, gefällt. Es löst indes nur mit 320 × 240 Pixel auf, während ein deutlich kleineres HTC Touch Diamond schon 640 × 480 Pixel bietet. Die Bedienung des E71 ist insgesamt einfach, vor allem kann man unterwegs im Laufschritt mit einer Hand alles Wichtige aufrufen.

Der wichtigste Pluspunkt kommt zum Schluss

Für den Einsteiger ist die Fülle der Möglichkeiten und Optionen indes erschlagend, und immer mehr nähert sich ein Nokia-Handy einem Windows-Rechner an: Was sich in den Untiefen des Systems verbirgt, ist undurchschaubar, Lizenzmanager und Rechteminderung gängeln. Menüeinträge finden sich doppelt an unterschiedlichen Orten, und fest programmierte Ordner sowie Lesezeichen für Nokia-Seiten im Internet, die teils gar nicht mehr vorhanden sind, waren ein weiteres Ärgernis im Testprotokoll.

Ungeachtet dieser Kritik sind wir vom E71 nach mehrwöchigem Einsatz begeistert. Sein hohes Tempo, die Vielfalt der Funktionen und die erstklassige Verarbeitungsqualität haben uns überzeugt. Der wichtigste Pluspunkt kommt indes zum Schluss: Selbst bei intensivem Gebrauch mit E-Mail-Abruf und ein bisschen GPS-Navigation oder Fotografie hält der Akku mindestens drei Tage durch, bei uns waren es bisweilen auch vier. Das schafft derzeit kein Windows-Gerät.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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